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Goch-Pfalzdorf
Pfalzdorfer Hilfe für Schulen in Afrika

Goch-Pfalzdorf: Pfalzdorfer Hilfe für Schulen in Afrika
Der Ghana-Kreis unterstützt nicht nur Schulen in Ghana, sondern künftig auch gezielt die Lehrkräfte. FOTO: PRIVAT
Goch-Pfalzdorf. Viele junge Leute verlassen den armen Norden Ghanas. Aber die dortigen Kinder brauchen Lehrer, um eine Zukunft zu haben. Deshalb übernimmt der Ghana-Kreis aus Goch für zehn Studenten jetzt die Studiengebühren. Von Anja Settnik

Nichts ist wichtiger als Bildung, um eine Gesellschaft nachhaltig positiv zu beeinflussen. Auch Theo Sprenger, Sprecher des Ghana-Kreises Pfalzdorf, sieht das so. Ein Jahr, nachdem der Partnerschaftsausschuss St. Martin Pfalzdorf mit der Gemeinde St. Theresa Nandom in Ghana zusammenarbeitet, hat die Gruppe ein neues Projekt vorbereitet: Das Studium von zehn jungen Leuten, die sich verpflichten sollen, nach dem Examen Kinder in Nandom zu unterrichten, soll von den Pfalzdorfern finanziert werden.

Die Kirchengemeine St. Theresa liegt in Ghanas Norden, weit weg von der Region, in die es die meisten jungen Männer und Frauen zieht. Wenn schon Westafrika, dann da, wo etwas Geld winkt, ist der nachvollziehbare Gedanke. "Im Süden, an der sogenannten ,Goldküste', locken noch immer die Goldminen, außerdem gibt es Tourismus", erklärt Anne Jansen von der Pfarrgemeinde St. Martinus. Wer aber soll die Kinder unterrichten, wenn es keine Lehrer gibt? In Schulen, die nicht selten durch europäische Projekte wie dem Pfalzdorfer unterstützt werden? Im medizinischen Bereich ist es kaum anders. Ärzte arbeiten lieber in Krankenhäusern des Südens, für Nandom und ähnliche Gegenden bleibt oft nur Pflegepersonal, das eine gewisse medizinische Grundversorgung leistet.

Der in Pfalzdorf tätige Kaplan Uchenna Aba stammt aus Nigeria. Das liegt ebenfalls in Westafrika und ist, was die Mentalität der Einwohner anbelangt, mit dem Nachbarland durchaus zu vergleichen. Uchenna Aba ist deshalb für den Ghana-Kreis willkommener Ratgeber. Ihm gefällt auch der neue Name, den sich die Vereinigung gegeben hat: "Bavieli" - auf deutsch "wir wollen Freunde sein". Das ist nämlich den Menschen in Afrika oft besonders wichtig: dass sie nicht bevormundet werden, sondern selbst ein Mitspracherecht dabei haben, wie ihnen geholfen wird. "Das erhöht dann auch die Akzeptanz unserer Projekte erheblich", hat Sprenger festgestellt.

Was in Ghana etwa gegenüber Eritrea ein Vorteil sei: Es existiere ein durchaus demokratisches politisches System. Es sei vor allem die Armut, die dennoch viele Menschen zu der Entscheidung brächten, die Region oder gleich das Land (und den Erdteil) zu verlassen.

Mit Blick auf die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, halten es Sprenger und seine Mitstreiter für unbedingt notwendig, "die Ursachen anzupacken". In diesem Sinne bauen sie Brunnen, deren Motoren durch Solarenergie angetrieben werden, helfen Frauen, durch eigene Webstühle oder die Haltung von Ziegen einen Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten, und unterstützen - auch durch die Übernahme der Studiengebühren angehender Lehrer - die Bildung.

Lutz Röhrig hat nach dem Abitur als Freiwilliger ein Jahr in St. Theresa Nandom verbracht. Unter anderem hat er Nachhilfe gegeben. "Für die Familien ist es sehr schwer, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Oft reicht das Geld nur für ein Kind, die anderen müssen zuhause bleiben und auf dem Feld arbeiten, bis das älteste mit der Schule fertig ist", berichtet er. Das habe zur Folge, dass manchmal 30-Jährige die Schulbank drückten. "Sehr groß ist auch die Bedeutung der Frauen in Nandom", weiß Maria Bäcker-Sprenger, die mit ihrem Mann schon zweimal in Ghana war. Einen großen Teil der Arbeit auf den Feldern und mit den Tieren erbringen sie. Der Ghana-Kreis hat vielen von ihnen ermöglicht, Kompostieranlage anzulegen, um bessere Ernten einzubringen, und stiftet Sämlinge, aus denen Akazien- und Obstbäume entstehen. Ein weiteres Projekt: 18 Rollstühle aus dem Orsoyer Krankenhaus, das künftig Flüchtlingsunterkunft ist und seine Krankenfahrstühle nicht mehr benötigt, haben die Pfalzdorfer übernommen, um sie mit einem Sammeltransport nach Nandom zu schicken. Im dortigen Krankenhaus wird, weil erhaltende Operationen seltener möglich sind als in Europa, häufig amputiert.

Spenden für die hilfreichen Projekte sind jederzeit willkommen, Theo Sprenger gibt gerne Auskunft.

Quelle: RP
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