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Goch
Prinzenpaar holt Schlüssel zum Rathaus

Karneval in Goch: Prinzenpaar holt Schlüssel zum Reithaus
Karneval in Goch: Prinzenpaar holt Schlüssel zum Reithaus FOTO: Gottfried Evers
Goch. Bürgermeister Ulrich Knickrehm verteidigte bei seiner Premiere vor Abertausenden von Narren das Rathaus vergebens. Die riesige Helau-Armee wurde beim Sturm auf das hohe Haus von den 15 Kindergärten der Stadt Goch unterstützt. Von Michael Baers

Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt im Herbst des vergangenen Jahres wurde es ungemütlich für Ulrich Knickrehm. Und das lag nicht allein an dem frischkalten Wind, der am Samstag teils kräftig über den Gocher Marktplatz fegte. Die Verteidigung des Rathausschlüssels gegen das Prinzenpaar der Gocher Pferdefreunde war für den Bürgermeister eine Premiere. Das RZK-Mitglied hatte den Rathaussturm zwar schon häufiger von der Empore aus nächster Nähe miterlebt, doch diesmal war es an ihm, den angreifenden Karnevalisten zu trotzen. Und wie alle seine Vorgänger sollte auch er an dieser Aufgabe scheitern.

Nach dem triumphalen Vorbeimarsch der neun Gocher karnevalstreibenden Vereine ritten Prinz Johannes III. und seine Prinzessin Yvonne II. - zwar nicht ganz standesgemäß, dafür aber sicher - auf Holzpferden ein.

Josef "Jupp" Hondong, der den Rathaussturm wie seit Jahren gewohnt wieder Mal gekonnt moderierte und überdies bekanntlich auch der Vater des amtierenden Prinzen ist, konnte sich angesichts des in den roten Vereinsfarben gehaltenen Mantels einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Du siehst ein bisschen aus wie St. Martin", rief er Sohn Johannes zu, während der sich vom huflosen Hengst schwang und sich jubelnd auf den Weg zur Bühne machte.

Dort angekommen kam es gleich zum Rededuell mit dem Bürgermeister. Knickrehm: "Ich habe gerade erst den Schlüssel erkämpft und darf hier endlich residieren. So einfach herschenken werde ich ihn sicher nicht!" Prinz Johannes: "Also wenn ich mir das Wahlergebnis so ansehe, sieht man, dass er dir vielleicht doch ein bisschen geschenkt wurde..."

In dieser Art ging es dann noch einige Male hin und her, Knickrehm attestierte dem Prinzen aufgrund seiner "salbungsvollen Worte" sogar "Zeug zum Politiker", doch irgendwann schritt der Moderator ein und sprach den tausenden Narren, die sich trotz Kälte und grauem Himmel auf dem Marktplatz versammelt hatten, aus dem Herzen: "Es wird mir hier viel zu viel geredet, wir wollen jetzt etwas sehen".

Prompt kündigte die Prinzessin die erste Angriffswelle in Form der vereinseigenen Voltigiergruppe an. Und was Lisa Borgmann, Yara Scheel und die anderen Nachwuchssportler da bei Kälte und Wind auf dem hölzernen Übungspferd zeigten, hätte bei einem weniger mit allen Wassern gewaschenen Bürgermeister sicher auch schon gereicht, um ihn in die Knie zu zwingen. Trotz der widrigen Umstände gab es tolle Hebefiguren zu sehen und das Publikum war begeistert. "Ich bin kurz davor aufzugeben", sagte dann auch der sichtlich beeindruckte Knickrehm, der sich aber mithilfe einer Schubkarre voller süßer "Abwehrmittel" noch einmal retten konnte.

Kommentar des Prinzen: "Da hast du uns jetzt aber die Butter vom Brot genommen."

Während Gochs Karnevals-Kult-Band K 6 erneut aufspielte, bereiteten die Pferdefreunde ihren finalen Schlag vor. Ein weiteres Holzpferd, diesmal aber eine Nummer größer, wurde von den Reitergardisten herbeigeholt, gefolgt von zahllosen Vertretern aller fünfzehn in Goch bestehenden Kindergärten. Sie hatten die Puzzleteile, die anschließend am Pferd angebracht wurden, selbst bemalt und so das Prinzenpaar tatkräftig unterstützt. Ein Puzzleteil pro Kindergarten.

Am Ende fehlte aber noch ein Stück, "es fehlt das Herz", sagte Prinz Johannes III. "Falls du, lieber Uli, es schaffst, das letzte Teil zu bemalen und am Pferd anzubringen, bin ich bereit aufzugeben", bot er dem Bürgermeister an.

Die Chance witternd stellte jener sich an die Staffelei, malte einen Schlüssel, das Wort Helau und etwas, über dessen Deutung anschließend noch launig diskutiert wurde. Doch letztlich war es ohnehin egal, denn das bürgermeisterlich bemalte Stück passte rein zufällig gar nicht an die freie Stelle, wie Uli Knickrehm kurz darauf auch bedauernd feststellte.

Mit dem richtigen Puzzleteil winkend, bot der Prinz dem Stadtoberhaupt einen Kompromiss an: "Was hältst du davon, wenn wir zu dritt das Herz, das den Gocher Harlekin zeigt, am Pferd anbringen und du uns dafür den Schlüssel gibst?" Und tatsächlich, Knickrehm lenkte ein. Volksnah fragte er erst noch das Publikum um Erlaubnis, doch dann überreichte er den Schlüssel mit den legendären Worten Olli Kahns: "Hier ist das Ding".

Wenig später kündigten Konfettikanonen aus dem Rathaus die endgültige Übernahme an und ein riesiges Banner, das das Prinzenpaar und die Garde zeigt, wurde davor herabgelassen.

Zu guter Letzt rief der neue Gocher Regent Prinz Johannes III.: "Jetzt haben wir kein kein Rathaus mehr, sondern ein Reithaus!"

Darauf ein dreifaches Goch, Helau!

Quelle: RP
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