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Goch
Stadtfest mit Bikini, Beat und Bobby-Car

Goch: Stadtfest mit Bikini, Beat und Bobby-Car
Ist auch nach mehr als 60 Jahren ein Hingucker: Die Isetta (1954) hat schon einige Reisen hinter sich. Gestern ging es aus der Heimat Weeze mit 60 km/h in die Herzogstraße. FOTO: Gottfried Evers
Goch. Bummel-Rausch in der Klever Innenstadt. Volle Straßen auch bei der Fahrradbörse, dem Retro- und Sozialmarkt. Von Ludwig Krause

Damit hat selbst Antiquar Helmut van Bebber nicht gerechnet. Als er um 7 Uhr an seinem Geschäft "Zeitzeichen" ankommt, um den Retro-Markt auf der Herzogstraße vorzubereiten, sind die ersten Kunden schon da. Auf der Suche nach seltenen Schallplatten kann man eben nicht früh genug aufstehen, auch wenn der Markt erst um 13 Uhr offiziell öffnet.

Ganz so eilig hatten es die meisten Besucher des Klever Stadtfests gestern aber nicht. "Mit voller Fahrt in den Frühling" begrüßten die Händler rund um das Klever City Netzwerk ihre Kunden zum ersten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres - und selbst das Wetter hielt dabei mehr, als es im Vorhinein versprochen hatte. Ergebnis: volle Straßen in der gesamten Klever Innenstadt. Egal ob Fahrradbörse an der Münze oder Oldtimershow an der Schloßstraße - an gleich mehreren Ecken knubbelten sich die Menschenmengen wegen besonderer Aktionen.

So auch auf der Herzogstraße, auf der Helmut van Bebber unter dem Motto "Bikini, Beat und Bobby-Car" einen kleinen Markt der 1950er bis 1970er Jahre auf die Beine gestellt hat. "Die Frage ist immer, wie wir die Menschen in unsere Straße bekommen. Dieses Mal ist es uns wirklich gelungen", sagt van Bebber. Während sich der Büchermarkt im Sommer zu einem echten Selbstläufer entwickelt hat, fehlte dem Stadtfest im April bisher das Zugpferd jenseits der Herzogbrücke. Nicht dieses Mal. "Im Vorfeld haben wir ganz gezielt geworben, auch auf Spezialmärkten wie in Düsseldorf", sagt van Bebber.

Größter Hingucker des Tages: die orangefarbene Isetta von Ehepaar Luise und Hermann Gerhardt aus Weeze. Die 18 PS des Motorrad-Motors unter der Haube schaffen 80 km/h ohne Anhänger, 60 km/h mit. "Wir sind immer unterwegs, egal bei welchem Wetter", sagt Luise Gerhardt. Wenn alle Stricke reißen, lässt sich der Anhänger sogar zu einem Boot umbauen. "Das haben wir aber noch nie ausprobieren müssen", sagt die Besitzerin. "Wer weiß, ob es noch dicht ist." Das Stück aus dem Jahr 1954 wäre wohl auch zu schade, um auf dem Grund eines Sees zu landen. "Egal, wo wir damit hinkommen, die Leute schauen sich das Auto immer an", sagt Hermann Gerhardt.

Auch wenn nicht alle Besucher des Stadtfests den Weg in die Herzogstraße finden, die Klientel ist da. Gleiches gilt für den Markt der Sozialverbände, die sich unter dem Schirm des Paritätischen Wohlfahrtverbandes am Koekkoekplatz versammelt haben, um über das Leben mit Behinderungen zu informieren. "Unser Konzept ist voll aufgegangen, wir sind sehr zufrieden", sagt Hartmut Hohmann, Geschäftsführer des Verbands. Manchmal seien es die kleinen Dinge, die die Besucher zum Stehenbleiben bewegen. "In unserem Fall Erbsensuppe", sagt Hohmann. "So haben wir automatisch sofort mehr Besucher. "Wir kommen ganz entspannt ins Gespräch, ohne aufdringlich zu sein."

Besonders erfreulich: "In den vergangenen Jahren waren wir meist unsere eigene Zielgruppe. Jetzt kommen auch viele Menschen, die sich normalerweise nicht mit dem Thema beschäftigen." Und so ging es durch Erbsensuppe gut gestärkt die Fußgängerzone hoch - zum Bummel-Rausch.

Am 27. September gibt es den nächsten verkaufsoffenen Sonntag in der Klever Innenstadt. Das Motto lautet dann: "Erlesenes Kleve".

Quelle: RP
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