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Goch
Organisten lernen neue Orgel kennen

Goch: Organisten lernen neue Orgel kennen
Drei Organisten, die sich am neuen Instrument der Gocher Seifert-Orgel freuen: Wolfgang Nowak (links) und Mathias Nobel (rechts) von der Arnold-Janssen-Gemeinde, in der Mitte der pensionierte evangelische Kantor Friedhelm Olfen. FOTO: Evers
Goch. Die Gocher Maria-Magdalena-Kirche verfügt ähnlich einer Kathedrale über eine sehr "hallige" Akustik. Darauf mussten die Orgelbauer Rücksicht nehmen. Gocher Kirchenmusiker testen nun die Stärken des schönen Instruments. Von Anja Settnik

Nun steht sie da in ihrer ganzen Pracht und will gespielt werden. Jahrelang hat sich die Gemeinde nach einer neuen Pfeifenorgel gesehnt, ebenso lange mussten die hauptamtlichen Kirchenmusiker mit einem elektrischen Ersatzinstrument auskommen. Jetzt aber ist die Gocher Seifert-Orgel eingeweiht und kann für die Liturgie wie auch für Konzerte genutzt werden. Mathias Nobel, Organist und Chorleiter, sein Kollege Wolfgang Nowak, aber auch Susanne Paulsen, die Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde, und ihr Vorgänger Friedhelm Olfen freuen sich über das neue Instrument.

Von Beginn an in die Planung einbezogen war Mathias Nobel. Er hat gemeinsam mit den Fachleuten der Firma Seifert überlegt, wie die Orgel gestimmt sein sollte, für welche Aufgaben sie besonders geeignet sein muss. Die "Disposition" der Orgel, die Zusammenstellung der Register, bestimmt weitgehend die Einsatzmöglichkeiten des Instruments. Aber noch etwas musste ganz grundlegend einbezogen werden: "Wir haben eine besondere, manche Leute sagen schlechte Akustik in unserer Kirche", sagt Nowak. Sie ist hallig wie eine Kathedrale, weswegen sich die Fachleute für ein "französisch-romantisches" Instrument entschieden. Also eines, das nicht so sehr für die Musik des Barock und dessen prominentesten Vertreter Johann Sebastian Bach geeignet ist. Die Kantorin der evangelischen Gemeinde, Susanne Paulsen, liebt privat besonders die alte Musik, hält aber für eine richtige Entscheidung, "eher in Richtung Romantik" gegangen zu sein, denn dies passe zur heute vorwiegend gefragten Kirchenmusik.

In "ihrer" evangelischen Kirche am Markt steht der Organistin eine neobarock gestimmte 70er-Jahre-Orgel zur Verfügung, ein solides "Kompromiss-Instrument", das für Standard-Anwendungen gut geeignet sei. "Ich bin aber schon gespannt darauf, auch mal die Seifert-Orgel zu spielen. Bei der Terminfülle im Advent habe ich das jedoch auf die Zeit nach Weihnachten verschoben."

Da ist ihr Vorgänger im Amt, Friedhelm Olfen, schon weiter. Denn er hat bereits ein gut besuchtes Konzert auf dem Instrument gegeben. Ein Klever Unternehmen hatte ihn dafür gewonnen, der Erlös kommt der Finanzierung der neuen Orgel zugute. Olfen sagt: "Ich habe mich vor dem Konzert tagelang mit dem Instrument beschäftigt und freue mich darüber, dass diese schöne Kirche nun auch eine prächtige Orgel hat." Er hat improvisiert, nicht nur sakrale Musik angestimmt, sondern auch Unterhaltungs-Klassiker und Jazz - "die Leute haben minutenlang applaudiert." Sehr gerne werde er, der Ruheständler, sich ab und zu an diese Orgel setzen, wenn ihm dies die katholischen Kollegen erlaubten . . .

Ein paar hochmoderne technische Errungenschaften müsse man sich erst erarbeiten, erzählt Olfen; die Orgel sei "wie ein Hochleistungswagen in der Formel 1". Über den drei Manualen sind nicht, wie bei früheren Orgeln übrig, diverse Knöpfe angebracht, mit denen die Register ein- oder ausgeschaltet werden können, vielmehr lassen sich die erwünschten Klangfarben elektronisch vorab festlegen. "So kann sich der Organist auf das Spielen konzentrieren, das ist recht bequem", sagt Mathias Nobel.

39 Register hat die Seifert-Orgel, drei mehr als das beim Kirchturmeinsturz zerstörte ehemalige Instrument. Das sei Ergebnis des Abstimmungsprozesses, der die Entwicklung begleitet hat, erzählt Nobel. Letztlich könnten damit alle leben - auch die Orgelbauer, die dem Instrument natürlich irgendwie den typischen Klang des "Hauses Seifert" geben wollten. Im kommenden Jahr werde übrigens auch Seifert-Intonateur Mathias Wirth bei einem Konzert persönlich testen, wie "sein" Werk geraten ist. Ein weiterer Gastmusiker ist Regensburgs Domorganist Franz-Josef Steuber. Und auch Markus Heinz, früher Gocher und jetzt in Düsseldorf lebend, wird an dem neuen Instrument konzertieren. "Heinz ist übrigens der letzte, der die alte Orgel gespielt hat. Er begleitete die Abendmesse vor der Nacht, in der der Turm einstürzte", erinnert sich Nobel.

Wolfgang Nowak, ebenfalls Kirchenmusiker in St. Arnold Janssen, ist froh darüber, dass sein Kirchenchor nun, nach Abschluss der Arbeiten, wieder auf der Empore stehen kann. Toll sei auch, vor der Orgel zu sitzen und in vollem Umfang zu hören, was man spiele. Das ist, wenn der Spieltisch seitlich steht, nicht der Fall. "Es war zunächst gewöhnungsbedürftig, zu wissen, dass die Gottesdienstbesucher mich durch die gläserne Balustrade beobachten können, aber jetzt stört es mich nicht mehr", versichert Nobel. Schließlich lohnt auch die ungewöhnliche Optik des Prospekts, der mit seinen "chaotischen" Ecken und Kanten an den Einsturz des Turms erinnert, jeden Blick nach oben.

Quelle: RP
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