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Vorwurf der illegalen Prostitution
Große Razzia im Sauna-Club "FKK van Goch"

Razzia: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Saunaclub van Goch
Großeinsatz im Gewerbegebiet: Das Bordell „FKK van Goch“ wurde von 140 Beamten durchsucht. FOTO: Evers, Gottfried
Goch. 140 Beamte haben am Mittwoch ein Bordell im Gocher Industriegebiet durchsucht. Der Verdacht: Schleusertätigkeit und Steuerhinterziehung.  Von Anja Settnik

In einem Wohngebiet hätte die Aktion in kürzester Zeit ungezählte Schaulustige angelockt. An der Gocher Benzstraße bekamen nur wenige Anlieger und Mitarbeiter der umliegenden Firmen mit, dass da etwas los war mitten im Gewerbegebiet.

Dass es ein besonderes Gewerbe ist, mit dem dort in schlichten Backsteingebäuden, in denen früher Fernseher repariert wurden, Geld verdient wird, wissen wiederum viele: Der Sauna-Club "FKK van Goch" ist ein Bordellbetrieb. Daraus macht die Internetseite, die "Entspannung und Erotik pur" anpreist, keinen Hehl. In dem Saunaclub arbeiten auch Frauen, die aus Marokko, Indien oder der Türkei stammen.

Die Betreiber des Bordells, das Ehepaar Oberender, stehen in Verdacht, eingeschleuste Ausländerinnen aus Nicht-EU-Ländern zur Prostitution in ihrem Betrieb zu beschäftigen. Neben dem banden- und gewerbsmäßigen Einschleusen von Ausländern wird ihnen auch Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Arbeitsentgelt vorgeworfen. Denn die Damen waren bei den Behörden "so nicht angemeldet", wie Staatsanwalt Hendrik Timmer im RP-Gespräch sagt. Der entstandene Schaden bei hinterzogenen Steuern und Sozialabgaben werde auf 2,7 Millionen Euro geschätzt.

Zwar hatte das Ehepaar Oberender, das den Betrieb seit 2006 führt und vor zwei Jahren auf 3500 Quadratmeter erweitert hatte, gegenüber den Medien und anderen Interessenten stets betont, die Frauen seien selbstständig beschäftigt, doch das steht offenbar zumindest in Frage. Denn nach anonymen Hinweisen hat die Staatsanwaltschaft Kleve die Bundespolizei beauftragt, Ermittlungen aufzunehmen. "Die Razzia wurde sorgfältig und intensiv vorbereitet. Wir sind im FKK-Club und in zwei Wohnhäusern in Gladbeck und Marl mit insgesamt 140 Beamten der Bundespolizei, des Zolls, der Steuerfahndung Düsseldorf, der Kreispolizei und des Ausländeramtes Kleve sowie den Ordnungsämtern der beteiligten Kommunen im Einsatz", erklärte Heinz Onstein, Pressesprecher der Bundespolizei in Kleve.

In den beiden Wohnhäusern in Marl und Gladbeck habe man nichts gefunden, so der Sprecher weiter. Im Fokus der Ermittlungsbehörde steht darüber hinaus ein türkischer Staatsangehöriger, der für den Bordellbetrieb tätig ist. Er soll nach Angaben der Bundespolizei den Betrieb geführt haben. Doch hatte man den Mann Mittwochabend noch nicht gefasst.

Das "FKK van Goch" war von Ulla Oberender als der "Größte Saunaclub in NRW" bezeichnet worden. Die Betreiber waren Mitglied im Werbering der Stadt und hatten die Erweiterungsfläche vom Gocher CDU-Parteivorsitzenden Josef Thonnet erworben. Ein Grund für den Verkauf seines Hauses an den Erotik-Betrieb seien die "guten nachbarschaftlichen Verhältnisse", hatte Thonnet damals betont.

Dolmetscherinnen helfen bei Befragung der Frauen

Von außen weisen die Schriftzüge "FKK van Goch" und die Gips-Löwen vor der Tür darauf, dass in dieser biederen Umgebung wohl ein Stück Rotlichtmilieu zuhause ist. Ein "einmaliges Domizil der Lust", wie die Betreiber auf ihrer Internetseite schreiben. Die wenigen Nachbarn und die dort Arbeitenden lässt das kalt. Eine Frau beteuert, die Betreiber der Anlage seien freundliche Leute, die ihr noch nie Probleme bereitet hätten. Na gut, die Musik sei schon mal laut, und ein-, zweimal war nach Streitereien auch schon mal die Polizei da. Aber ansonsten habe man keinen Grund zur Klage.

16 Prostituierte und einige Freier befanden sich bei der Razzia in dem Bordell, laut Bundespolizei stammen neun aus Rumänien, fünf aus Bulgarien, eine aus Deutschland. Eine weitere Prostituierte habe sich mit einer gefälschten bulgarischen Identitätskarte ausgewiesen, sei aber vermutlich mazedonische Staatsangehörige. Da sie sich unerlaubt in Deutschland aufhalte, werde sie dem Ausländeramt übergeben. Auf der Homepage des Clubs werden Frauen aus Marokko, Russland, Indien, Thailand und der Türkei vorgestellt. Die Staatsanwaltschaft lässt prüfen, ob einige von ihnen illegal nach Deutschland geschleust wurden. 

Für die Befragung dieser Frauen standen Mittwoch etliche Dolmetscherinnen im Nieselregen vor dem Club. In Polizei-Bussen wurden einige von ihnen zur Vernehmung in umliegende Wachen gefahren. Eine Festnahme gab es laut Staatsanwalt Timmer bis zum Abend nicht.

Bei der Razzia wurden zudem laut Bundespolizei mehrere Waffen gefunden und "größere Mengen Bargeld" sichergestellt.

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