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Goch/Kevelaer
Wieder ein Geldautomat gesprengt

Geldautomat in Kevelaer gesprengt
Geldautomat in Kevelaer gesprengt FOTO: Guido Schulmann
Goch/Kevelaer. Jetzt ist auch die Volksbank-Filiale überfallen worden. Erneut gingen die Täter nach dem bekannten Muster vor: Sie leiteten Gas ein und lösten eine Explosion aus. Die Unbekannten rasten mit zwei Wagen davon und sind flüchtig. Von Sebastian Latzel

Martin Kehren wohnt nur knapp 50 Meter von der Volksbankfiliale entfernt. Als er nachts gegen 3 Uhr wach wurde, merkte er gleich, dass etwas passiert sein musste. "Da war Blaulicht zu sehen und es roch ganz verbrannt", erzählt der 64-Jährige aus Twisteden, der sich wie viele andere aus dem Ort gestern Morgen den Schaden an der Volksbank aus der Nähe ansah. Der Eingang ist ein Bild der Verwüstung. Fenster sind zerborsten, der Geldautomat ist in seine Einzelteile zerlegt. Wer das Ausmaß des Schadens sieht, ist froh, dass niemand verletzt wurde.

Gut sieben Stunden zuvor hatten bislang unbekannte Täter den Automaten in die Luft gesprengt. Nach Angaben der Polizei hatten die Kriminellen Gas eingeleitet und zur Explosion gebracht. Zeugen hatten den lauten Knall gehört und sahen noch, dass zwei Autos mit hoher Geschwindigkeit Richtung Lüllingen davonrasten. Bei den Fahrzeugen soll es sich um einen dunklen Pkw, vermutlich Audi A4, und einen silberfarbenen Wagen, ähnlich Audi A6 oder Mercedes E-Klasse, gehandelt haben.

Von dem Knall hat Heinz Steegmann nichts gehört. Auch er wohnt ganz in der Nähe. "Natürlich macht man sich jetzt so seine Gedanken und ist beunruhigt, wenn so etwas hier bei uns im Ort passiert", sagt der 76-Jährige.

"Die Welt wird immer verrückter", sagt Martin Kehren. Gerade nach den Anschlägen in Paris bekomme man bei Explosionen ein ganz komisches Gefühl. Ein Mann, der direkt über der Volksbank wohnt, war bei dem Überfall nicht zuhause. Sein Bruder war aber schon in der Nacht vor Ort und hat Fotos gemacht. Auf denen ist zu sehen, dass hinten sogar Risse in der Wand sind. "Das muss eine Riesenexplosion gewesen sein", vermutet er. Die Polizei geht auf jeden Fall von einem hohen Sachschaden aus. Ob die Täter Beute machten, dazu machen weder Polizei noch Vertreter der Volksbank Angaben. "Fest steht, dass wir erhebliche Bauschäden an der Filiale haben", sagt Klaus Wessels, Prokurist der Volksbank an der Niers. Die Zweigstelle wird jetzt erst einmal bis zum Wochenende geschlossen. Ein Statiker soll sich das Haus genau ansehen und dann entscheiden, was getan werden muss. Momentan geht Wessels davon aus, dass in der nächsten Woche wieder geöffnet werden kann. Eventuell soll der Zugang dann über den hinteren Teil des Gebäudes erfolgen. Für Fragen der Kunden seien zwei Mitarbeiter der Volksbank in der Filiale vor Ort. "Auch unsere Angestellten sind geschockt. Natürlich bekommst du mit, dass es schon eine Reihe von Sprengungen in der Umgebung gab, aber keiner rechnet dann damit, dass es in deiner Filiale passiert", sagt Wessels.

Wie berichtet, gab es in den letzten Wochen 44 Sprengungen von Geldautomaten. Das Landeskriminalamt hat eine Ermittlungskommission eingesetzt. Die Täter gehen fast immer nach dem gleichen Muster vor. Sie sprengen Automaten und machen sich dann in dunklen Pkw meist über die Grenze aus dem Staub. Die Schäden summieren sich laut Landeskriminalamt auf mehrere Millionen Euro.

Auch die Volksbank an der Niers war bereits Opfer. 2013 war ein Automat in Goch-Pfalzdorf gesprengt worden. Vor kurzem scheiterten die Täter bei dem Versuch, einen Automaten im Hagebaumarkt in Goch auszurauben. Nach den Vorfällen plant auch die Volksbank an der Niers, ihre Selbstbedienungsbereiche nachts zu schließen. Die Sparkassen der Umgebung hatten sich zu dem Schritt bereits entschieden, nachdem viele Filialen des Geldinstitutes überfallen worden waren.

Die Polizei sucht jetzt Zeugen. Wer etwas beobachtet hat, sollte sich an die Kripo unter der Nummer 02824 880 wenden.

Quelle: RP
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