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Goch
Schulbus zur Gesamtschule fällt weg

Goch: Schulbus zur Gesamtschule fällt weg
Hier halten die Busse, die die Schüler zur Gesamtschule bringen. Künftig wird der Linienverkehr statt des Schülerspezialverkehrs genutzt. FOTO: Markus van Offeren
Goch. Ab dem neuen Schuljahr werden die Schüler der Gesamtschule Mittelkreis mit dem Öffentlichen Personennahverkehr fahren müssen. Zweckverband spart 50.000 Euro. Eltern empört: Einige Kinder sind künftig deutlich länger unterwegs. Von Anja Settnik

Die Schule kann nichts dafür - das können Nutzer der Homepage der Gesamtschule Mittelkreis aus den wenigen Sätzen zum Thema schließen: Der Schülerspezialverkehr wird zum kommenden Schuljahr eingestellt, wer Näheres wissen möchte, möge sich bei der Schulverwaltung der Stadt Goch melden. Der Bürgermeister der Stadt Goch ist der Vorsteher des Zweckverbands, dem die Kommunen Bedburg-Hau, Kalkar, Uedem, Goch, Weeze und Kevelaer angehören. Sein Schulverwaltungsamt hat die Beschlussvorlage erarbeitet, der die Verbandsversammlung zustimmte. Die Eltern wurden lediglich informiert - und sind zum Teil gar nicht einverstanden.

Denn der Satz "Der Schülerspezialverkehr wird in den Öffentlichen Personennahverkehr integriert" bedeutet, dass er abgeschafft wird. Alle Schüler, die bisher mit dem Schulbus abgeholt wurden, müssen demnächst mit dem Linienbus fahren. Was in Einzelfällen sogar Umsteigen beinhaltet. Und eine zum Teil deutlich längere Anfahrt. Mehr als eine Stunde am Morgen und ebenso lange nachmittags bei der Rückfahrt von der Ganztagsschule - das bedeutet einen langen Tag. "Wir finden es empörend, dass die Eltern in diese Entscheidung gar nicht eingebunden wurden und einfach so mit dem Ergebnis konfrontiert sind", sagt eine Mutter aus Kevelaer. Und Sabine Steiner aus Materborn überlegt schon, wie sie Eltern mobilisieren könnte, sich zu wehren.

Die Mutter findet besonders ärgerlich, dass sie und andere Eltern aus Kleve ohnehin Selbstzahler sind - Kleve gehört schließlich nicht zum Zweckverband; wer die Schule dennoch nutzt, zahlt den Bus selbst. Als ihr Sohn zur weiterführenden Schule wechselte, hätten seine Eltern ganz bewusst die Gocher Gesamtschule ausgesucht, obwohl zum selben Schuljahr die Klever Gesamtschule gegründet wurde. Das Konzept der Gocher Schule habe sie überzeugt, und der Sohn sei dort bis heute sehr glücklich. "Wenn jetzt allerdings der Schulbus eingestellt wird, muss er um 6.50 Uhr mit dem Bus zum Bahnhof fahren, dann mit dem Zug nach Goch, dort noch einmal umsteigen in einen Bus, der ihn zur Schule bringt. Da kommt er dann um 8 Uhr an - zehn Minuten nach Unterrichtsbeginn. Soll er schuldlos jeden Tag zu spät kommen? Das wird die Lehrer nicht freuen. Und ich arbeite im Schichtdienst, kann ihn nicht bringen."

"Es ist so, dass die Situation für einige Schüler ungünstiger wird", räumt Rainer Weber, der Vorsitzende der Verbandsversammlung, ein. Der Vertrag mit dem bisher tätigen Busunternehmen sei ausgelaufen, eine Möglichkeit, die Sache neu zu vergeben. Und eben zu schauen, wie sich Geld einsparen lassen kann. Um rund 50 000 Euro soll es günstiger sein, die Jungen und Mädchen mit dem Linienverkehr fahren zu lassen. Davon profitieren alle Verbandskommunen.

Laut Verbandsvorsteher wurden in den vergangenen Jahren die "Verkehrsleistungen im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs optimiert", so dass es nun möglich sei, ihn auch für die Gesamtschule zu nutzen. Was zumutbar ist, definiert die Schülerfahrkostenverordnung. In Kurzform: Kein Schüler darf länger als drei Stunden täglich im Bus sitzen (oder stehen), die Haltestelle darf nicht weiter als zwei Kilometer von der elterlichen Wohnung entfernt sein. "Das Land sieht vor, dass dem ÖPNV der Vorrang gegeben wird, wo immer das möglich ist", erklärt Gochs Stadtsprecher Torsten Matenaers. Er wisse von Einzelfällen, in denen noch überprüft werden müsse, ob die Busverbindung für den jeweiligen Schüler machbar sei. "Hier und da muss noch nachjustiert werden. Da wird den Eltern zum Beispiel vorgeschlagen, ihr Kind von einer gewählten Haltestelle abzuholen und dafür eine Fahrkostenerstattung zu bekommen."

Wer im Außenbereich von Weeze oder Uedem wohnt, hat nicht immer eine Haltestelle in der Nachbarschaft. Und ist ohne eigenes Auto mitunter ziemlich lange unterwegs. "Das ist schon so, und das war in meiner Jugend auch so", sagt Weber. Nicht jedes Gehöft in Keppeln oder am Totenhügel könne nun mal vom Schulbus angefahren werden. äufig bilden Eltern in solchen Fällen Fahrgemeinschaften, um die Kinder abwechselnd gruppenweise zur Haltestelle zu bringen oder von dort abzuholen. "Ich bekomme ebenso wie der Kollege Uli Knickrehm aus Goch natürlich Anrufe von unzufriedenen Eltern. Aber wir sind verpflichtet, die günstigste Variante auszuwählen, schließlich müssen alle Verbandskommunen mitbezahlen." Was einige bekanntlich nicht mehr sehr gern tun, weil aus ihrer Kommune nur sehr wenige Kinder zur Gocher Gesamtschule fahren. Schließlich gibt es inzwischen fast überall im Kreis Gesamtschulen, und die in Kleve oder Kevelaer liegen für einige Kinder aus den Verbandsgemeinden näher. "Ein Ausstieg aus dem Zweckverband ist aber laut Satzung nicht vorgesehen", sagt Weber ausdrücklich.

Quelle: RP
 
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