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Uedem
Uedems Ärztemangel vorerst behoben

Uedem: Uedems Ärztemangel vorerst behoben
Uedems Bürgermeister Rainer Weber, Irmgard van Bebber-Hansen und Achim Densow, von luinks. FOTO: Gottfried Evers
Uedem. Achim Densow konnte eine Weile keine neuen Patienten mehr aufnehmen, weil er die Arbeit kaum mehr schaffte. Nun hat er eine Teilhaberin, die ebenso gerne wie er selbst auf dem Land arbeitet. Förderprogramm hat geholfen. Von Anja Settnik

In den vergangenen Jahren sorgten sich viele Uedemer um die hausärztliche Versorgung in ihrem Ort. Schlimmer: Mancher, der einen Arzt suchte, musste sich außerhalb seines Wohnorts umsehen, denn Uedemer Mediziner hatten einen Aufnahmestopp verhängt. Der darf eigentlich nicht sein, gibt Achim Densow zu, aber der Facharzt für innere Medizin, der seit vielen Jahren eine Praxis am Gerberweg betreibt, wusste sich nicht mehr anders zu helfen. Zu viele "Scheine", zu wenig Zeit für den einzelnen Patienten - so ging es nicht mehr weiter. Dann kündigte sich die Lösung des Problems an: Irmgard van Bebber-Hansen wurde zunächst angestellte Kollegin, seit diesem Jahr ist sie Teilhaberin der Praxis. Und die kann wieder neue Patienten aufnehmen.

Glücklich darüber ist auch Bürgermeister Rainer Weber, der seinen Bürgern natürlich eine gute Infrastruktur bieten möchte, zu der auch die medizinische Versorgung zählt. "Vor Jahren hatten wir in vier Praxen fünf Ärzte, dann waren es nur noch drei Ärzte in drei Praxen", erzählte er gestern. Das sei eindeutig zu wenig gewesen, zumal in ländlichem Gebiet, wo "der Doktor" auch schon mal Hausbesuche machen muss. "Und die mache ich leidenschaftlich gerne. Für diese nahen Begegnungen mit den Patienten bin ich überhaupt Arzt geworden", sagt der 49-Jährige. Das sieht Kollegin Irmgard van Bebber-Hansen ganz ähnlich. Morgens, abends oder mal schnell in der Mittagszeit bei einem nicht mobilen Menschen vorbei zu gucken, das tue sie gern. Zumal Patienten, die "draußen" in Keppeln oder Neulouisendorf zuhause sind, an ihrem Heimweg liegen. Denn die Ärztin lebt in Kalkar.

"Ich habe acht Jahre auf der Inneren Abteilung des Kalkarer Krankenhauses gearbeitet, dann ambulant in einer Praxis. Die Selbstständigkeit hatte ich aufgeschoben, bis die Familiensituation dies zuließ." Jetzt ist es so weit. Drei Kinder, die quasi erwachsen sind, hat die 54-Jährige. Die Ärztin muss nicht alleine arbeiten, sondern mit einem netten Kollegen, den sie schon vor Jahren im Krankenhaus kennenlernte. Geschäftspartner Achim Densow ist sehr froh, endlich Verstärkung in seiner Praxis zu haben, denn "1800 Scheine pro Quartal, das schafft man auf die Dauer nicht. 890 sind in NRW der Durchschnitt, bis 1200 sind machbar, was darüber hinaus geht, führt dazu, dass man von Zimmer zu Zimmer jagt und niemandem gerecht wird." Jetzt ist Uedems jüngster niedergelassener Mediziner entspannt. Er weiß, dass er niemanden mehr abweisen muss.

Rainer Weber berichtete, gerade erst habe er beim Uedem-Besuch von Karl-Josef Laumann, Staatssekretär im Gesundheitsministerium und Patientenbeauftragter der Bundesregierung, das Thema Ärztemangel auf dem Land intensiv debattiert. Vom NRW-Programm "Förderung der hausärztlichen Tätigkeit in Notgebieten" hat auch Irmgard van Bebber-Hansen profitiert. Je nach Unterversorgungsgrad bekommen Ärzte, die sich in einer Mangelkommune niederlassen, 25 000 (Uedem, Kranenburg) oder sogar 50 000 Euro (Kalkar) zur Existenzgründung. "Aber wegen der Förderung tut man's ja nicht", schwächt Densow ab.

Die Liebe zum Beruf, gerade als Hausarzt auf dem Land, sei unerlässliche Voraussetzung. Landrat Wolfgang Spreen versucht, diese Begeisterung bei Nachwuchsmedizinern zu wecken, indem er (der Kreis Kleve) ein Hospitationsmodell für junge Ärzte aufgelegt hat. Niedergelassene Ärzte, die sich auf die Übergabe ihrer Praxis vorbereiten, können für Hospitanten Fördermittel beantragen. Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins wirbt sogar mit 25 000 Euro als Startkapital (neben dem, was das Land bietet), sollte sich ein Allgemeinmediziner in der Grenzfeste niederlassen. Bisher vergeblich.

Familienvater Densow, auch sportlich intensiv unterwegs, erfährt auch für sich ganz persönlich jetzt wieder mehr Lebensqualität. Denn das, was manchen Nachwuchsmediziner abschreckt, ist ja genau das, was Menschen, die sich einmal auf den Niederrhein eingelassen haben, so sehr gefällt: eine weite grüne Umgebung, die zum Natur und Freizeit genießen einlädt.

Quelle: RP
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