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Goch
Vortragsreihe über Gocher Stiftungen

Goch. Bei der Auftaktveranstaltung ging es um die Bruderschaft zu Unserer lieben Frau. Von Anja Settnik

Stiftungen haben im Laufe der Zeit Anschaffungen und Projekte ermöglicht, die die Stadt alleine nicht geschafft hätte. Kultourbühne Goch, Volkshochschule und Heimatverein haben deshalb eine Vortragsreihe ersonnen, die einen besonderen Part der Heimatgeschichte ins Bewusstsein der Bürger rücken soll: Stiftungen.

Ehrenbürgermeister Willi Vaegs, zugleich Vorsitzender des Heimatvereins, lobte jetzt bei der Auftaktveranstaltung, Stiftungen stünden für starkes bürgerschaftliches Engagement, dürften aber "nicht zum Lückenbüßer werden für Leistungen, die die Kommune nicht mehr erbringen kann oder sogar will."

Der erste Vortrag war der Bruderschaft zu Unserer lieben Frau gewidmet. Christian Moll als Rendant der Stiftung freute sich, seinen historischen Abriss über eine der bekanntesten Gocher Stiftungen vor einer großen Gruppe Interessierter vortragen zu können. Platz fanden alle im Speisesaal des Altenheims, das den Namen der Bruderschaft trägt: Zu Unserer lieben Frau. Von 1455 bis heute hat sich der Komplex an der Mühlenstraße erheblich entwickelt. Der jüngste Umbau ist erst vor Kurzem abgeschlossen worden.

Ihren Ursprung hat die Stiftung in der Wollweberzunft, die Goch vom 13. bis zum 16. Jahrhundert einen gewissen Wohlstand bescherte. "Jedoch längst nicht allen Menschen", erklärte Moll, denn neben den "Betuchten" habe es eine Unterschicht gegeben, derer sich die Gilden und Bruderschaften annahmen. Schon seit 1329 hatte es ein "Wüllenamt" gegeben, dem vier Werkmeister und zwölf Geschworene angehörten. Diese leisteten caritative Dienste, organisierten zum Beispiel eine Armenspeisung. "Nicht unbedingt aus Gutherzigkeit, sondern wohl auch, um sich nach mittelalterlicher Vorstellung einen besseren Platz im Himmel zu sichern", merkte der Rendant schmunzelnd an.

Jenken Gerligs war 1455 die Stifterin des "Männerhauses an der Mühlenstraße, ein Haus an der Schmiedestraße kam bald dazu - das ,Frauenhaus'". Wüllenamt und Liebfrauen-Bruderschaft wurden eins und existieren bis heute: als 16-köpfiges Provisoren-Kollegium. Der jeweilige Rendant wird immer für zwei Jahre gewählt, der Stellvertreter wird automatisch Nachfolger. Das Altenheim wird seit 2005 als GmbH geführt, blieb aber autonom und seinen eigenen Regeln verpflichtet. Die Vielfalt der Perspektiven, die sich aus den unterschiedlichen beruflichen Hintergründen der Provisoren ergeben, sei ein Glücksfall, meint Moll.

"Sieben Häuser, ein Konzept" hat die Bruderschaft heute aufzuweisen. Neubauten entstanden 1968 und 1973, ein weiteres an der Picardie 1988. Zahlreiche Sanierungen und Umbauten sorgten dafür, dass die Wohnsituation der alten, heute meist pflegebedürftigen Menschen immer zeitgemäß war. Ein besserer Personalschlüssel, als ihn der Kostenträger vorsehe, und viele ehrenamtliche Helfer sorgten dafür, dass das Altenheim Zu Unserer lieben Frau einen ausgezeichneten Ruf habe.

Norbert Lamers, seit 30 Jahren Leiter der Einrichtung, berichtete den Gästen im Anschluss vom heutigen Betrieb der Einrichtung.

Quelle: RP
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