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Goch
Steinplatte schützt Grab von Otto II.

Goch: Steinplatte schützt Grab von Otto II.
Gemeinsam blicken Gästeführer, Vertreter von Förderverein und Volksbank sowie Graefenthal-Eigentümer Ijsbrandt Roovers (rechts) und die Künstlerin Kathinka Roovers (3. v. l.) auf die neu gestaltete Skultpur. FOTO: EVERS
Goch. Nach der Skulptur des geldrischen Grafen, die Kathinka Roovers schon vor einiger Zeit anfertigte, wurde jetzt eine steinerne Platte für das Hochgrab Otto II. angefertigt. Neues Schutzdach ist vorläufig nicht zu finanzieren. Von Anja Settnik

Nur durch eine steinerne Markierung ihrer Umrisse ist die Lage der nicht mehr vorhandenen Klosterkirche von Graefenthal noch erkennbar. Das einzige, was tatsächlich noch existiert, ist das Hochgrab des Geldrischen Grafen Otto II. Der Adlige, Stifter des Klosters und gemeinsam mit einer Reihe weiterer Grafen dort begraben, ruht unter einer mächtigen, bislang aber wenig kunstvollen Tumba. Nun hat der Förderverein Kloster Graefenthal, unterstützt von der Volksbank, die Grabstätte aufgewertet. Künstlerin Kathinka Roovers, Schwester des Graefenthal-Eigentümers, schuf eine überlebensgroße Figur, Steinmetz Hilmar Müller fertigte dazu eine Platte aus Aachener Blaustein. Nachdem die Figur schon vor einer Weile fertig wurde, ist die Steinplatte erst jetzt aufgelegt worden.

Nach wie vor wird das Hochgrab von einem "provisorischen" Dach geschützt, weil Förderverein und Denkmalschützer sich zunächst nicht über eine geeignete Dachform einig wurden. Der Entwurf, der nun existiert, wäre in der Umsetzung so teuer, dass er vorläufig kaum realisiert werden kann. Bis es soweit ist, muss also das Provisorium genügen.

Am Fußende des Graefenthal-Gründers wacht der Geldrische Löwe. FOTO: Evers Gottfried

"Wenn Sie fragen, warum Graf Otto II. so viel Aufmerksamkeit gewidmet wird, dann versichere ich Ihnen, dass er eine wichtige Person war", erklärte bei einer kleinen Feierstunde der Vorsitzende des Vereins, Dr. Hans Buffart. Otto II. herrschte um 1250 über ein Gebiet zwischen Krefeld / Roermond im Süden bis Zwolle im Norden. "Er ist sogar einmal gefragt worden, ob er nicht König werden wolle", wusste Buffart zu berichten. Doch Otto starb 1271 als Graf. Seine letzte Ruhestätte, erklärte Gästeführer Gustav Kade, sei um 1870 geplündert worden, den Rest der Zerstörung erledigte der Krieg.

200 Jahre musste der Sarkophag ungeschützt im Freien aushalten. "Erst Gustav Sinsteden um 1960 und dann der Förderverein bemühten sich, sein Grab zu erhalten und nun auch zu sanieren", so Kade. Die frühere Idee, die schwere, mehrfach gerissene Platte zu erneuern, wurde aus Kostengründen aufgegeben. "Und ich glaube, das ist auch gut so", erklärte Hilmar Müller, denn häufig sei "Armut der beste Restaurator". Nun wurde nur ergänzt, was wirklich nötig war, und eine Steinplatte aufgelegt, wie sie auch früher vorhanden gewesen sei. Und eben die Figur angefertigt, die den jungen Otto II. mit Schwert und Wappenschild darstellt. Zu seinen Füßen liegt der Geldrische Löwe.

Mit der Skulptur wird zugleich Ijsbrandt Roovers ein Denkmal gesetzt, könnte man schmunzelnd anmerken, denn seine Schwester fand es schwierig, eine so große Figur zu gestalten. "Da fiel mir ein, dass ich einen zwei Meter großen Bruder habe." Er musste sich auf den Küchentisch legen, wurde in seinen Konturen mit Bleistift umrandet, für die Räumlichkeit der Figur halfen ein Spiegel unter der Decke und der Blick der Künstlerin von der Leiter herab. Ein halbes Jahr habe sie an dem "Bild", wie es die Niederländerin nennt, gearbeitet.

Hilmar Müller, Mitglied der Xantener Dombauhütte, Dozent an der Gaesdoncker Kunstschule und selbstständiger Steinbildhauer, hat die 800 Kilo schwere Platte, die er gefertigt hat, mit dem vorhandenen Unterbau "verklebt" und Fehlstellen im Beton mit Mörtel ergänzt. Wer sich für die Geschichte Graefenthals interessiert, kann über den Förderverein Gruppenführungen buchen.

Quelle: RP
 
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