| 00.00 Uhr

Uedem/Goch/Kervenheim
Verletzter Biker flieht aus Angst vor Punkten

Uedem/Goch/Kervenheim: Verletzter Biker flieht aus Angst vor Punkten
Die Yamaha wurde bei der Kollision völlig demoliert. Wenn man das Motorrad sieht, grenzt es an ein Wunder, dass der Mann nach dem Unfall noch zu Fuß flüchten konnte. FOTO: Evers
Uedem/Goch/Kervenheim. Unglaublicher Vorfall bei Uedem: Hier stieß am Sonntagabend ein Motorradfahrer mit dem Auto einer Gocherin zusammen. Der Mann flog über die Motorhaube, anschließend stand er auf und machte sich humpelnd aus dem Staub. Von Sebastian Latzel

Der spektakuläre Fall nahm am Sonntagabend gegen 18.45 Uhr seinen Anfang. Da fuhr ein Motorradfahrer auf der Schloss-Wissener-Straße Richtung Autobahn. Nach Angaben von Zeugen soll der Mann mit hohem Tempo über die Strecke gerast und durch riskante Fahrweise aufgefallen sein.

Er bog in Höhe Kervenheim nach rechts auf die Sonsbecker Straße (L 460) in Richtung Sonsbeck ein. Hier gab er wieder Gas, um einen Lastwagen zu überholen. Zu diesem Zeitpunkt war eine 42-jährige Frau aus Goch mit ihrem BMW gerade dabei, von einer Grundstückseinfahrt auf die Sonsbecker Straße einzubiegen. Sie stand bereits einen Meter mit dem Auto auf der Straße, als sie das Motorrad erblickte. Die Frau versuchte noch, zurückzusetzen. Doch dafür war es zu spät. Das Motorrad raste gegen den Wagen und der Biker flog durch den Aufprall über die Motorhaube.

Er rappelte sich wieder auf, und die Autofahrerin eilte ihm mit zwei weiteren Zeugen zur Hilfe. Der Biker sagte allerdings, er sei "okay". Er bat darum, keine Polizei zu rufen. "Ich darf keine Punkte mehr bekommen", sagte er, er habe Angst, den Führerschein und seine Arbeit zu verlieren. Als ein Zeuge allerdings trotz dieser Bitte die Polizei rief, flüchtete der Motorradfahrer kurz entschlossen über die Sonsbecker Straße Richtung Kervenheim. Er humpelte leicht und war wenig später verschwunden. Er blieb die Nacht über unauffindbar. Die Polizei setzte einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera ein, auch die Bundespolizei und die Feuerwehr Kevelaer halfen bei der Suche. Doch der Mann blieb verschwunden. Als die Polizei das Motorrad untersuchte, stellten die Beamten schnell fest, warum es der Mann so eilig gehabt hatte. Die hellgelbe Yamaha YZF 750 R war gar nicht angemeldet. Damit nicht genug: Das Kennzeichen war vor zwei Jahren in Wuppertal gestohlen worden.

Nach diversen Hinweisen kam die Polizei dem Mann auf die Spur. Dabei half wohl auch die Beschreibung. Der Mann hatte einen dunklen, kurzen Haarkranz und Zahnlücken, die nicht vom Unfall stammen. Bei ihm handelt es sich um einen 33-Jährigen aus Kevelaer, den die Polizei gestern befragte.

Ihn erwartet jetzt ein Verkehrsstrafverfahren. Unter anderem wird er sich wohl wegen Unfallflucht verantworten müssen, so Polizeisprecher Michael Ermers.

Die Punkte in Flensburg könnten da noch das geringste Problem sein. Der Mann hat nämlich gar keinen Führerschein.

Die Polizei stellte das schwer demolierte Motorrad sicher. Auch der BMW war durch den Unfall so stark beschädigt, dass er abgeschleppt werden musste. Glücklicherweise wurde die 42-jährige Autofahrerin aus Goch nicht verletzt.

Quelle: RP