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Mittelalterlicher Ostermarkt in Goch
Die Schlacht um Graefenthal

Wie der mittelalterliche Ostermarkt in Goch am Kloster Graefenthal war
Das ehemalige Kloster in Goch. FOTO: KDS
Goch. Zu den Höhepunkten des mittelalterlichen Ostermarktes in Asperden gehörten die Vollkontakt-Schaukämpfe der Ritter. In ihren Heerlagern zeigten sie das Leben von damals, Musiker und Gaukler rundeten die Zeitreise ab. Von Jens Helmus

Weihrauch zieht über das Feld vor dem Kloster Graefenthal. Ein Feldkaplan segnet das gut 50 Ritter starke Verteidigungsheer, das sich vor dem Asperdener Klostergut formiert hat. Die Stimmung ist angespannt. Trommeln, Dudelsäcke und klirrende Waffen des heranrückenden Gegners sind bereits von Weitem zu hören.

Im Anmarsch ist Herr von Gersdorff, ein berüchtigter Raubritter, der mit seinem Angriffsheer das Kloster Graefenthal erobern will. Der Herold, der die bevorstehende Schlacht für den umstehenden Pöbel kommentiert, bemerkt die "grimmige Entschlossenheit" in den Gesichtern der Angreifer.

Die Verhandlung der beiden Heerführer verläuft kurz und beinhaltet mehr Pöbeleien als friedliche Lösungsvorschläge. Die Schlacht ist nicht mehr abzuwenden - ein kurzes Handzeichen, und schon schlagen Pfeile und Ballistageschosse in den Reihen der Angreifer ein. Die Heere stürmen los: Erst die Flanken - am Ende schlagen mehr als 100 Ritter in voller Rüstung aufeinander ein. Schwerter prallen auf Kettenhemden, Hellebarden beulen massive Stahlhelme ein. Ritter um Ritter gehen zu Boden. Am Ende können die Verteidiger des Klosters das Eroberungsheer nur dank überlegener Artillerie knapp abwehren.

"Viele Mütter werden heute ihre Söhne beweinen müssen", sagt der Herold, der im richtigen Leben Uwe Schneevoigt heißt und früher mal Beleuchtungsinstallateur war. Schneevoigt ist ein sogenannter "Reenactor", genauso wie die anderen Ritter, die sich zu Ostern in Asperden bekriegten. Trauern müssen die Mütter der "Reenactors" aber üblicherweise nicht, denn die Waffen, mit denen sich die mittelalterlichen Krieger bekämpfen, sind stumpf.

Mit Blessuren ist dennoch zu rechnen, und auch Gehirnerschütterungen und andere Verletzungen sind nicht selten, wenn die zwar stumpfen, aber dennoch stählernen Waffen auf Helm oder Rüstung krachen. "Was sie hier sehen, ist kein Schaukampf, sondern Vollkontakt", sagt Schneevoigt, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und mit mittelalterlicher Kleidung und Ausrüstung handelt.

Die Atmosphäre, die Schneevoigt und mehr als tausend weitere Mittelalter-Liebhaber in Asperden verbreiten, ist bemerkenswert. Gelagert wird nach mittelalterlichem Standard im Zelt, auch Kleidung und Nahrung sind zeitgemäß. Wer mit rotem Haupthaar auf dem Klostergelände erscheint, der wird auch schon mal als Hexe mit dem Scheiterhaufen bedroht.

Drei Tage lang - von Karsamstag bis Ostermontag - campierten die Mittelalterfreunde in Asperden und boten ein vielfältiges Programm für die Besucher: Neben heftigen Schlachten gab es derbe Gaukelei vom Narren Kai, Musik mit historischen Instrumenten, Tanzaufführungen, Waffendemonstrationen und allerlei Mittelalterliches für Magen und Kehle. Vor allem aber war es wieder die Leidenschaft der Teilnehmer, die zu einer tollen Atmosphäre in Asperden beigetragen hat.

Die Schlacht um Graefenthal ist vorerst beendet. Nun können sich die Heere bis zum 15. September erst einmal ausruhen. Dann gibt es wieder das Graefenthal-Spektakel.

Quelle: RP
 
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