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Goch
"Pro Humanität" mit großen Plänen

Goch: "Pro Humanität" mit großen Plänen
Steffi Neu mit einem Neugeborenen auf der Frauenstation. FOTO: APH
Goch. Die jüngste Reise nach Benin zeigte den Akteuren einmal mehr, was wichtig ist bei Hilfsprojekten: die Empfänger mitzunehmen. Das gelingt immer besser und muss so weitergehen. Von Anja Settnik

Operationen im "Busch", inzwischen sogar Röntgen- und endoskopische Untersuchungen: Viel ist geschehen im Zentrum "Gohomey" im Norden Benins. Das wird bekanntlich von der Kreis Klever Organisation "Pro Humanität" unterhalten und immer weiter ausgebaut.

Gerade sind die Akteure um die Kevelaerer Ärztin Dr. Elke Kleuren-Schryvers samt "Botschafterin" Steffi Neu von einem Hilfseinsatz in Westafrika zurückgekehrt. "Es war das Ende der Regenzeit, und diese Phase hat ihre Besonderheiten", berichtete gestern Kleuren-Schryvers im Beisein ihres medizinischen Kollegen Dr. Rüdiger Kerner.

Das Team vom Niederrhein - inzwischen heimgekehrt - mit Bischof Laurent Lompo, der das Projekt seit vielen Jahren unterstützt. FOTO: APH

Denn "Regenzeit" heißt nicht nur, dass die Natur auftanken kann, sie bedeutet auch ein vermehrtes Auftreten von Malaria oder Thyphus. Deshalb hatten die Helfer aus Deutschland schon in den ersten Tagen mit einigen lebensbedrohlich Erkrankten zu tun, denen sie helfen konnten. Insbesondere ein kleines Mädchen hätte ohne die Ärzte vom Niederrhein kaum überlebt, ließen die Zurückgekehrten durchblicken. Begleiterin Heike Waldor-Schäfer konnte gleich nach der Ankunft sogar sehr persönlich Leben retten: Sie spendete akut erforderliches Blut.

Seit 20 Jahren ist die Aktion Pro Humanität inzwischen in Benin aktiv. Die jüngsten Einsätze galten der Inbetriebnahme eines Endoskops. Dr. Kerner vom Kevelaerer Marienhospital hatte seine Endoskopie-Schwester Hildegard Kleinen aus Goch mitgenommen, die zum einen die Untersuchungen managte, zum anderen Schwestern vor Ort anlernte. 30 Endoskopien, lange vorher terminiert, standen an, weitere wird es im Februar geben, wenn das Team erneut nach Benin reist.

Von weither kommen Kranke zur Station "Gohomey" der Aktion Pro Humanität. Demnächst wird ein Bettenhaus angebaut, um noch mehr Menschen helfen zu können. FOTO: APH

"Wir hatten es uns etwas einfacher vorgestellt, das Gerät in die Hände der Mitarbeiter vor Ort zu übergeben. Aber der ältere Arzt, den wir dafür vorgesehen hatten, weil er schon einige Erfahrung mit der Technik besitzt, zeigte sich dann doch nicht als geeignet, und einem jüngeren Kollegen fehlt noch das Selbstvertrauen", erklärte Dr. Kerner. Das ruppige Verhalten des reiferen Arztes hatte die Deutschen bewogen, ihm die Aufgabe lieber doch nicht zu übertragen. Für das medizinische Personal aus Europa gehört freundliches, wertschätzendes Verhalten zur Behandlung dazu. "Deshalb setzen wir lieber darauf, geeignete Persönlichkeiten auszubilden, als die Sache zu überstürzen", so Kleuren-Schryvers. Zu danken sei auch den Technikern, die die verlässliche Versorgung mit Wasser und Strom ermöglichen. Auch der vor zwei Jahren gespendete OP-Container wird intensiv genutzt. "Im Frühjahr werden wir einen Transport mit Geräten und Ausstattung für die Kinderheilkunde auf den Weg schicken", kündigt die Ärztin an.

Überhaupt hat die Aktion für 2017 große Pläne: Ein Bettenhaus für etwa 20 stationär Unterzubringende wird errichtet, immer wichtiger werden auch Isolierzimmer für Fälle von Ebola, Lassa-Fieber oder Cholera. Von weither kommen auch Schwangere, um - etwa bei einem nötigen Kaiserschnitt - fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Noch immer ist die Sterblichkeit von Müttern und Babys hoch, weil ungeeignete Helfer unter widrigsten Hygienebedingungen Hausgeburten begleiten. Auch "Heiler" sind laut Dr. Kerner noch vielfach im Einsatz. "Zu uns kam ein junger Mann, dessen Oberschenkelbruch vom Heiler mit Umschlägen aus Blättern und Kräutern ,behandelt' wurde. Ob er sein entzündetes Bein behalten kann, ist noch nicht sicher."

Wer helfen möchte, findet Spendenkonten und Ansprechpartner unter www.pro-humanitaet.de.

Quelle: RP
 
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