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Goch
Niederrhein-Allianz kämpft gegen Not

Goch: Niederrhein-Allianz kämpft gegen Not
Kinderarzt Werner Strahl von Capa Anamur bemüht sich um eine Versorgungsbrücke zu den Hungernden. FOTO: Jürgen Escher
Goch. Regionalbischof Rolf Lohmann ruft zusammen mit der Aktion Pro Humanität zur Unterstützung der Menschen in Somalia auf. Mit 36 Cent kann man ein Kind einen Tag lang satt machen.

Den Hunger überleben, etwas mehr in den Bauch bekommen können als in brackigem Wasser aufgekochte Blätter. Wieder einmal spüren dürfen, was das für ein Gefühl ist, annäherungsweise satt zu werden: Für 25 Millionen Menschen in Ostafrika ist das im Moment ein Traum weit weg von der schrecklichen Realität. Millionen hungern, weil der Regen ausgeblieben ist, weil Mensch und Tier kein Wasser mehr haben. Und wo kein Wasser ist, ist keine Nahrung. Weihbischof Rolf Lohmann regte die Niederrhein-Aktion gegen die Hungersnot in Ostafrika in den letzten Tagen seines Dienstes in Kevelaer als Rektor der Wallfahrt an. Die Aktion Pro Humanität (APH) aus Kevelaer, selbst seit zwei Jahrzehnten in Benin und im Niger aktiv, kontaktierte das Mediziner-Team von "Cap Anamur".

"Es war wie zu Beginn unserer Arbeit 1994", sagt Elke Kleuren-Schryvers, Vorsitzende der APH. "Auch da gab es eine große Hungerkatastrophe in Somalia, und schon damals arbeiteten wir mit den Experten von Cap Anamur zusammen." Zurzeit sind die Teams von "Cap Anamur" wieder in Somalia, genauer in Somaliland, dem befriedeten Norden.

Nach drei Jahren Dürre haben die Nomaden ihr letztes Vieh verloren. Es gibt nichts mehr zu essen und auch kaum noch Wasser. "Wir versuchen eine Versorgungsbrücke zu den hungernden Menschen in die weiter von südsudanesischem Truppen bombardierten Nuba-Berge zu legen", sagt der Essener Kinderarzt Werner Strahl, Frontman von Cap Anamur. "Wir bringen den Menschen Trinkwasser und Grundnahrungsmittel wie Sorgum (Hirse), Mais, Öl und Zucker bis die Notversorgung durch die Regierung oder vom Welternährungsprogramm übernommen wird. Als Hilfsorganisation können wir solche Grundnahrungsmittel immer noch auf den lokalen Märkten kaufen, doch die Menschen, die als Nomaden bereits 70 Prozent ihres Viehs nach mehrjähriger Dürre verloren haben, sind absolut mittellos".

Über Unicef können die Cap-Anamur-Helfer in ausreichendem Maße mit besonders proteinreicher Nahrung beliefert werden: Plumpy Nut, eine proteinreiche Erdnuss-Paste, die in kleine Päckchen abgefüllt ist. Ein Päckchen liefert einem Kind am Tag ausreichend Proteine und Nährstoffe, sichert das Überleben - und kostet pro Kind und Tag 36 Cent. Ganz wichtig: Die Erdnuss-Paste kann ohne Zugabe von Wasser eingenommen werden

"Es ist auch möglich, die F-100 Spezialmilch für schwerst unterernährte Kleinkinder über diesen Weg zu ordern", so Elke Kleuren-Schryvers. "Einen halben Liter Milch kann man aus einem solchen Päckchen mit sauberem Wasser herstellen: Kosten: 63 Cent pro Tag und Kind."

"Unser Team in Caynabu in Somaliland arbeitet mit einheimischem Fachpersonal zusammen in einem Krankenhaus, in dem wir ein Feeding-Center betreiben, also eine Rettungsstation für an schwerster Unterernährung leidenden Babys und Kleinkinder.

Aber auch hungernde Erwachsene, die sich neben dem Krankenhaus einfach niederlassen oder in den Dörfern leben, versorgen wir" , sagt Kinderarzt Werner Strahl, der auch mit 70 Jahren keinen Einsatz scheut. Als die Ebola-Krise in Sierra Leone ausbrach, war er vor Ort. Und vor wenigen Monaten war er in Somaliland.

APH ruft mit der Kirchengemeinde St. Marien und einigen niederrheinischen Unternehmen und Organisationen zu einer Allianz der Akuthilfe gegen diesen Hunger der Menschen in Somaliland auf. "Jeder Euro hat Konsequenzen, denn er bedeutet mindestens einen Tag zu überleben. Jeder fehlende Euro...", Elke Kleuren-Schryvers mag den Satz gar nicht zu Ende sprechen.

Soforthilfe von 27.000 Euro hat die APH dank der Spendebereitschaft von Unternehmen und Organisationen schon zusammentrommeln können. Das Geld wird nun an Cap Anamur transferiert zum Einkauf der Nahrungsmittel. Der Klever Unternehmer Bernd Zevens spendet 5000 Euro. Ebenso auch die Kirchengemeinde St. Marien Kevelaer. Ein weiteres niederrheinisches Unternehmen stellt 2000 Euro bereit.

"Wir müssen leidenschaftlicher werden in unserem Mitleiden, engagierter in unserem Handeln für diese Menschen, die von ihrem Hunger zerfressen werden", sagt Regionalbischof Rolf Lohmann.

Quelle: RP
 
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