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Goch
Verdienstmedaille für "Phänomenologen" Wehren

Goch: Verdienstmedaille für "Phänomenologen" Wehren
Wilhelm Wehren "liest" den Zweig einer Kastanie auf dem Gocher Marktplatz. Seine Erkenntnisse unterstützen die Agrarmeteorologie. FOTO: van Offern
Goch. Wilhelm Wehren, früher Chef von Haus Riswick, wurde im Gocher Rathaus vom Deutschen Wetterdienst geehrt. Von Anja Settnik

Nicht zuletzt von seinen Beobachtungen hängt der Erfolg der Ernte ab: Weil Wilhelm Wehren und eine Vielzahl weiterer ehrenamtlich tätiger phänologischer Beobachter das ganze Jahr über den Entwicklungsstand der Pflanzen festhalten und die Daten an den Deutschen Wetterdienst liefern, kann dieser der Landwirtschaft tagesgenau wertvolle Tipps geben. Für seine langjährige Unterstützung wurde gestern der frühere Leiter von Haus Riswick (einst "Landwirtschaftskammer") ausgezeichnet.

Im Büro von Bürgermeister Ulrich Knickrehm ehrte den Pfalzdorfer Saskia Pietzsch von der Abteilung Agrarmeteorologie des Deutschen Wetterdienstes. Die Fachfrau war eigens aus Offenbach angereist, um dem Pensionär im Auftrag des Bundespräsidenten eine Urkunde und die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik zu übergeben. Leckeren Obstwein und ein Buch "Gartenpraxis im Klimawandel" gab's dazu - und vom Bürgermeister einen Blumenstrauß.

1200 Ehrenamtler sammeln gemeinsam mit Hauptamtlern das Jahr über Erkenntnisse aus der Botanik. Von der Blüte der Haselnuss im Vorfrühling über den blühenden Holunder bis zum Nadelfall im Spätherbst überprüfen die "Phänologen" in ihrer jeweiligen Wohnumgebung, wann was blüht.

Wilhelm Wehren hat damit 1977 in Uedem begonnen, heute sammelt er Daten in Pfalzdorf und trägt sie in ein spezielles Tagebuch ein. In Uedem führt jetzt seine Schwester Maria Daamen für den Wetterdienst Buch. Wie Saskia Pietzsch erklärte, lassen sich anhand der langfristigen Pflanzenbeobachtung auch Aussagen über die Klimaentwicklung treffen. Eine phänomologische Uhr zeigt, wie sich die Vegetationsphasen verschieben: immer früher beginnt der Frühling, die Vegetationsperiode wird länger - dies könne durchaus als Hinweis auf die Erderwärmung angesehen werden.

Wilhelm Wehren wird weitermachen. Als vergleichsweise junger Zuarbeiter des Wetterdienstes (viele andere Ehrenamtler sind schon 80 Jahre und älter) vermeldet er inzwischen die wichtigen Daten sogar online. Er freut sich, auch im Ruhestand der Landwirtschaft nutzen zu können. Und auch anderen Gesellschaftskreisen, wie Bürgermeister Knickrehm einwarf: "Die Wetter-App des Deutschen Wetterdienstes mit ihrer stundengenauen Prognose hatte uns ermutigt, den Rosenmontagszug 2016 trotz angekündigten Sturms stattfinden zu lassen. Was im Nachhinein die richtige Entscheidung war."

Quelle: RP
 
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