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Goch-Nierswalde/Reichswalde
Sechs Windräder in Nierswalde geplant

Goch-Nierswalde/Reichswalde: Sechs Windräder in Nierswalde geplant
Sie kämpfen dafür, dass ihre Heimat unbelastet bleibt: Die Nierswalder Gerd Henkel (l.) und sein Sohn Markus wollen keine Windräder am Waldrand. FOTO: G. Evers
Goch-Nierswalde/Reichswalde. Die Bürgerinitiative "Gegenwind im Reichswald" hat dazu beigetragen, dass zwölf im Reichswald vorgesehene Anlagen jetzt nicht gebaut werden können. Doch ist der Kampf damit nicht beendet. Neue Türme sollen in Nierswalde wachsen. Von Peter Janssen

Die Bürger, die sich gegen den Bau von Windkraftanlagen im Wald oder am Waldrand einsetzen, fangen wieder bei Null an. Die Initiative "Gegenwind im Reichswald" hat jetzt erreicht, dass die Vorrangzone entlang des Kartenspielerwegs auf dem Kranenburger Gemeindegebiet nicht genehmigungsfähig ist. Mit einer Klage versucht der Projektentwickler Abo Wind noch zu retten, was aus einem brennenden Haus noch zu retten ist.

Doch ist der Kampf damit nicht beendet. In Nierswalde ist eine weitere Vorrangzone in Planung. Die befindet sich zwar nicht mitten im Wald, aber unmittelbar daneben. Hier könnten sechs Turbinen mit einer Höhe von knapp 250 Meter errichtet werden. Diese Fläche ist ebenso im Entwurf des Regionalplans ausgewiesen, wie auch eine Stelle an an der Dr.-Engel-Straße in Reichswalde. Zwei Gebiete - am Kartenspielerweg und entlang der Grunewaldstraße - wurden gestrichen (siehe Grafik). Die Heimatvereine aus Kessel, Asperden und Nierswalde haben sich zusammengeschlossen. Sie wollen verhindern, dass die beiden noch im Planentwurf enthaltenen Flächen ebenfalls herausgenommen werden.

Besonders betroffen wären bei einem Bau die Bürger Nierswaldes. Lorenz Henkel ist einer davon. Neben dem Projekt allgemein kritisiert er die Vorgehensweise der Projektentwickler. "Ich ärgere mich über die Vorgehensweise der Windparkbetreiber. Wir, als unmittelbare Nachbarn zum geplanten Windpark, wurden bisher noch nicht einmal über die Planungen vor Ort informiert." Seine Familie wohne seit 70 Jahren in Nierswalde. Nach dem 2. Weltkrieg sei man als Siedler in den Gocher Ortsteil gezogen. "Wir sind dankbar, hier eine schöne und intakte Heimat gefunden zu haben. Die sollten wir auch unseren Kindern bewahren", sagt er.

Die Grafik zeigt die beiden im Regionalplanentwurf gestrichenen Vorrangzone am Kartenspielerweg und an der Grunewaldstraße. Enthalten sind jetzt noch eine in Nierswalde und an der Dr.-Engel-Straße in Reichswalde. FOTO: Bürgerinitiative

Nach Darstellung der Initiative gibt es mehr als ein Argument, das gegen den Bau spricht. Und zwar etliche, die auch dafür gesorgt haben, dass die Zone am Kartenspielerweg gestrichen wurde. Dazu gehörten: die Gefährdung des Trinkwassers, eine gravierende Belastung des Landschaftsbildes und Kulturraumes. Dem wird nach einer LANUV-Bewertung nämlich eine sehr hohe Bedeutung beigemessen. Der Reichswald, als größtes zusammenhängendes Waldgebiet, besitzt eine besondere Erholungsfunktion in einer waldarmen Region. Hinzu kommen noch einige von der neuen Landesregierung im Koalitionsvertrag festgehaltenen Vorgaben. Der Abstand der Anlagen zur Wohnbebauung muss mindestens 1500 Meter betragen, in Nierswalde sind es etwas über 1300 Meter. Zudem zählen auch Randbereiche zum Wald.

Unterstützung erhält die Initiative von Gochs Bürgermeister Ulrich Knickrehm. Der lässt keine Zweifel aufkommen, wie er dem Vorhaben gegenübersteht. Mit allen Mitteln will Knickrehm verhindern, dass die Anlagen am Waldrand gebaut werden. Notfalls mit allen juristischen Mitteln. Hier unterscheidet sich das Projekt von dem in Kranenburg. Dort war und ist Verwaltungschef Günter Steins glühender Verfechter des Windparks. Was bei Goch hinzukommt, ist, dass hier bereits reichlich Strom aus Windkraft erzeugt wird. Insgesamt sind bereits acht Prozent des Stadtgebiets für Windkraftzonen ausgewiesen.

Bettina van Meegen ist Sprecherin der Bürgerinitiative. Sie weist daraufhin, dass es auch aus einem anderen Grund wichtig ist, den Windpark in Nierswalde zu verhindern. "Wird dieser gebaut, gilt der Wald als vorbelastet", sagt van Meegen. Dadurch wären weitere Pläne für einen Anlagenbau sicherlich einfacher zu realisieren.

"Wichtig ist, dass alle Bürger, die gegen die Pläne sind, sich auch dagegen zur Wehr setzen", sagt Alexander Schramm vom Kesseler Heimatverein. Am Donnerstag, 14. September, findet ab 19.30 Uhr in der Nierswalder Mehrzweckhalle eine Info- und Diskussionsveranstaltung statt. Bereits am Montag, 4. September, ab 19.30 Uhr, werden im Rahmen einer Bürgerversammlung im Schützenhaus Reichswalde die Pläne für die Dr.-Engel-Straße dargestellt.

Für zahlreiche Mitglieder der BI ist der Erhalt des Forsts Grund für ihr Engagement. Den Bürgern in unmittelbarer Nähe der Windräder geht es um mehr. Der Bau eines industriellen Windparks bringe etliche zu befürchtende Gesundheitsstörungen mit sich: Lärm, Infraschall oder Schattenschlag der Rotoren. Lorenz Henkel sorgt sich um seine Familie: "Wir sind diejenigen, die alle negativen Folgen tragen müssen. Von der Gesundheitsgefährdung, der Lärmbelästigung bis zum wirtschaftlichen Risiko. In meinem Fall hieße das, dass sich mein Einfamilienhaus wohl kaum noch verkaufen ließe, sollte ich wie viele andere Menschen auch durch die vielfältigen Einwirkungen der Windräder krank werden und deshalb umziehen müssen." Den Reibach am Waldrand machen andere.

Quelle: RP
 
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