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RP-Serie "Die Finanzen Im Griff" (1)
Umdenken hilft Sparen

RP-Serie "Die Finanzen Im Griff" (1): Umdenken hilft Sparen
Das Interview fand im Büro von Wilfried Bosch in der Voba-Verwaltung statt. FOTO: Seybert Gerhard
Goch. Der Niedrigzins lässt Kreditnehmer jubeln. Aber auch Sparer müssen nicht in die Röhre gucken. Zum Auftakt unserer neuen Serie verrät Wilfried Bosch, Vorstand der Volksbank an der Niers, wie das grundsätzlich funktionieren kann. Von B. Mokwa und L. Küppers

Kreditnehmer wissen es schon lange, es gibt eine Niedrigzinsphase. Von der profitieren Kreditnehmer, aber was bringt sie den Sparern. Gerät die Sparkultur in Gefahr?

Wilfried Bosch Nein, es muss aber ein Umdenken erfolgen. Die Zeiten haben sich geändert, und damit auch das Sparen.

Das bedeutet?

Bosch In den 1990er Jahren gab es bei Geldanlagen Zinsen von vier Prozent. Da war es kein Problem, das Kapital nach rund 20 Jahren, also in einem überschaubaren Zeitrahmen, zu verdoppeln. Heute liegt der Zinssatz bei einem Prozent, bei absolut sicheren Geldanlagen bei 0,5 Prozent. Bei diesem Zinssatz haben Sie erst nach 140 Jahren Ihr Kapital verdoppelt.

Was waren die sicheren Geldanlagen aus der Vergangenheit?

Bosch Der Sparbrief oder der Bundesschatzbrief waren in aller Munde. Diese Geldanlagen werden aber nicht mehr nachgefragt.

Was bleibt dem Sparer, um sein Vermögen zu vermehren?

Bosch Er hat zwei Möglichkeiten, mehr Sparen oder anders Sparen, zum Beispiel durch Fondssparen. Bei dieser Art der Geldanlage gibt es nicht mehr die feste Verzinsung, wie es der Sparer von früher gewohnt ist. Es kann auch mal Wellenbewegungen geben. Um den Überblick zu behalten, ist es wichtig, einen Berater an der Seite zu haben, der Ahnung hat und Zeit, und der das Anlageprofil und die individuelle Lebensplanung des Kunden im Blick hat. Der außerdem seinen Kunden erst aufmerksam zuhört und dann berät.

Warum überhaupt Sparen?

Bosch Vom Fußball wissen wir, dass beide Halbzeiten gleich wichtig sind. Viele denken aber nicht an die zweite Halbzeit im Leben, machen sich keine Gedanken darüber, was im Alter auf sie zukommt. Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles sagte bereits, dass die Rente in der Dimension wie heute nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

Was hat sich noch für den Sparer geändert?

Bosch Die Vielfalt der Anlagemöglichkeiten. Ich drücke es mal so aus: Es ist gut, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Wer sparen möchte, sollte sein Vermögen in verschiedener Form anlegen. Der Niederrheiner investiert gerne in Betongold, also Immobilien. Es gibt sehr viele, die gerne selber bauen und ihr Haus hegen und pflegen oder auch vermieten.

Gibt es eine Alternative, wenn der Kunde zwar in Immobilien investieren möchte, ohne Mieter zu haben?

Bosch Das ist möglich bei Immobilienfonds. Von großen Objekten können Anteile gekauft werden. Wir reden von Renditen um die drei Prozent und einer zeitlichen Bindung von fünf Jahren aufwärts. Die Nachfrage bei Immobilienfonds ist riesig.

Liegt das daran, dass eine Immobilie etwas Sichtbares ist?

Bosch Hinter so einem Fond stecken Sachwerte. Derjenige, der Anteile hat, kann nach Hamburg oder Paris fahren und sich das Objekt anschauen. Auch da ist eine eingehende Beratung durch Experten nötig, damit nicht in eine Immobilienblase investiert wird. Die Bankenkrise hat uns noch sensibler gemacht. Der Kunde muss verstehen, worin er investiert.

Die Niedrigzinsphase ist für Kreditnehmer ein Segen. Gibt es auch da etwas zu beachten?

Bosch Wie beim Sparen gilt auch beim Kredit das Motto: Er muss zum Leben passen. Jedem muss klar sein, dass geliehenes Kapital am Ende zurückgezahlt werden muss. Sicherheit ist ein ganz großes Thema. Denn immer gibt es Dinge, die im Leben nicht wie geplant laufen. Dafür müssen Rücklagen da sein oder eine entsprechende Versicherungslösung. Deshalb gilt für Kreditnehmer dasselbe wie für den Sparer: Am Anfang steht die individuelle Beratung.

Quelle: RP
 
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