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Goch
Niederländer schließen sich Nein zu Fracking an

Hintergrund: So funktioniert Fracking
Hintergrund: So funktioniert Fracking
Goch. Die Nachricht, dass die Niederlande Probebohrungen nach Erdgas im Grenzland erwägen, stößt nicht nur auf deutscher Seite auf Kritik. Auch die niederländischen Nachbargemeinden sind dagegen. Von Anja Settnik

Niederlande Die fremdsprachlich eigentlich sehr aufgeschlossenen Niederländer wissen nicht, worum es geht, wenn von Fracking die Rede ist - weil sie das Gas, das in tiefen Gesteinsschichten sitzt, "Schaliegas" nennen. Die niederländische Regierung hat kürzlich Nordrhein-Westfalen erschreckt, als bekannt wurde, dass es Probebohrungen im Grenzland zu Niederrhein und Münsterland geben soll. Wegen der unkalkulierbaren Umweltrisiken haben sich die Gemeinden im Kreis Kleve längst ablehnend zum Thema geäußert. Nun bekommen sie Schützenhilfe ausgerechnet von Niederländern: Zahlreiche Kommunen sagen inzwischen "Nein" zum Wunsch ihres Ministeriums, "Schaliegas" zu gewinnen. Zum Beispiel die unmittelbaren Nachbarn Weezes.

Hannelore Kraft informiert sich in Kanada über Fracking FOTO: dpa, rp axs

Die grünen Parteien haben den Anfang gemacht, aber längst sind auch andere Wählergemeinschaften gegen das Verfahren, das helfen soll, Energie zu gewinnen, aber den Menschen Angst macht. Auch im Kreis Kleve haben sich die Grünen deutlich gegen das Fracking ausgesprochen - zuletzt im Kommunalwahlkampf, als eigentlich längst alle Parteien dieselbe Position bezogen. Viele Räte haben schon eine Resolution gegen das Fracking unterschrieben, Bürgerinitiativen sammeln Stimmen und leiten sie weiter. Denn in den Niederlanden wurde bereits mit einer strategischen Umweltprüfung begonnen, die zeigen soll, wo und durch welche Verfahren die Gasfördermethode verwendet werden kann. Alle Bürger der Niederlande, Belgiens und Deutschlands können dazu bis zum 9. Juli Stellung nehmen.

"Unsere Nachbargemeinde Bergen ist mit uns zusammen der Ansicht, dass die möglichen Folgen von Fracking noch viel zu wenig erforscht sind, als dass man dem Verfahren zustimmen könnte", sagte der Rheinischen Post Weezes Bürgermeister Ulrich Francken. Wie die RP erfuhr, wollen genau die Kommunen beiderseits der Grenze an einem Strang ziehen, die das auch bisher schon tun - wenn auch auf anderer Ebene. "Goch, Weeze, Bergen, Mook en Middelaar, Gennep, Boxmeer und Cuijk arbeiten auf kultureller Ebene und im Fremdenverkehr bereits intensiv miteinander und wollen ihre Stärken auch im wirtschaftlichen Bereich bündeln", erinnert Touristiker Khalid Rashid. Wer so nahe beieinander ist - räumlich wie inhaltlich - sollte auch Umweltfragen nicht getrennt voneinander behandeln. In welcher Form die grenzüberschreitende Interessengruppe weiter vorgehen will, scheint noch unklar.

Die Gemeinden Cuijk, Boxmeer, Groesbeek und viele andere entlang der Maas fürchten um ihr Grundwasser, um Luftverschmutzung und um Schäden für den Tourismus. Ein (Probe-)Bohrloch habe 1,5 Hektar Fläche nötig, jeder Bohrturm sei 30 Meter hoch - damit möchten sich die Menschen am Niederrhein und im Nachbarland nicht abfinden.

Quelle: RP
 
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