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Goch-Kessel
Wind entzweit Kessel und Kranenburg

Goch-Kessel: Wind entzweit Kessel und Kranenburg
So viele Windräder sind im Reichswald nicht geplant. Doch wenn man vom rechten Bildrand anfängt zwölf Anlagen abzuzählen, bekommt man etwa einen Eindruck von dem Windpark, der am Kartenspielerweg entstehen könnte. FOTO: privat
Goch-Kessel. Großteil der Kesseler Bürger möchte keinen Windpark am Kartenspielerweg, näher an Kessel als an Kranenburg. Stadtwerke Goch könnten sich über die EVK an einem Windpark beteiligen. Rat Goch würde in jedem Fall gefragt. Von Anja Settnik

/ kranenburg Mit einiger Sicherheit darf angenommen werden, dass die mehr als 100 Bürger, die der Einladung des Heimat- und Verkehrsvereins Kessel folgten, noch viele Gleichgesinnte in ihrer Ortschaft haben: Die Kesseler wollen nicht, dass eine Reihe riesiger Windkraftanlagen mitten im Wald - am Kartenspielerweg - entsteht. Bekanntlich hat die Nachbargemeinde Kranenburg ihren Flächennutzungsplan geändert, um eine Konzentrationsfläche für Windenergie ausweisen zu können. Ob und in welcher Größenordnung tatsächlich "Windmühlen" im Wald errichtet werden, steht noch in den Sternen. Jede einzelne der 200 Meter in den Himmel ragenden "Mühlen" muss ja genehmigt werden, was umfassende Prüfungen voraussetzt.

Auch in Kranenburg sind keinesfalls alle Ratsmitglieder für die Planung; selbst aus der CDU-Mehrheitsfraktion gab es Nein-Stimmen und Enthaltungen - eine kam gar von Bürgermeister Günter Steins. Der im Gespräch mit der Rheinischen Post aber freimütig zugab, dass er sich - ebenso wie die SPD-Kontrahentin - im Wahlkampf in diesem wichtigen Thema neutral zeigen wollte. Für die Gegner des Projekts ist Steins aber ganz klar ein Befürworter, wenn nicht der Motor des Projekts.

Kranenburgs Bürgermeister Steins (CDU, vorne li.) kämpft für den Windpark im Reichswald - Gochs CDU-Bürgermeisterkandidat van Baal (3. v. l.) dagegen.

Obwohl als CDU-Mitglied und konservativer Bürgermeisterkandidat "Parteifreund" des Kranenburgers, positioniert sich Heinz van Baal anders. Er lebt selbst in Kessel und ist Vorstandsmitglied des Heimatvereins. "Ich persönlich möchte keine Windkraftanlagen im Reichswald, und das habe ich Günter Steins auch gesagt", so van Baal. Schließlich würden die riesigen Windräder direkt am Ortsrand von Kessel stehen und deutlich mehr die Kesseler als die Kranenburger stören. Zwölf Anlagen, die sich weit über die Baumgrenze erheben, seien keine schöne Vorstellung. Und wie viele Bäume abgeholzt werden müssten . . .

Steins wirft dem Aktionsbündnis gegen Wind und vielen pauschalen Protestlern vor, zu dramatisieren. "Maximal müssten zehn von 5000 Hektar Wald abgeholzt werden, zudem Nadelwald, für den ein höherwertiger Mischwald wieder aufgeforstet würde. Sehen Sie sich doch mal an, wie viele Holzstapel dort immer zur Abholung bereit liegen: Wir reden von einem Wirtschaftswald, nicht von einem ökologisch besonders wertvollen Urwald", fügt Steins hinzu.

Bernd Thönnesen, Vorsitzender des Kesseler Heimatvereins, hat für nüchternen Austausch von Argumenten viel übrig. "Es gab bei unserer Veranstaltung keinen Krawall, sondern ein sachliches Pro und Kontra." Dass "auf dem letzten Meter Kranenburger Gebiets" den Kesseler Bürgern die Sicht auf die Landschaft versperrt werden soll, stoße allerdings auf erhebliche Ablehnung. Thönnesen verweist auf die Möglichkeit, die Petition der Bürgerinitiative zu unterschreiben oder die Offenlage in Kranenburg für Eingaben zu nutzen.

Bei Kessel denken Gocher an Nergena und an das Wasserwerk Scheidal. Betrieben wird es von den Stadtwerken Goch. Haben die nicht Interesse an der regenerativen Energie aus dem Wald? Schließlich halten die Stadtwerke die Mehrheit an der Energieversorgung Kranenburg (EVK), die von der ABO Wind das Angebot hat, sich am Windpark im Wald zu beteiligen. Stadtwerke-Geschäftsführer Carlo Marks versichert jedoch im RP-Gespräch, das Angebot sei noch nicht hinreichend konkretisiert, um es der Politik vorzustellen. "Ich weiß auch noch nicht, ob ich eine Empfehlung aussprechen würde", sagt Marks. Wenn schon der CDU-Bürgermeisterkandidat gegen das Projekt ist . . .

Eines sagt Carlo Marks aber ganz klar: "Auch ohne die Beteiligung der Stadtwerke Goch würde ABO Wind das Projekt nicht aufgeben." Verhindern könnten es die Gocher kaum.

Quelle: RP
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