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Ulrich Schlotmann
Vorsicht bei Pillen aus dem Internet geboten

Ulrich Schlotmann: Vorsicht bei Pillen aus dem Internet geboten
Ulrich Schlotmann FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Goch. Der Pressesprecher der Apotheker warnt vor gefälschten Medikamenten, die online angeboten werden.

Kreis Kleve Vermeintlich günstige Preis, "rezeptfreie" Bestellung, formlose Zahlung per Onlinedienst und die schnelle Lieferung "frei Haus" verleiten viele Patienten dazu, Medikamente im Internet zu bestellen. Doch immer öfter hört man von gefälschten Medikamenten, die der Gesundheit so gar nicht zuträglich sind.

Was halten Sie davon, Medikamente im Internet zu bestellen?

Ulrich Schlotmann Die Käufer gehen dabei häufig ein hohes Risiko ein, denn das Internet ist ein schwer zu kontrollierender Tummelplatz für Arzneimittelfälscher. Zollkriminalamt und Bundeskriminalamt warnen immer öfter vor gefälschten und illegalen Arzneimitteln aus dem Internet.

Gibt es Erkenntnisse darüber, wie viele der im Internet angebotenen Medikamente von Fälschungen betroffen sind?

Wie Sie Antibiotika richtig einnehmen FOTO: dpa, Franziska Koark

Schlotmann Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass jedes zweite im Internet gehandelte Medikament eine Fälschung ist. Die angebotenen Arzneimittel stammen oft nicht von den Original-Herstellern, sondern aus dubiosen Produktionsstätten. Einige sind völlig frei von Wirkstoffen und bestehen nur aus Puder oder Speisestärke. Andere können qualitativ minderwertige Wirkstoffe enthalten oder mit gesundheitsschädlichen Stoffen angereichert sein.

Welche Medikamente sind betroffen?

Schlotmann Wurden früher vor allem gefälschte Medikamente gegen Haarausfall oder Erektionsstörungen auf den Markt gebracht, werden inzwischen zunehmend auch Mittel zur Behandlung von schweren Erkrankungen wie Krebs, HIV, Alzheimer, Bluthochdruck, Depressionen oder Rheuma gefälscht. Das kann lebensgefährlich werden.

Nehmen die Produktfälschungen zu?

Schlotmann Der Handel mit gefälschten Medikamenten verzeichnet hohe Zuwachsraten und somit steigt das Risiko für die betroffenen Patienten von Jahr zu Jahr. Allein zwischen 2012 und 2013 ist laut Angaben der Zollkriminalämter die Zahl der sichergestellten Fälschungen um 15 Prozent gestiegen.

Medizin: Medikamente, die gefährliche Nebenwirkungen haben FOTO: dpa, Kai Remmers

Wie sicher sind Medikamente aus der Apotheke?

Schlotmann Für Bundesbürger sind Apotheken vor Ort die sicherste Anlaufstelle. Acht von zehn Deutschen halten den Besuch in der Apotheke in der Nähe für die beste Möglichkeit, sich vor gefälschten Arzneimitteln zu schützen. Laut einer repräsentativen und aktuellen Umfrage des Gesundheitsmagazins "Apotheken Umschau" sind 88,7 Prozent der Deutschen der Meinung, dass man in der Apotheke sicher ist, keine gefälschten Medikamente zu erhalten.

Was sollte man beim Verdacht auf ein gefälschtes Medikament unternehmen?

Schlotmann Wenn ein im Internet bestelltes Medikament anders aussieht als bisher oder anders wirkt, sollten Patienten misstrauisch werden. Denn das kann auf eine Fälschung hindeuten. Bei solchen Verdachtsfällen von Arzneimittelfälschungen sollten sich Patienten und Kunden an ihre Apotheke vor Ort wenden.

DIE FRAGEN STELLTE MARC CATTELAENS

Diese Arzneimittel führen zu Übergewicht FOTO: dpa, Kai Remmers
Quelle: RP
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