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Goch
Ulrich Knickrehm zieht 100-Tage-Bilanz

Goch: Ulrich Knickrehm zieht 100-Tage-Bilanz
Ulrich Knickrehm fühlt sich wohl in seiner neuen Rolle als Gocher Bürgermeister. FOTO: GOTTFRIED EVERS
Goch. Am 22. Oktober wurde der 59-Jährige als Bürgermeister vereidigt, Ende Januar stellte er den Haushaltsplanentwurf 2016 vor. Der einstige Richter hat sich im Rathaus eingelebt, auch wenn es hier und da manchmal noch etwas "rumpelt". Von Michael Baers

Die Haushaltseinbringung, die Umgestaltung der Parkraumbewirtschaftung, die Bewältigung der Flüchtlingssituation und die Einführung der Bürgersprechstunde - diese vier Themen listet der neue Gocher Bürgermeister auf, wenn er seine ersten 100 Tage im Amt bilanziert. "Wobei der Schwerpunkt natürlich bei der Erstellung des Haushaltsplans lag", betont Ulrich Knickrehm, der die finanzielle Schieflage der Stadt im Wahlkampf immer wieder angemahnt und damit in der Stichwahl am 27. September einen deutlichen Sieg errungen hatte. "Wir haben mit dem Entwurf eine belastbare Zukunftsperspektive geschaffen", so der 59-Jährige.

Wermutstropfen seien lediglich die Steuererhöhungen, die Knickrehm als "das weinende Auge der Belastungen" bezeichnete. Sie in der Ratssitzung vor zwei Wochen öffentlich bekannt zu geben, sei daher auch der bisher unangenehmste Moment gewesen, den er an seinem neuen Arbeitsplatz am Markt habe erleben müssen. Doch er stehe hinter dem Entwurf und die vergangenen Tage hätten ihm gezeigt, dass es nicht nur Kritik an den Plänen gebe, die Gewerbesteuern A und B deutlich zu erhöhen: "Insbesondere im Karneval kommt man ja mit unglaublich vielen Menschen in Kontakt und da habe ich auch viel Zuspruch erhalten." Dass seine Sorge über die Reaktion - zumindest teilweise - unbegründet war, könnte ein Beweis für Knickrehms schon oft geäußerte Überzeugung sein, dass die Bürger bereit seien, mit Zumutungen umzugehen, wenn man sie ihnen nur erkläre. Wie zum Beispiel auch bei den Parkgebühren, die laut Knickrehm seit der ab dem 1. Februar geltenden Änderung "kein Thema mehr" sind.

Aktuell auf der Agenda stünden hingegen die weitere Suche nach Einsparungsmöglichkeiten (zum Beispiel, indem man über eine Trennung von städtischen Gesellschaften nachdenke) und die Entwicklung des Geländes der ehemaligen Reichswaldkaserne. Eine Bezeichnung übrigens, die dem einstigen Richter zu sperrig ist. "Es ist an der Zeit, dass wir für den neuen Stadtteil einen Namen suchen", so Knickrehm, der dabei auch an eine Beteiligung der Bürger denkt. In welcher Form ist noch offen. Fest steht, dass in diesem Jahr die ersten 40 Grundstücke vermarktet, die Planung des Geschosswohnungsbaus vorangetrieben und der See, "das Kernstück", angelegt werden sollen.

Als den größten Unterschied zu seiner vorherigen Tätigkeit am Klever Landgericht nannte Knickrehm den Umstand, dass man als Richter jeweils auf ein Thema am Tag fixiert sei. Im Rathaus sehe das anders aus, deutlich vielfältiger und zuweilen auch weniger vorhersehbar.

Trotz des Sparzwangs im Haus geizte Knickrehm erneut nicht mit Lob. Er sei beeindruckt vom professionellen Umgang miteinander und bezog das sowohl auf die Mitarbeiter in der Verwaltung als auch die Vertreter aller Fraktionen im Rat. Zwar müsse man sich in manches erst noch "reinfummeln" und dann "rumpelt es manchmal", aber "alle zeigen Interesse an fachlicher und sachlicher Zusammenarbeit". Er sehe die ungewöhnliche Situation, dass er ein Bürgermeister ohne eigene politische Mehrheit im Rat sei, für alle als Chance zu einer neuen Diskussionsbereitschaft.

Dass das auch auf ihn selbst zutrifft, ließ sich beim Bilanz-Gespräch gut erkennen. Da saß Knickrehm nämlich gleich neben Stadtsprecher Torsten Matenaers und damit neben jenem Mann, dessen Posten er als Oppositionspolitiker noch für entbehrlich hielt. Man habe zusammen gefunden und beide sprachen überzeugend von einer sehr guten Zusammenarbeit. Und mit einem Lächeln ergänzte Matenaers, dass es seit Knickrehms Dienstantritt noch keinen Tag gegeben habe, an dem er aus dem Rathaus habe flüchten wollen.

Viel helfen würde ihm das allerdings ohnehin nicht. Denn privat sind Knickrehm und er Nachbarn.

Quelle: RP
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