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Goch
Schlagbaum an alter Grenze restauriert

Goch: Schlagbaum an alter Grenze restauriert
Zehn Meter lang und 300 Kilogramm schwer ist der Schlagbaum, den der Heimatverein restaurieren ließ. FOTO: EVERS
Goch. Der Heimatverein Goch hatte viele Helfer bei seinem Projekt, die rot-weiße Barriere, die einst Deutschland von den Niederlanden trennte, wieder in den Blick zu rücken. Sie bleibt natürlich geöffnet, ließe sich aber auch runter kurbeln. Von Anja Settnik

Bei diesen Herren muss man nicht fürchten, dass separatistische oder gar nationalistische Motive sie zu ihrem Handeln verleiten: Dass Heinz Meuskens, Franz van Well, Willi Vaegs und eine Reihe anderer Gocher Männer den Schlagbaum zur Grenze bei Siebengewald restauriert haben, hat lediglich mit ihrer Heimatliebe zu tun. Die "Grenze" zum Nachbarland, die seit über 20 Jahren in der Praxis keine Bedeutung mehr hat, wird ab sofort durch einen frisch lackierten und wieder funktionsfähigen Schlagbaum markiert. Natürlich wird er im Regelfall Tag und Nacht geöffnet bleiben und den freien Verkehr von Menschen und Gütern nicht stören. Aber theoretisch - oder vielleicht mal bei einem Stadtfest - könnte er auch mal herabgelassen werden. Und damit das fast vergessene Gefühl des Grenzübertritts wieder in Erinnerung bringen.

Seit dem Schengener Abkommen im Jahr 2005, das die innereuropäischen Grenzkontrollen weitgehend abschaffte, fristen die Barrieren, wo es sie überhaupt noch gibt, ein trostloses Dasein.

Der immer offene Schlagbaum bei Gaesdonck zum Beispiel wurde mit den Jahren fast gänzlich von wild wucherndem Efeu verdeckt. Das gefiel den Mitgliedern des Gocher Heimatvereins nicht, zumal sie alle sich noch allzu gut an die Zeit erinnern konnten, als "Grenze" uniformierte Beamte, Wachhunde und öfter auch mal Herzklopfen bedeutete. Denn wer kaufte "in Holland" nicht mal ein Pfund Kaffee mehr ein, als erlaubt war?

Jürgen Hoymann, bis heute beim Zollamt beschäftigt und mit der Fotodokumentation des Projekts befasst, hat sein Sprüchlein, das er im Dienst täglich hunderte Male aufsagen musste, noch parat: "Haben Sie etwas zu verzollen - Kaffee, Tee, Zigaretten, Parfum, Alkohol, Drogen?" Heute fragt er das nur noch, wenn er Gochs Stadtführer Rob Miesen (der in Siebengewald lebt) auf seinem Spaziergang "Auf Schmugglerpfaden" unterstützt. Dann springt Hoymann mit einem Plastik-Schäferhund aus dem Gebüsch und erschreckt die braven Gäste, die doch nur erfahren wollen, wie es damals war. Wer den Alt-Bürgermeister Willi Vaegs, Franz van Well oder einen der anderen "alten" Gocher anspricht, wird noch von so mancher Schmuggel-Geschichte erfahren.

"Einer der wichtigsten Männer bei der Restauration war Joachim Schneider, der sich um die Mechanik gekümmert hat. Kurbel und Lager waren ja komplett verrostet, nichts bewegte sich mehr", berichtet Heinz Meuskens. Günther Thissen wiederum war der Maschinist, stellte einen alten Trecker mit Hubvorrichtung und zudem seine Scheune als Werkzeug zur Verfügung. Eine professionelle Lackierung gab dem Ganzen den letzten Schliff.

Dank Andris Arts von der niederländischen Gemeinde Bergen und Jörg Manten von der Straßenmeisterei Kleve waren auch kurzzeitige Sperrungen der Straße kein Problem. "Der etwa 300 Kilogramm schwere und zehn Meter lange Schlagbaum wird an den Haken des Frontladers genommen, mit Kontergewichten waagerecht austariert, auf das Kurbelgehäuse gelegt, dort arretiert und schließlich in die endgültige Position gekurbelt", beschrieb Meuskens eine Stunde, bevor es so weit war. Natürlich gelang das Unterfangen - bei so viel Sachverstand und Entschlossenheit.

Mancher Radtourist, der die jetzt wieder deutlich erkennbare Grenze passiert, dürfte staunen. Bis demnächst eine Info-Tafel erklärt, warum zwischen Siebengewald und Goch eine intakte Barriere steht.

Übrigens haben die Gocher - die Niederländer vermutlich auch - einen Wunsch: Es wäre schön und viel sicherer, wenn es im Bereich Gaesdoncker Straße /Hülmer Deich neben den Fahrspuren für den Autoverkehr auch einen Geh- und Radweg gäbe. Nur eine bepflanzte Mittelinsel ermöglicht bisher ein spontanes Ausweichen. Der Platz für einen Radweg könnte durchaus gewonnen werden. Dann wäre auch der im dichten Grün versunkene Grenzstein wieder sichtbar.

Quelle: RP
 
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