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Goch
Schloss-Kapelle erstrahlt in neuem Glanz

Goch: Schloss-Kapelle erstrahlt in neuem Glanz
Die sechs Kinder von Maximilian und Therese von Loë sind über dem Altar als Wandmalerei verewigt. Bis zu fünf Restauratoren waren damit beschäftigt, dieses Gemälde von Schmutz und Ruß zu befreien und wiederherzustellen. Hausherr Raphaël von Loë ist von dem Ergebnis begeistert. FOTO: Seybert
Goch. Besuch für Freiherr Raphaël von Loë: Die Ortkuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Elisabeth Janssen, und Roland van der Meer (Westdeutsche Lotterie) bestaunten die Restaurierung. 90.000 Euro waren investiert worden. Von Bianca Mokwa

Die Ortkuratorin Meerbusch der deutschen Stiftung Denkmalschutz, Elisabeth Janssen, zieht aus ihrer Aktentasche das Schild hervor. Sie kramt in der Tasche. "Ich habe auch Dübel dabei." Dabei geht sie auf die Kapelle von Schloss Wissen zu. "Die Kapelle ist das Herzstück des Ganzen und hat uns ein bisschen Kummer gemacht", erklärt Hausherr Raphaël von Loë. 90.000 Euro haben die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Glücksspirale dazu gegeben, damit die Kapelle wiederhergestellt werden konnte. Daran soll die bronzefarbene Plakette erinnern, die an der Außenwand des Gebäudes angebracht wurde. Deswegen hatten sich Elisabeth Janssen und Roland van der Meer von der Westdeutschen Lotterie auf nach Weeze gemacht.

FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

Loë erzählt die Geschichte von der Kapelle, die im Kulturkampf zunächst als eine Art Trutz gegen den Protestantismus gebaut wurde. Zunächst wurde sie als Hauskapelle genutzt, später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. "Die Familie hat sich immer auf der katholischen Seite engagiert", sagt von Loë. Man habe sich von den Preußen nicht vorschreiben lassen wollen, was man glaube. Deswegen wurde 1874 der Bauantrag gestellt, 1876 die Kapelle geweiht. 1889 war der Kulturkampf zu Ende und der Weg frei zur öffentlichen Nutzung. Das ist bis heute so.

Von Loë geht mit seinen Besuchern in die Kapelle. Er geht bis nach vorne und bittet die Besucher, sich umzudrehen. Die Kirchenbänke in den letzten beiden Reihen haben ordentlich Schlagseite. "Das hat 130 Jahre gebraucht, bis es gekippt ist", erklärt der Hausherr. Die Kapelle steht auf 52 Pfählen. Damit ein weiteres Abrutschen verhindert wird, musste die Konstruktion unter der Kapelle stabilisiert werden. Die leichte Schieflage der letzten Bankreihe wird bleiben. Die Kapelle wieder aufzurichten hätte die Fassade völlig zerstört. Oder anders ausgedrückt: Was 130 Jahre gebraucht hat, kann nicht in wenige Minuten gerade gerückt werden. Aber die Lage ist stabil. "Das wird die nächsten 130 Jahre halten?", fragt Janssen. Von Loë lacht. "Wir denken nicht in Jahren, sondern in Generationen." Er nickt. "Die nächsten 16 Generationen." Auf einem Flipchart erklärt er, wie die Säulenkonstruktion unter der Kapelle fixiert wurde. Insgesamt haben die Baumaßnahmen nicht mehr als sechs Wochen gedauert, hinzu kamen zwei bis drei Wochen für das Absenken des Wassers und Entschlammen.

Generationen, die malerisch in der Kapelle festgehalten sind. Die Ur-Ur-Großeltern von Raphael von Loë, Maximilian und Therese von Loë, haben den Bau in Auftrag gegeben. Ihre sechs Kinder (eigentlich hatten sie sieben, eines starb bei der Geburt), sind über dem Altar als Wandmalerei verewigt.

Die Wandmalerei war ein weiterer Posten, der bei der Restauration angegangen wurde, und für die die 90.000 Euro der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Glücksspirale konkret verwendet wurden. Von Loë holt eine Mappe mit einigen Fotos hervor, die den Vorher-Nachher-Effekt zeigen. "Es waren nicht unbedeutende Schäden", sagt er. "Das Hauptproblem war, dass die Kapelle in der Nachkriegszeit geheizt wurde." Die Decken, die auf dem Kirchenbänken liegen, sind nicht reiner Selbstzweck, sondern Schutz der Kunst. Der stetige Wechsel zwischen Heizen und Abkühlen der Kapelle hatte der Kunst stark geschadet. Dabei genießt die neugotische Kapelle nationalen Denkmalstatus, die Entwürfe der Gemälde stammen von keinem Geringeren als Eduard von Steinle. Bis zu fünf Restauratoren waren damit beschäftigt, die Gemälde an der Wand von Schmutz und Ruß zu befreien und wiederherzustellen. Loë ist von dem Ergebnis begeistert. Von den bewilligten Fördermitteln war noch Geld übrig. Das wurde für die Reinigung des Altars und Reparaturen an der Orgel verwendet. Die Kapelle steht so in neuem Glanz.

Außen hängt das gerahmte Schriftstück. Darauf wird dem Bund, dem Land NRW, der Denkmalpflege und dem Bistum Münster gedankt. Über allem steht der Satz: "Deus Semper Major"- "Gott ist immer der Größte."

Quelle: RP
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