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Goch-Pfalzdorf
Vorlesen: Heute mal die Kinder den Seniorinnen

Goch-Pfalzdorf. Die Pfalzdorfer Grundschule und das St. Josefshaus gegenüber pflegen intensiven Kontakt. Regelmäßige Begegnungen. Von Anja Settnik

Wer Neunjährige nach ihren Hobbys fragt, bekommt Vieles zu hören, das mit Bewegung und Action zu tun hat - Fußballspielen, Kettcar oder Longboard fahren zum Beispiel. Wenn sich Pfalzdorfs Drittklässler jedoch einmal in der Woche mit einigen betagten Bewohnerinnen des St. Josefshauses von gegenüber treffen, ist mal etwas anderes angesagt. Die Gruppe sitzt ruhig im Kreis beieinander und unterhält sich. Insbesondere wird vorgelesen: mal die Kinder den Seniorinnen, mal die Seniorinnen den Kindern.

"Der Austausch zwischen unserer Schule und dem Altenheim besteht schon seit Jahren", erklärt Ursula Niewerth, die Leiterin der Freiherr-von-Motzfeld-Grundschule. Im Advent gehen einige Kinder mit ihren Blockflöten zu den Senioren und erfreuen sie mit einem kleinen Konzert. Wenn eine Aufführung in der Schule stattfindet, gibt es immer einen Tanz, einen Sketch oder ein kleines Musikstück, das den alten Menschen im Josefshaus vorgeführt wird. "Von unserem Garten aus können die Bewohner direkt auf die Spielfläche der Kinder sehen. Das tun sie immer sehr gerne, und ich habe noch nie gehört, dass sich jemand am Lachen und Toben der Kleinen gestört hätte", sagt Heimleiter Jörg Matenaers.

Diejenigen Senioren, die noch mobil genug sind, treffen sich regelmäßig mit einigen Kindern im Kreativraum des Ganztags. Derzeit sind es zwei Kleingruppen von Drittklässlern, die sich mit ihren Lieblingsbüchern zu den Frauen setzen, die ihre Urgroßmütter sein könnten. Die Gruppe, die beim RP-Besuch anwesend war, kennt sich noch nicht so lange, deshalb gab's zu Beginn eine Vorstellungsrunde. "Ich heiße Ole, bin neun Jahre alt, und meine Hobbys sind Reiten, Kettcar und Longboard fahren", hieß es da etwa. Thea, 83, Adele, 89, Christine 86 und einige weitere Frauen nennen ihre Namen. Die Leiterin des Sozialdienstes im Josefshaus, Britta Gemke, bittet die Kinder, laut zu sprechen. "So, als wenn ihr euch mit euren Geschwistern streitet." Pfalzdorfs Kinder streiten offenbar nicht, denn die Stimmen bleiben zart. Aber die Bereitschaft der Damen, möglichst jedes Wort aufzunehmen, ist groß, so dass die Geschichten vom mutlosen Ritter oder vom Gedankenmonster durchaus Gehör finden.

"Manchmal lesen auch die Josefshaus-Bewohner den Kindern vor", sagt Ursula Niewerth, aber umgekehrt ist es fast noch schöner, denn den Jungen und Mädchen tut natürlich der herzliche Applaus gut, den die Besucherinnen großzügig spenden. Der Umgang mit den Kindern bedeutet ihnen viel, weiß die Rektorin. "Ich betreue selbst eine alte Dame in einem Heim und bin immer traurig darüber, dass man dort kaum mal ein junges Gesicht sieht. Deshalb war es mir wichtig, den Kontakt anzuschieben." Berührungsängste gebe es kaum. Inzwischen nehmen sich Alt und Jung durchaus auch mal in den Arm, sagt sie. Und Jörg Matenaers versichert, dass die Besuchstage immer ein Highlight seien.

Quelle: RP
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