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Goch
Tausende Tamilen beten bei Wallfahrt

Goch: Tausende Tamilen beten bei Wallfahrt
Die Verehrung der Mutter Gottes spielt in der tamilischen Religionsausübung eine große Rolle. Die Pilger versanken im Gebet und entzündeten Kerzen. Am Freitagabend war eine Prozession vom Bahnhof bis zum Kapellenplatz. Am Samstag wurde eine Festmesse mit Bischof Dr. Joseph Ponnaiah aus Sri Lanka gefeiert, nachmittags endete die Wallfahrt mit einer Andacht mit Marienverehrung. FOTO: (4): Gerhard Seybert
Goch. Mehr als 8000 Gläubige aus Deutschland und vielen Nachbarländern kamen zur traditionellen Tamilenwallfahrt. Hauptanlaufpunkt war das Bild der Trösterin der Betrübten. Organisatoren ziehen positive Bilanz. Von Julia Latzel

Wer am Samstag in Kevelaer in die Innenstadt kam, traute seinen eigenen Augen nicht: Mehr als 8000 Gläubige aus Deutschland und vielen Nachbarländern waren zur traditionellen Tamilenwallfahrt angereist und verwandelten mit ihren farbenfrohen, traditionellen Gewändern und dem Basar Kevelaer für einen Tag in eine andere Stadt aus einem fernen Land.

1988 begann die Marienwallfahrt mit 50 Pilgern. Thuraisingham Camillus, Gemeinderatsmitglied einer tamilischen Gemeinde in Oberhausen, hatte ein Jahr zuvor Kevelaer besucht und das Marienbild auf dem Kapellenplatz gesehen. "Es hat mich an meine Heimat Sri Lanka und die Wallfahrtskirche Madhu erinnert", berichtet Camillus. Die Verehrung der Mutter Gottes spielt in der tamilischen Religionsausübung eine große Rolle. Deshalb war auch diesmal wieder das Bild der Trösterin der Betrübten der Hauptanlaufpunkt, und noch am Nachmittag standen die Pilger Schlange, um dem Bild möglichst nah zu kommen und dort ihr Gebet zu sprechen.

Die Anfänge der Tamilenwallfahrt waren für die meist als Flüchtlinge nach Deutschland gekommenen Tamilen nicht einfach, da sie die Städte, in denen sie gemeldet waren, nur mit Ausnahmegenehmigungen verlassen durften. "Mittlerweile kommen viele Pilger jedes Jahr, und es ist zu einer Art Familienfest geworden, da viele Tamilen und ihre Verwandten weit verstreut in ganz Deutschland oder sogar Europa leben", erzählt Camillus.

Unter den Angereisten finden sich traditionell neben Christen auch zahlreiche Hindus. "Für sie spielt das Marienbild auch eine große Rolle, auch wenn es nicht Teil ihrer Religion ist. Zwischen Christen und Hindus gibt es keine Spannungen", erklärt Camillus. Genauso ist es auch bei Adskayau Vignalingarajah (19), der zusammen mit seiner Familie aus Witten angereist ist: "Wir kommen jedes Jahr aus religiösen Gründen, auch wenn wir Hindus sind. Meine Eltern sind seit 25 Jahren in Deutschland, ich selbst wurde in Deutschland geboren."

Die Tamilenwallfahrt begann am Freitagabend mit einer Prozession vom Bahnhof in Kevelaer bis zum Kapellenplatz, wo im Forum Pax Christi eine Andacht stattfand. Daran nahmen ungefähr 1000 bis 2000 Pilger teil, die dann auch in Kevelaer übernachtet haben. Am Samstag verwandelte sich der Platz hinter der Basilika in einen großen Tamilen-Markt, auf dem alles Mögliche gekauft werden konnte, was zur tamilischen Kultur gehört: traditionelle Kleidung, Spielsachen, Speisen aus der Heimat und vieles mehr. Um 11 Uhr wurde eine Festmesse mit Bischof Dr. Joseph Ponnaiah aus Sri Lanka gefeiert, und um 15.30 Uhr endete die Wallfahrt mit einer Andacht mit Marienverehrung.

"Ich bin sehr zufrieden mit der Wallfahrt", fasst Camillus zusammen. Das gleiche Fazit zieht auch Kaplan Hendrik Wenning aus Kevelaer: "Ich bin jetzt das zweite Jahr mit dabei. In diesem Jahr haben wir alles etwas klarer geordnet, so sind beispielsweise im Forum Pax Christi einige Wege abgesperrt. Zudem unterstützt uns der Städtebund mit Ordnern. Gefühlt sind es in diesem Jahr mehr Besucher, ich bin also sehr zufrieden."

Am Abend ging es dann für die meisten Tamilen, die mehrheitlich aus dem Ruhrgebiet kommen, wieder nach Hause.

Quelle: RP
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