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Goch-Kessel
Niers-Wiese wird zur Auenlandschaft

Goch-Kessel: Niers-Wiese wird zur Auenlandschaft
FOTO: GOTTFRIED EVERS
Goch-Kessel. In Kessel wird an mehreren Stellen der Lauf der Niers unterbrochen und dem Fluss aus ökologischen Gründen mehr Raum gelassen. An der B504 sind die künftigen Schleifen schon zu erkennen, im Herbst wird nahe der Kirche gebaut. Von Anja Settnik

Weg mit dem schmutzigen Abwasser, dem Hochwasser, allem, was Landwirte hinderte, die ufernahen Flächen intensiv zu nutzen: Es waren sehr praktische Gründe, die die Verantwortlichen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts dazu veranlassten, aus dem Niederrhein-Flüsschen Niers eine Art Kanal zu machen.

Dass das ökologisch nicht gut war, ist heute fast jedem klar und führte zu ersten Renaturierungsmaßnahmen. Nachdem zuletzt im Raum Kevelaer ein Niers-Bereich naturnah umgestaltet wurde, sind jetzt in Kessel die Bagger angerückt. Die RP traf an der Baustelle Wasserbauer Daniel Märtens, der das Projekt leitet.

Wasserbauer Daniel Märtens leitet das Projekt in Kessel. Mitte Juli wird der zweite Abschnitt an der Kranenburger Straße in Angriff genommen, voraussichtliche Fertigstellung ist Ende 2019. FOTO: Evers Gottfried

Auf beiden Seiten der Bundesstraße 504 / Kranenburger Straße wird die Niers in den kommenden Monaten verlegt. Schleifen mit einer Gesamtlänge von etwa 430 Metern sollen den Lauf des Flusses unterbrechen und das Wasser durch eine Auenlandschaft führen.

Neben dem Hauptlauf ist auch ein Nebenarm geplant und im Ansatz schon zu erkennen. "Der Niersverband hat die fünf Wasserbauer, die hier auf der Fläche tätig sind, alle selbst ausgebildet", sagt Märtens. Auch das schwere Gerät, das schnelle Erfolge erzielt, gehört ganz überwiegend dem Verband: Bagger, Kettenbagger, Traktoren.

Auf einem Plan zeigt der Projektleiter, wie der Niersverlauf in Zukunft aussehen soll: Zweimal verlässt die Niers künftig ihr Bett und wird in schwungvollen Schleifen über eine Fläche geführt, die früher landwirtschaftlich genutzt wurde. "Wir haben diese Flächen schon vor Jahren gekauft, das macht die Umsetzung der Pläne einfacher", erklärt Märtens.

Einige Reisighaufen und abgesägte Baumstämme mit Wurzelwerk warten auf ihre Verwendung: "Totholz ist wichtig als Rückzugsraum für Fische und Kleinlebewesen", sagt der Wasserbauer, der auch von Ökologie einiges verstehen muss. Artenschutz und naturnaher Lebensraum sind für ihn inzwischen ebenso wichtige Vokabeln wie Abwasserreinigung und Gewässergüte. Gesetze und Gesellschaft erwarten, dass beides zueinanderkommt.

Einige Pappeln, die am bisherigen Niersufer standen, wurden umgepflanzt und sollen in der jungen Auenlandschaft weiterwachsen. Das werden sie wohl tun, wird angenommen - Pappeln halten viel aus. Ansonsten werden standortgerechte Gehölze gesetzt, Erlen vor allem.

Auf der Karte sind sie bereits eingezeichnet. Weitere Pflanzen sollen sich von selbst einfinden, wie die Natur es möchte. Am Rande der Fläche, nahe der Straße, von wo aus abgefahren werden kann, liegen große sortenreine Berge mit Sand, Torf, Lehm und Kies. "Die werden zur Wiederverwertung und Entsorgung ausgeschrieben", erklärt Märtens.

Falls sich jemand um die Paddler sorgt, die doch so gerne auf der zahmen niederrheinischen Wasserstraße unterwegs sind: Das wird bis zur Kesseler Kirche weiterhin möglich sein, kurz dahinter ist allerdings offiziell Ende. Wer weiter fährt, muss sein Boot um die Krautfangstation herum tragen - und natürlich die Natur schonen. Wanderern steht der Niersweg auch weiterhin zur Verfügung, hier und da liegt er künftig lediglich etwas weiter entfernt vom Ufer.

Mitte Juli wird der zweite Abschnitt an der Kranenburger Straße angegriffen, nahe der Kesseler Kirche in Richtung Baggersee geht's ab September weiter, Ende 2019 soll alles fertig sein. Noch sorgen Pumpen dafür, dass die Männer im Trockenen arbeiten können. Im Sommer werden die Dämme eingerissen, die das Wasser bislang im alten Bett halten. Dann wird die tiefergelegte Fläche geflutet und die Auenlandschaft darf sich entwickeln.

Quelle: RP
 
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