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Goch/Kleve
Wildwarnanlage defekt - mehr Unfälle

Goch/Kleve: Wildwarnanlage defekt - mehr Unfälle
Die Wildwarnanlage an der Grunewaldstraße zeigt derzeit dauerhaft ein Tempolimit von 70 km/h an. Dadurch soll vermieden werden, dass Verkehrsteilnehmer sich in "tödlicher Sicherheit" wiegen. FOTO: Gottfried Evers
Goch/Kleve. Seit einem Unfall im Januar 2014 ist die Pilotprojekt-Anlage an der L 484 außer Betrieb. Unklare Versicherungsfragen und Lieferprobleme für Ersatzteile sind Ursachen für die lange Reparaturzeit. Zahl der Unfälle stieg seither stark an. Von Dieter Dormann

Die Inbetriebnahme der elektronischen Wildwarnanlage an der Grunewaldstraße zwischen Kleve-Materborn und Goch-Kessel (Landstraße 484) - der ersten ihrer Art in Nordrhein-Westfalen - war im Oktober 2007 groß gefeiert worden. Zahlreiche Prominente vom damaligen NRW-Umweltminister Eckhart Uhlenberg bis hin zum Landrat des Kreises Kleve, Wolfgang Spreen, sowie andere führende Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik und Forstwirtschaft waren zu der Vorstellung des Pilotprojektes erschienen.

Die Anlage machte mit Hilfe von Infrarot-Lichtschranken Verkehrsteilnehmer auf Wildwechsel (vor allem Reh- und Schwarzwild) aufmerksam. Durchbrach ein Tier die Lichtschranken, um die Straße zu überqueren, löste die Anlage auf einer Länge von 1100 Metern auf vier Warntafeln das Zeichen "50 km/h" aus.

Doch seit dem 9. Januar des vergangenen Jahres ist die Pilotanlage "außer Betrieb". Ursache ist ein Unfall, der sich an diesem Tag gegen 17.50 Uhr ereignet hatte. Eine 21 Jahre alte Polin war damals mit ihrem Audi A 3 laut der Polizei aus ungeklärter Ursache von der feuchten Fahrbahn abgekommen und hatte mit ihrem Fahrzeug Teile der Wildwarnanlage zerstört.

Auch mehr als ein Jahr nach diesem Unfall ist die Pilotanlage immer noch nicht wieder funktionstüchtig. Zum einen waren die Verhandlungen mit der Versicherung der polnischen Unfallverursacherin laut dem stellvertretenden Forstamtsleiter Niederrhein, Hanns-Karl Ganser, schwierig und langwierig. Der an der Anlage entstandenen Schaden betrug laut Hanns-Karl Ganser gemäß einem Gutachten etwa 20 000 Euro. Da das Forstamt die Reparatur nutzen wollte, um Verbesserungen an der Anlage einzubauen, die die Reparaturkosten um etwa 6000 Euro erhöht hätten, sei es zu "Konflikten" mit der Versicherung gekommen - obwohl klar gewesen sei, dass das Forstamt diese Mehrkosten bezahlen werde.

Ein weiterer Grund dafür, warum die Anlage auch ein Jahr nach dem Unfall noch defekt ist, ist die Tatsache, dass für die Reparatur benötigte Platinen bislang noch nicht geliefert werden konnten. Da es sich bei der Anlage um ein Pilotprojekt handelt, ist es für den Leiter des Forstamtes Niederrhein, Otto Poell, in gewisser Weise nachvollziehbar, dass Ersatzteile dafür nicht so einfach und schnell zu besorgen seien. "Die Firma produziert immer eine gewisse Anzahl der Platinen - erst wenn diese verkauft sind, werden neue hergestellt", sagt der Forstamtsleiter.

Doch die Verzögerungen der Reparatur sind nicht nur wegen des Zeitverlustes "ärgerlich". Der Ausfall der Anlage hat schwerwiegendere Folgen: Es kommt seither wieder zu zahlreichen Wildunfällen. War es vor Inbetriebnahme der Warnanlage pro Jahr auf der Strecke zu 20 bis 30 Wildunfällen gekommen, so sank die Zahl dieser Unfälle laut dem stellvertretender Forstamtsleiter Niederrhein, Hanns-Karl Ganser, nach der Inbetriebnahme der Warnanlage "gegen Null".

Im vergangenen Jahr - als die Anlage defekt war - erhöhte sich die Zahl der Unfälle jedoch wieder drastisch. 2014 musste die Polizei dort 21 Verkehrsunfälle mit Wildtieren registrieren. Im Jahr zuvor - mit intakter Anlage - waren es lediglich vier gewesen.

Die Statistik zeigt nach Einschätzung sowohl der Klever Polizei und der Mitarbeiter des Forstamtes Niederrhein deutlich, wie sinnvoll die Pilotanlage zur Vermeidung von Wildunfällen ist. "Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Anlage bald möglichst wieder in Betrieb genommen werden kann", erklärte eine Polizeisprecherin dazu. Diesen Wunsch hegt auch Hanns-Karl Ganser. "Wir erwarten die noch fehlenden Platinen praktisch täglich", berichtet der stellvertretende Leiter des Forstamtes Niederrhein.

Damit es bis dahin zu möglichst wenig Unfällen mit Wildschweinen und Rehwild auf der Grunewaldstraße kommt, hat das Forstamt "Notmaßnahmen" ergriffen: Die Warnschilder zeigen dauerhaft ein Tempo-Limit von 70 km/h an. Zudem weisen Schilder daraufhin, dass die Anlage außer Betrieb ist. Dadurch soll laut Hanns-Karl Ganser verhindert werden, dass Autofahrer denken, die Pilotanlage würde sie warnen, wenn Wild die Fahrbahn kreuze. "Damit würden sie sich in tödlicher Sicherheit wägen."

Quelle: RP
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