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Goch
Stadt ist zuständig für Katzen in der Falle

Goch. Jäger dürfen "wildernde" Katzen in Wald und Flur nicht mehr schießen. Das Verwaltungsgericht in Münster urteilte jetzt: Werden sie lebend gefangen, muss das Fundbüro sie annehmen. Goch arbeitet mit Pfalzdorfer Tierpension zusammen. Von S. Zehrfeld, S. Latzel und M. Baers

Die beruhigende Nachricht vorab: Dass Jäger nun massenhaft Katzen im Rathaus anliefern werden, die sie früher erschossen hätten, ist nicht zu erwarten. Aber solche Fälle dürften häufiger werden, glauben viele. Katzen werden in aller Regel dann von Jägern aufgegriffen, wenn sie in eine Lebendfalle geraten. Und das geschieht versehentlich, als so genannter "Beifang", erläutert Gerhard Thomas, der Vorsitzende der Jägerschaft im Kreis Kleve. "Die Fallen sind ja nicht für Katzen aufgestellt, sondern für andere Tiere. Aber da dackelt schon mal eine Katze rein", sagt er.

In der Region wird meist Füchsen, Mardern oder Iltissen mit Fallen nachgestellt, anderswo auch Waschbären. "Da kann auch ein Igel reintappen - da macht man dann die Klappe auf und lässt ihn wieder laufen", so Thomas. Wenn aber eine Katze drinsitzt, wird das Ordnungsamt eingeschaltet.

Das war auch früher schon so, stellt Thomas klar. Einmal eingefangene Katzen durften Jäger nämlich noch nie umbringen, erläutert er. Auch nicht vor der Änderung des Landes-Jagdgesetzes, die im Sommer in Kraft getreten ist. Zwar durften Tiere, die mehr als 200 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude entfernt gesichtet wurden, als "wildernd" geschossen werden. Aber in der Falle war jeglicher Wilderei buchstäblich ein Riegel vorgeschoben. Thomas betont: "Die Jäger wollen ja keine Katzen schießen. Das hat doch nichts mit Jagd zu tun."

Weil nun aber die Zahl der "wilden" Katzen generell nicht mehr durch Abschüsse dezimiert wird, dürfte auch die Zahl der Lebend-Fänge steigen, rechnet er vor. "Die, die früher erschossen wurden, konnten ja nicht mehr in eine Kastenfalle laufen." Wie oft so etwas bislang vorkommt, darüber gebe es gar keine Statistik. "Die Katzen werden nicht getötet, folglich werden sie nicht registriert", so Thomas.

"Dass es eine Zunahme geben könnte, ist möglich", meint auch Heinz-Josef Freitag, Geschäftsführer des Hegerings Geldern-Issum. Allerdings sei nicht einzuschätzen, ob deshalb größere Schwierigkeiten zu erwarten seien: "Wir sind da ja noch ganz am Anfang einer Entwicklung. Das Problem ist bei uns noch gar nicht diskutiert worden." Und zumindest bis heute sei es auch nicht sonderlich drängend. "Ich habe seit 25 Jahren den Jagdschein und hab' noch nicht eine Katze geschossen", stellt Freitag fest.

Dass die Fundbüros in den Städten und Gemeinden streunende Katzen wirklich annehmen müssen, die Jäger ihnen bringen, hat das Verwaltungsgericht Münster Mitte Oktober in einem Musterprozess entschieden. Natürlich sollen die Mitarbeiter im Rathaus sie nicht in der Schublade aufbewahren, aber die Gemeinden sind für die aufgegriffenen Vierbeiner zuständig.

Die Stadt Goch hat eine Kooperation mit einer Tierpension in Pfalzdorf. Dort werden nicht nur Katzen aufgenommen, sondern sämtliche Tiere, mit denen "ordnungsbehördlich" umgegangen werden muss, wie es heißt. Also zum Beispiel auch Hunde, deren Besitzer zwangseingewiesen oder in Haft genommen werden. Unabhängig von der Zahl der Tiere, die die Stadt ihr übergibt, erhält die Pension jährlich eine Pauschale von 9600 Euro.

Konkret auf Katzen angesprochen fällt die Bilanz in Goch überschaubar aus. "In den vergangenen zwei Jahren wurde hier keine einzige Katze abgegeben", so Stadtsprecher Torsten Matenaers. Zwar habe es einen Fall gegeben, bei dem Bürger zuerst eine fremde Katze angefüttert hätten und sie später mithilfe der Stadt wieder loswerden wollten, aber sonst sei nichts in den Akten verzeichnet. Eine Prognose, ob sich das durch das Urteil aus dem Münsteraner Musterprozess nun ändern werde, will man bei der Stadt Goch aber nicht anstellen.

Anders ist das in der Nachbarkommune Kevelaer, wo man durchaus mit einer Erhöhung rechnet. Hier wird übrigens jedes Tier einzeln mit dem Kooperationspartner, einer Tierpension in Alpen, abgerechnet. In der Marienstadt gab es im Vorjahr acht Fundkatzen, in diesem Jahr bislang zehn.

In Geldern hat die Stadt einen Vertrag mit dem örtlichen Tierheim. Geldern zahlt, ganz egal, wie viele Vierbeiner "anfallen", im Jahr eine Pauschale von etwa 10.500 Euro an die Einrichtung: 31 Cent pro Bürger. Derzeit habe man es mit etwa 60 Tieren im Jahr zu tun, erklärt Stadt-Sprecher Herbert van Stephoudt.

Quelle: RP
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