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Goch
Wenn Kriegsgräber Geschichte erzählen

Goch: Wenn Kriegsgräber Geschichte erzählen
Das Mahnmal aus drei großen Steinkreuzen erinnert auf der Weezer Kriegsgräberstätte an die Gefallenen des 2. Weltkrieges. FOTO: Jürgen Venn
Goch. Die Kriegsgräberstätte in Weeze ist der Ruheort für viele Opfer. Dank einer neuen Audiotour kann man nun in ihre Welt eintauchen. Denn ein Team von Autoren und Theaterfachleuten hat Briefe aus dem 2. Weltkrieg zum Leben erweckt. Von Christoph Kellerbach

"Die Kriegsgräberstätte ist hier am Ort nicht zufällig. Denn hier ist die Front verlaufen. Hier war es, wo zahlreiche Menschen ihr Leben verloren haben." Daran erinnerte Weezes Bürgermeister Ulrich Francken auf dem Friedhof, als das Projekt "Aufrecht gehen" seine Premiere hatte. Erstellt wurde es durch die Initiative der Stiftung Laudio in Zusammenarbeit mit "Interreg Deutschland Niederlande" und "Euregio".

Den Ereignissen des 2. Weltkrieges kann man auf dem Areal der Kriegsgräberstätte mittels einer Audiotour nachspüren. FOTO: Evers

Mit verschiedenen Theaterschauspielern und Kindern aus der Gemeinde Weeze wurde eine Audiotour aufgenommen, um so einmal auf ganz neue Art die Kriegsgräberstätte und deren tragische Geschichten zum Leben zu erwecken. "Autorin Annet Bremen hat viele Briefe von deutschen Soldaten gelesen, um schließlich einige der Geschichten auszuwählen, die hier präsentiert werden", erklärte Lubert Priems, der zusammen mit Amo Peeters und Theaterfachmann Christian Cadebach das für die Gemeinde Weeze exklusive Projekt auf die Beine stellte. Priems betonte: "Beim 2. Weltkrieg handelt es sich nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um unsere Zukunft. Denn unsere Freiheit ist der Sauerstoff für unser Leben."

Die Tour führt einmal über den gesamten Friedhof, angeleitet von Kinderstimmen, die den Weg weisen. Sie geben an, wie viele Schritte man gehen und zu welchen Orten man laufen soll. Und immer wieder werden die Namen der zahllosen Toten eingestreut, die hier auf der Kriegsgräberstätte bestatten wurden. Diese Zwischensegmente leiten schließlich zu den eigentlichen Erzählungen über und wirken sphärisch.

Die Angst vor dem nahenden Tod, die frustrierte Ohnmacht über das Sterben der eigenen Kinder und die verzweifelten Emotionen, die das endlose Sterben begleiten: Die Briefauszüge und Worte aus vergangenen Tagen haben eine absolut packende Wucht. Manche Sätze wie "Die Kugeln singen, als wollten sie, dass wir sterben" bleiben lange im Gedächtnis hängen. Erst recht, wenn man sie eben direkt auf der Kriegsgräberstätte hört. Die gesamte Audiotour ist so interessant wie bedrückend. Von nun an kann und vor allem sollte ein Jeder sich zumindest einmal diesem Erlebnis stellen. Denn auf www.aufrechtgehen.eu kann man eine kostenlose App herunterladen, um die emotionale Audiotour einmal mitzuerleben. Weitere Aktionen für Schulklassen und Menschen ohne Smartphones sind ebenfalls in Planung.

Quelle: RP
 
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