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Wolfgang Pitz aus Goch
Einmischen als Lebensaufgabe

Vorsitzender der CDU-Seniorenabteilung aus Goch mischt sich ein
FOTO: GOTTFRIED EVERS
Goch. Wolfgang Pitz ist Vorsitzender der CDU-Seniorenabteilung in Goch. Als seine wichtigste Aufgabe sieht er an, Ältere zu ermutigen, ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten. Von Anja Settnik

Er zählt sicherlich zu den umtriebigsten 77-Jährigen in Goch. Und zu denen, die sich auch in vorgerücktem Alter nicht ins Abseits drängen lassen. Wolfgang Pitz nutzt seine Lebenserfahrung, um sich und anderen Älteren eine intensive Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen. Der Vorsitzende der Gocher Senioren-Union (SU) leitet eine Gruppe von 230 Männern und Frauen im Alter zwischen 60 und 101 Jahren. Der Begriff "Kaffeetrinken" fällt im einstündigen RP-Gespräch übrigens kein einziges Mal. Bestimmt kommt Geselligkeit in der Senioren-Union nicht zu kurz, aber diese Gocher haben Wichtigeres zu tun, als sich um den gedeckten Tisch zu versammeln.

"Wir mischen uns gerne ein", sagt er schmunzelnd. Es brauche heute und eigentlich immer schon Menschen, die sich nicht unterbuttern lassen. Auch, als er noch berufstätig war, habe er Duckmäuser nicht gemocht. Pitz war Organisationsbereichsleiter der Allianz, war zuständig für eine Vielzahl von Versicherungen. Seine Geschäftsstelle lag in Dortmund, er selbst lebte 22 Jahre lang in Recklinghausen. "Ich führte in dieser Zeit eine Wochenend-Ehe" sagt er - fünf Tage Ruhrgebiet, zwei Tage Goch. Mit einigem Abstand und großer Anerkennung der Leistung seiner Frau sagt er: "Henrike war für die Erziehung unserer drei Kinder allein verantwortlich.

Heute machen wir viel gemeinsam, sie ist ja auch Mitglied der Senioren-Union, aber früher bekam ich aus Goch nicht viel mit." Wolfgang Pitz sind Kontakte sehr wichtig. Seine Arbeit machte damals seinen Lebensmittelpunkt aus, und manche Freundschaft aus dieser Zeit pflegt er bis heute. "Als ich als Ruheständler wieder ganz zurück nach Goch kam, stellte ich fest, dass ich kaum jemanden kannte. Obwohl ich doch seit 1948 mehr oder weniger hier lebte."

Pitz wurde in Trier geboren und kam als Achtjähriger mit seinen Eltern an den Niederrhein. Heute ist es so, wie er es gern hat: Wenn Wolfgang Pitz durch die Stadt läuft, wird er alle paar Meter angesprochen. "Meine Frau sagt dann immer: ,Ich geh' schon mal vor'. Ich liebe es, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Das vermittelt ein echtes Zuhause-Gefühl."

Willi Coenen, inzwischen verstorbener Gründer der Gocher Senioren-Union, hat das CDU-Mitglied Pitz (seit 54 Jahren) damals in die Gruppe geholt. Pitz: "Ich habe gleich im Vorstand mitgearbeitet und signalisiert, dass ich gerne Verantwortung übernehme." Seit 2004 steht er der Senioren-Union vor und schiebt mit seinen engagierten Leuten manches Thema an. Problematische Verkehrssituationen, die Lage in den Altenheimen, Fragen zur Pflege, zur Beteiligung von Senioren oder auch Themen der Stadtentwicklung sind Bereiche, in die sich die Männer und Frauen "einmischen". Gerne werden Anregungen für Veranstaltungen entgegengenommen - von Mitgliedern wie von anderen Bürgern.

Regelmäßig geht es um medizinische Themen, werden leitende Ärzte der Kreis Klever Kliniken eingeladen, auch Pflegeexperten oder rechtlich versierte Ratgeber. "Auch unsere Ausflüge haben meist informativen Charakter, denn auch ältere Menschen wollen und sollten wissen, was um sie herum vorgeht", findet Pitz. Selbst Parteipolitik beschäftigt die älteren CDU-Leute: "Wir wollen politisch sein, Stellung beziehen, kümmern uns darum, dass unsere Anliegen den Stadtrat erreichen."

Mit 14 SU-Mitgliedern und einigen weiteren Akteuren betreibt Pitz auch aufsuchende Seniorenarbeit. Wenn etwa die Pflegegrad-Einstufung ansteht oder jemand Probleme mit seiner Krankenversicherung hat, kommen die Helfer gerne dazu und kümmern sich. "Es gibt heute für fast alles Hilfen. Ich schärfe unseren Leuten immer ein, dass sie Dinge nicht einfach hinnehmen, sondern ihre Interessen selbstbewusst vertreten sollen. Man muss Verbesserungen einfordern, und wer das nicht kann, der darf sich gerne bei uns melden."

Quelle: RP
 
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