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Goch
Notunterkunft in Tennishalle geplant

Goch: Notunterkunft in Tennishalle geplant
FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Goch. Goch bereitet sich auf etwa 190 weitere Flüchtlinge vor: 40 sollen im Herbst in der Liebfrauenkirche untergebracht werden, mindestens 150 passen in die STG-Halle, die die Stadt ankauft. Eine spätere Alternativnutzung ist angedacht. Von Anja Settnik

"Nichts Konkretes geplant", hatte die Stadt Goch noch vor wenigen Tagen verlauten lassen, als die RP davon erfuhr, dass die ehemalige Liebfrauenkirche zur Flüchtlingsunterkunft werden soll. Und auch die Anfrage, ob tatsächlich die Tennishalle an die Stadt verkauft wird, um dort Menschen vor Obdachlosigkeit zu bewahren, blieb bis Mittwochabend unbeantwortet. Gestern wurden alle Gerüchte bestätigt: Zur Unterbringung von Flüchtlingen werden sowohl die profanierte Kirche, als auch der Sport-Treff Goch (STG) an der Marienwasserkirche vorbereitet. Mindestens 190 Menschen könnten an beiden Standorten aufgenommen werden. Zusätzlich zu den 414 Flüchtlingen, die schon jetzt in Goch leben.

Die Tennishalle wird Notunterkunft. Bevor die Bezirksregierung Düsseldorf (erneut) nachfragt, habe die Stadt ein entsprechendes Angebot gemacht, teilte Stadtsprecher Torsten Matenaers gestern mit. Die STG-Halle hat eine Größe von rund 3000 Quadratmetern und bietet Platz für mindestens 150 Menschen. Sie wurde der Stadt Goch von der Eigentümergemeinschaft zum Kauf angeboten und steht kurzfristig zur Verfügung. Wie die RP erfuhr, stand tatsächlich nur der Ankauf zur Debatte; an einer Vermietung waren die Eigentümer, allesamt Geschäftsleute aus Goch, offenbar nicht interessiert. Schon lange war die Halle nicht mehr sehr gut gebucht - der Tennis-Sport hat bekanntlich seine beste Zeit längst hinter sich. Auskunft zum Thema geben wollten die Eigentümer bis Mittwoch allerdings nicht: "Wir haben zu der Angelegenheit nichts zu sagen", war die einzige Antwort, die die RP erhielt.

FOTO: privat

Die aktiven Tennisspieler des TC Goch reagierten erschreckt auf die Neuigkeit. "Wir wissen von nichts, und das wäre für uns ein großes Problem", hatte die Vorsitzende Elke Duivenbode der RP gesagt. Denn im Winter halten sich die Clubmitglieder, denen in Goch keine gleichwertige Halle zur Verfügung steht, im STG für die Saison fit.

Notunterkünfte sind für die eher kurzfristige Unterbringung vorgesehen. Die Tennishalle samt Grundstück kann, so hofft die Stadt, später einer anderen Nutzung zugeführt werden. Und: Besser eine Tennishalle umwidmen als eine städtische Sporthalle, die viele hundert Schüler und die Vereinssportler benötigen. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Bezirksregierung Goch als zweitgrößte Stadt im Kreis Kleve verbindlich aufgefordert hätte, kurzfristig eine Notunterkunft einzurichten", schreibt die Stadt.

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Unabhängig von der Errichtung der Notunterkunft werden den Kommunen weiter Flüchtlinge und Asylbewerber zugewiesen. Noch vor einem Monat waren es 85 weniger als die heute 414 Unterzubringenden. "Bislang ist es möglich, die Menschen dezentral unterzubringen, hauptsächlich in privat angemieteten Wohnungen", so Matenaers. Die rund 20 bisher genutzten Häuser würden nicht mehr lange ausreichen. Mit dem Innenraum der profanierten Liebfrauenkirche werde künftig eine größere Unterkunft zur Verfügung stehen. Stadt Goch und Kirchengemeinde haben gemeinsam ein Nutzungskonzept erarbeitet, dem das Bistum Münster inzwischen zustimmte.

Matenaers führt aus: "Für etwa 40 Personen entstehen im Kirchenschiff Schlaf- und Aufenthaltsmöglichkeiten. Sanitäre Einrichtungen werden zunächst außerhalb des Gebäudes eingerichtet, bevor sie im Gebäudeinneren zur Verfügung stehen. Der Liebfrauen-Innenraum ist als kurzfristiges Quartier vorgesehen, damit jeder der Stadt Goch zugewiesene Flüchtling sofort eine Bleibe hat. Die Menschen sollen nach einem kurzen Aufenthalt dort auf Wohnungen und Häuser dezentral verteilt werden. Vorgesehen ist, den Liebfrauen-Innenraum noch im Herbst bereitzustellen."

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Alle im Rat vertretenen Parteien hätten per Dringlichkeitsbeschluss zugestimmt, die außerplanmäßig benötigten 620 000 Euro zur Verfügung zu stellen.

Quelle: RP
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