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Uedem
Uedemer Feldpost von vor 100 Jahren

Uedem: Uedemer Feldpost von vor 100 Jahren
Rainer Weber, Franz-Josef Hetjens, Karl Heinrich van Heek, Annette Meier-Krüger und Fritz Muhsal (v.l.). FOTO: GOTTFRIED EVERS
Uedem. Das Archiv der Gemeindeverwaltung Uedem veröffentlicht mit dem neunten Band der Schriftenreihe Uedemer Studien die Arbeit von Karl Heinrich van Heek. Er hat sich mit den Briefen, die einst sein Vater sammelte, beschäftigt. Von Antje Thimm

Erst wollte er nur für die Familie alles aufschreiben, alle Geschichten sammeln und festhalten, damit auch Enkel und Urenkel sie einmal nachlesen können - dann wurde ein großes Projekt daraus, und weil dieser Arbeit eine ganz besondere historische Quelle zu Grunde liegt, erscheint es nun als neunter Band der Uedemer Studien. "Durch Sturmgebraus" erzählt das Schicksal der Uedemer Familie Johann und Elisabeth van Heek in den Jahren zwischen 1892 und 1924. Verfasser ist Karl Heinrich van Heek, der Enkelsohn. Die besondere Quelle, auf die sich die Arbeit stützt, sind 240 Feldpostkarten und -briefe aus dem ersten Weltkrieg, die Hermann van Heek, Vater des Autors, aufbewahrt hatte. Er und vier seiner Brüder haben sie alle von den Fronten des Krieges nach Hause geschickt. "Liebe Eltern und Geschwister! Teile euch eben mit, dass es mir noch gut geht. Hoffentlich Euch auch noch allen. (...)" So wie dieser Brief vom 11. Juni 1915, geschrieben von einem Onkel des Verfassers, beginnen die meisten der Feldpostbriefe und beantworten die wichtigste Frage, die den heutigen Leser, der Kriege nicht erlebt hat, tief bewegt: Was ist mit meinem Sohn / Bruder, der "in Stellung ist"? Lebt er noch? Beinahe die Hälfte der insgesamt 260 Seiten des Buches nimmt die Textwiedergabe aller gesammelten Feldpostdokumente ein.

Wie alle Soldaten schrieben Hermann van Heek und seine Brüder häufig nach Hause, berichteten von ihren Erlebnissen, bedankten sich für die Essenspakete, und erzählten auch von traumatischen Ereignissen, wenn Kameraden oder gar Familienangehörige verletzt wurden und starben. Franz-Josef Hetjens, Archivar der Gemeindeverwaltung Uedem, betont, die Feldpostkarten und -briefe seien als Quellengattung ganz einmalig. 20 Milliarden Feldpostbriefe seien in Deutschland in beiden Kriegen geschrieben worden und sie stellten ein unschätzbares historisches Dokument über das Soldatenleben an der Front dar. Für den Uedemer Raum lägen Feldpostbriefe bislang nicht vor, daher habe das Stadtarchiv die Arbeit von Heinrich van Heek unterstützt und begleitet. "In den Aufzeichnungen sind scheinbar unbedeutende Vorgänge und private Ereignisse geschildert. Dennoch haben sie ihren kulturgeschichtlichen Stellenwert, spiegelt sich doch gerade in ihnen der Charakter einer Gesellschaft wider", so Franz-Josef Hetjens. Rainer Weber, Bürgermeister von Uedem, begrüßt die Veröffentlichung der Arbeit in der Reihe der Uedemer Studien. Alle Bände seien wissenschaftliche Untersuchungen zu Geschichte und Gegenwart der Region und sorgten für eine vertiefte Kenntnis des Lebensraums. "Wenn man diese Briefe liest, staunt man, wie man damals kommuniziert hat, und was für eine große emotionale Bedeutung Briefe hatten", so der Bürgermeister.

Neben den Kriegserlebnissen beschreibt Heinrich van Heek auch Teile der Lebensgeschichte seines Vaters und seiner Großeltern. Er selbst wurde 1937 geboren. Nach einem naturwissenschaftlichen Studium mit Promotion arbeitete er auf dem Gebiet der physikalischen und chemischen Verfahrenstechnik und war außerplanmäßiger Professor in Münster. Seit seiner Pensionierung beschäftigte er sich mit der Geschichte seiner Familie.

Die Publikation ist ab dem 1. Juni im Bürgerbüro der Stadt, in der Hohen Mühle und im Geschenkehaus Binn erhältlich.

Quelle: RP
 
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