| 17.04 Uhr

Prinzenkür
Reiter-Regenten bringen Goch auf Trab

Prinzenkür in Goch
Prinzenkür in Goch FOTO: Evers, Gottfried
Goch. Einen 341 Minuten langen Bilderbuch-Start in die Karnevalssession feierten 1500 begeisterte Narren im Gürzenich von Goch mit dem fünften Tollitätenpaar des Clubs der Pferdefreunde, Johannes III. Hondong und Yvonne II. Gembler. Von Jürgen Loosen

Einen fürwahr furiosen Bilderbuch-Start in die (kurze) Session, gespickt mit Premieren, erlebten 1500 Narren im ausverkauften Gürzenich von Goch bei der Kür des fünften Tollitäten-Paars des Clubs der Pferdefreunde, Johannes III. Hondong und Yvonne II. Gembler. Die beiden aus dem Gocher Hochadel des Karnevals stammenden Regenten brachten schon bei ihrem Auftakt Goch auf Trab – getreu dem (reiterlichen) Motto 2016. Für Sitzungspräsident Josef (Jupp) Hondong, der durch das 341 Minuten kurzweilige Programm führte, eine besondere emotionale Herausforderung, galt es doch, seinen Sohn zu küren – genau 34 Jahre nach dem eigenen Auftritt als Karnevalsprinz.

Es ging Schlag auf Schlag, nachdem die Standartenträger der Karnevalsvereine, der Elferrat und der Moderator selbst die Bühne zu den Klängen der Band "Die Skyliners" erklommen hatten – zusammen mit dem IPK-Paar Ralf I. Hoffmann und Martina I. Welbers, der "Zirkusshow beendet ist". Martina sagte voraus: "Goch wird sich in den nächsten Wochen in eine Trabrennbahn verwandeln". Das begann schon mit dem triumphalen Einmarsch der rot-weißen Armada des Frohsinns um die frenetisch umjubelten Narrenherrscher, kurz vom wie immer wortgewandten (und bisweilen sichtlich gerührten) Jupp Hondong vorgestellt: Johannes, 32 Jahre (Jupp: "Und zu unserem Leidwesen immer noch ledig"), dessen halbe Familie schon in Goch Oberkarnevalisten waren, angefangen mit den Eltern, denn auch Mutter Elisabeth war 1974 Prinzessin von Goch, damals noch unter dem Namen Peters. Und Yvonne, 25 Lenze jung, laut Hondong "mit den strahlendsten Augen von Goch, eine Prinzessin der Herzen", entstammt ebenso einer adeligen Gocher Karnevalsfamilie und startet schon mit vier Jahren als Tanzmädchen in den Fastelowend von Goch.

Dann war der große Moment schon gekommen, Bürgermeister Ulrich Knickrehm gab sein Debüt, "mein erster Versuch, ein Paar fehlerfrei zu küren". Knickrehm freute sich, ein Heimspiel zu haben, denn er selbst ist Mitglied im Club der Pferdefreunde. Bevor er zur Tat schritt, sagte er zu Johannes: "Der Thronfolger hat die Chance, eine Dynastie zu gründen, die Hondongs!" Und zu Yvonne: "Vom Tanzmariechen zur Prinzenbraut. Sie ist die schöne Frau an Johannes Arm!" Um 19.49 Uhr war es soweit, Goch hatte seine neuen Tollitäten, der Prinz bekam vom Vorgänger sechs Minuten später das Zepter und die Prinzessin ihre eigens von Georg Schotten gefertigte Prinzessinnen-Festkette - die nächste Premiere. Jupp Hondong freute sich unter tosendem Applaus: "Heureka, sage ich – wir haben wieder ein Prinzenpaar. Und Ulrich Knickrehm hat seine Feuertaufe großartig bestanden". Die ersten prinzlichen Worte von Johannes: "Hallo, ich bin der Jogi" – sein Spitzname nach einer berühmten Zeichentrickserie aus seinen Kindertagen. Und (an die Adresse des Papas gerichtet): "Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie froh ich bin, hier auf einer riesigen Partnerbörse zu sein!" Yvonne freute sich "riesig auf die fünfte Jahreszeit mit euch – endlich ist es soweit". Nachdem die ersten Orden an den Bürgermeister und das IPK-Paar verteilt waren, präsentierte Johannes den mit einem Harlekin geschmückten Mottoschal mit dem Aufdruck "Goch auf Trab", der für acht Euro zu kaufen ist, mit dem Hinweis, dass die kompletten Einnahmen an den Verein "Needy Kids" von Susanne Binn gespendet werden.

Das Showprogramm konnte beginnen, nicht ohne die Frozzelei des Moderators: "Zwei Hondongs auf einer Bühne gibt eine grandiose Zeitüberschreitung". Schon der Eisbrecher und erste Stargast Jörg Hammerschmidt trieb den Untertanen mit seiner "verrückten Promiwelt" die Lachtränen in die Augen: Ob Udo Lindenberg oder Dieter Bohlen, Angela Merkel oder Franz Beckenbauer, der Stimmenimitator bot großes Kino, Hondong war aus dem Häuschen: "Phantastisch, einen besseren Eisbrecher kann man sich nicht wünschen".

Grazie, Akrobatik und leidenschaftliche Hingabe – das ist die Umschreibung für die über die Grenzen Gochs hinaus bekannte Tanzgarde des Clubs der Pferdefreunde. Und aus dem "echten" Gürzenich von Köln kam Solotrompeter Lutz Kniep, der eine in Goch noch nie gesehene Lasershow bot, Emotion pur mit tollen Trompeten-Soli.

Nach der Thronrede schickte das Prinzenpaar den Überraschungsgast auf die Bühne, Achim Verrieth, der als Stallbursche eine Klasse-Bütt präsentierte, ehe die Prinzessin als phänomenale Sängerin die Uraufführung des Songs "Wir sind die Reiter" auf die Bühne brachte, von ihr selbst mit Friedrich "Emma" Emmerich getextet und komponiert, mit Prinz und Garde als Hintergrundchor. Hondongs Urteil über die Künste des Paars: "Der Spatz von Avignon mit Herbert Grönemeyer".

Die Kür der Gardetänze wurde eröffnet von den IPK-Mädchen, dann ließ der KCC Goch die Beine wirbeln und später die Funken der Viktoria. Bewusst sei, so Hondong, auf Showtänze dieses Mal verzichtet worden. Die Power-Ladies unternahmen einen Streifzug durch die europäischen Hitlisten, ein explosiver Auftritt der Extraklasse, gewürzt mit einem Saxophon spielenden Prinzen und einem Bürgermeister als Backgroundchor. Und vor dem großen Finale aller Mitwirkenden auf der Bühne hielten die Musiker mit Herz, "De Kleefse Tön" als Schlusspunkt die Stimmung auf dem Siedepunkt. Fehlten nur noch das Gocher Heimatlied und ein donnerndes dreimal Goch, Helau!

 
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