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Goch/Weeze
Petrusheim macht Platz für Flüchtlinge

Goch/Weeze: Petrusheim macht Platz für Flüchtlinge
FOTO: Gerhard Seybert
Goch/Weeze. Es sei selbstverständlich das anzubieten, was man hat, lautet die Philosophie von Beate Jussen und ihrem Team. Die Geschäftsführerin der Wohnungslosen-Einrichtung , ihre Mitarbeiter und die Bewohner wollen helfen. Von Bianca Mokwa

Jeden Moment kann der Anruf kommen. Eigentlich hieß es, am Freitag wäre es schon soweit, Flüchtlinge kämen zum Weezer Petrusheim. "Wir sind für alles gerüstet", sagt die Geschäftsführerin Beate Jussen. "Wir bieten jedem, der Schutz sucht, ein Dach über dem Kopf." Das ist das Prinzip der Wohnungslosen-Einrichtung in Weeze. Das trifft genauso auf die Flüchtlinge zu, auch sie sind wohnungslos, heimatlos.

Jussen hatte sich bei der Gemeinde Weeze, dem Kreis Kleve und der Bezirksregierung aus freien Stücken gemeldet, dass auf dem Gelände des Petrusheims Flüchtlinge Unterkunft finden könnten. Ein komplettes Gebäude steht frei. Platz wäre für 50 bis 100 Leute. Ob es 50 oder 100 werden, hängt davon ab, ob das Petrusheim Einzel- oder Stockbetten bekommt. Die fehlen nämlich noch. "Der Kreis Kleve hat Unterstützung zugesagt", sagt Jussen hoffnungsfroh. Für die Flüchtlinge wurden am Wochenende noch Böden geschrubbt und Wände gestrichen. Das läuft von Mitarbeitern und Bewohnern ehrenamtlich, außerhalb der regulären Arbeitszeit.

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Der Vorschlag, Flüchtlinge aufzunehmen, kam aus der Mitarbeiterschaft, betont Jussen. Die Idee, das alte Kolonie-Gebäude für Flüchtlinge zu nutzen, die hatte sie auch. Sie möchte aber, dass alle die Idee mittragen. Deswegen gab es auch eine Versammlung mit den 230 Bewohnern des Petrusheims. "Die leben hier, und deren Alltag muss vernünftig weiterlaufen", betont die Geschäftsführerin. "Es darf sich niemand benachteiligt fühlen oder das Gefühl haben, dass ihm etwas weggenommen wird." Bei der Versammlung traf die Idee auf große Offenheit. "Wenn die kommen, ich habe noch einen Fernseher, den brauche ich eigentlich gar nicht mehr", hatte ein Bewohner angeboten. "Er hat nur den einen", fügt Jussen mit wissendem Blick an. Ein ehemaliger Bewohner hatte spontan angeboten, mit den Flüchtlingen kegeln zu gehen oder Spiele zu spielen. Jussen hat eine Erklärung für diese Bereitschaft: "Alle freuen sich, endlich etwas tun zu können, bei der ganzen Verzweiflung."

Das Angebot des Petrusheims ist alles andere als eine übereilte Verzweiflungstat. Jussen geht in das Verwaltungsgebäude und öffnet eine Tür. "Hier kann ein Arztzimmer eingerichtet werden." Die Johanniter-Unfallhilfe hat ihre Hilfe schon zugesagt. Weiter geht es zur ehemaligen Küche. In den Regalen liegen bereits Pullover und Hosen nach Größe sortiert. Jussen geht weiter zum alten Speisesaal. "Der kann als Aufenthaltsraum genutzt werden, um den Tag zu verbringen, wenn nicht gerade die Sonne scheint." Alles ist gut durchdacht. Mit dem Koch hat sie gesprochen. Die Flüchtlinge würden mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen versorgt. Auf dem Gelände ist ein kleiner Shop. Es ist also kein Problem, dass das Petrusheim nicht gerade zentral liegt.

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Ob denn ein Heim für Obdachlose die richtige Umgebung für Kinder wäre, falls welche bei den Flüchtlingen dabei wären? "Ich glaube, für jedes Kind ist diese Umgebung eine Insel der Glückseligkeit." Es gibt Privatsphäre, die Zimmer haben alle eine Tür zum Schließen, es gibt Katzen, Kälber und viel Platz.

Mit den 100 Plätzen sei das Petrusheim allerdings "ein kleiner Fisch", sagt Jussen. Es sei einfacher, 1000 Leute in einer Halle zu verwalten. Hier ist es komfortabler als in eiemn Zelt, und wir haben die Kapazitäten", betont Jussen. Die Zimmer, in denen die Flüchtlinge untergebracht werden können, haben ein eigenes Waschbecken oder eine Dusche.

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"Es ist alles da, es muss uns nur noch jemand sinnvoll in die Struktur einbinden", sagt Jussen. Sie wird nachdenklich. "Und wenn nur zwei kommen, die nicht im Zelt schlafen müssen, dann hat es sich schon gelohnt. Oder auch, wenn es nur einer ist."

Quelle: RP
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