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Goch
Neue Seifert-Orgel feierlich eingeweiht

Goch: Neue Seifert-Orgel feierlich eingeweiht
Auch für den Kirchenchor war es ein seit Jahren nicht mehr erlebtes Gefühl, vor der Orgel zu singen. FOTO: Friedel Evers
Goch. Ein Könner seines Fachs hat gestern die neue Orgel der Gocher Maria-Magdalena-Kirche erstmals öffentlich erklingen lassen: Elmar Lehnen aus Kevelaer. Weihbischof Theising weihte das Instrument in der voll besetzten Kirche ein. Von Anja Settnik

Viele Jahre mussten die Gocher Gläubigen und Musikfreunde bis zu diesem Moment warten: Zwölfeinhalb Jahre nach dem 24. Mai 1993, jenem Tag, als der Turm der Maria-Magdalena-Kirche einstürzte und die alte Orgel unter sich begrub, weihte Regionalbischof Wilfried Theising das neue Instrument ein. Eine Orgel aus dem Hause Seifert, optisch sachlich und modern, aber mit soviel sinfonischer Tonfülle, dass die Gocher, die gestern das feierliche Hochamt feierten, sehr ergriffen waren. "Ich freue mich königlich an diesem Christ-König-Sonntag", hatte der Weihbischof zur Begrüßung gesagt und darauf hingewiesen, dass dieses Erlebnis ein "einmaliges" sei. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden mehrere Generationen von Bürgern Freude am Klang dieser "Königin der Instrumente haben".

Weihbischof Theising weiht das Instrument ein, Diakon Kühle assistiert. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Einer, der sich mit Seifert-Orgeln auskennt, nicht zuletzt, weil er selbst praktisch täglich die große Seifert-Orgel in der Basilika spielt, ist Kevelaers Organist Elmar Lehnen. Er durfte das Instrument erstmals vor vollem Haus zum Klingen bringen und zog dabei ganz buchstäblich alle Register. Ob es die zarte Begleitung und dezente Führung des Chores war oder - erstmals beim "Gloria" - die raumfüllende Intensität, die aus 2600 Pfeifen in 39 Registern resultiert - der Eindruck war ergreifend. Wozu auch die Leidenschaft des Musikers ihren Beitrag leistete, denn die Lust am Improvisieren durfte Elmar Lehnen während dieser Messe natürlich ausleben, als wäre die Eucharistiefeier ein Konzert gewesen. Das gab es zudem noch am späten Nachmittag - mit Ansgar Wallenhorst aus Ratingen am Manual.

Theising nahm in seinen zahlreichen Bezugnahmen auf das neue Instrument viele der Worte, die nach dem Gottesdienst noch gesagt wurden, schon vorweg. Vizebürgermeisterin Gabi Theissen und Vertreter der Gremien sprachen noch in der Kirche Dank- und Grußworte, bevor die Gemeinde zum Empfang im Pfarrheim eingeladen war.

Alle Blick zur Empore erhoben: Die Gemeinde hat ihre neue Orgel willkommen geheißen. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Pater Yoseph, noch eine Woche Interims-Pfarrer der Gocher Pfarrgemeinde St. Arnold-Janssen, hatte ein "Vergelt's Gott" für alle Menschen übrig, die einen kleinen oder größeren Beitrag zur Finanzierung der neuen Orgel geleistet haben. Und der Wehbischof vergaß später nicht darauf hinzuweisen, dass nach wie vor Spenden willkommen sind - so war natürlich auch die gestrige Kollekte diesem Zweck gewidmet. Dass die "schmerzliche Wunde", die der Turmeinsturz riss, nun geschlossen ist, dass der "erhabene Raum" eine Orgel brauche, um die Liturgie zu feiern, dass sie helfen werde "die Herzen emporzuheben zu Dir, unserem Herrn" - all das werden die Gläubigen gern gehört haben.

Je nach Temperament reagierten die Gocher mit leisem Lächeln oder feuchten Augen auf das lange vermisste mächtige Brausen der Pfeifenorgel, die über viele Jahre durch ein elektrisches Instrument hatte ersetzt werden musste. Sie hat der Gemeinde gute Dienste geleistet; die Gefühlslagen der Zuhörer ansprechen konnte sie in gleichem Maße jedoch nicht. Für Musikliebhaber war es eine harte Zeit.

In seiner Predigt ging Theising darauf ein, dass es wichtig ist und Zeichen für die Mitwirkung des Heiligen Geistes, ab und zu Projekte anzugehen, die wegen ihrer Größe vielleicht sogar unrealistisch scheinen. Vor etwa fünf Jahren hatte der Orgelbauverein seine Arbeit aufgenommen und das unmöglich Scheinende geschafft: Die neue Orgel ist bezahlt, wenngleich die Gemeinde in Vorleistung treten musste und also weiter um Spenden werben wird. Von jetzt an dürfte gewährleistet sein, was Geistliche den Gläubigen bei jedem Besuch einer Messe wünschen: "dass sie mit froherem Herzen nach Hause gehen als sie kamen", sagte Theising. Zufrieden dürften auch die Orgelbauer und Intonateure der Firma Seifert sein, die das Gebilde aus heller Eiche, Zinn und Blei geschaffen haben.

Quelle: RP
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