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Goch-Nierswalde
Windkrafträder gegen Bürgerwillen

Goch-Nierswalde: Windkrafträder gegen Bürgerwillen
Das Thema Windkraft am und im Reichswald mobilisiert die Bürger. Etwa 200 Interessierte kamen zur Info-Veranstaltung ins Nierswalder Bürgerhaus. FOTO: Evers, Gottfried
Goch-Nierswalde. Die Initiative "Gegenwind im Reichswald" hat bei einer Bürgerversammlung in Nierswalde kritisch über die Windkraftpläne in Goch und Kleve informiert. Zusammen mit den Heimatvereinen fordert man weiter zum Protest auf. Von Jens Helmus

Das Thema Windkraft erhitzt in Goch und Kleve weiterhin die Gemüter. Zwar wurde die Bauzone für Windkraftanlagen entlang des Kartenspielerwegs in Kranenburg mittlerweile aus dem Regionalplan gestrichen. Und auch das Wiesbadener Windkraft-Unternehmen Abo Wind, das zwölf Anlagen am Kartenspielerweg geplant hatte, zog seine Klage gegen die Regionalplanänderung kürzlich zurück.

Für die Windkraft-Gegner ist die Änderung des Regionalplanes aber allenfalls ein Teilerfolg, denn die Grenzen des Reichswaldes sind mit ausgeschriebenen Zonen in Nierswalde (bis zu sechs Anlagen) und Reichswalde (bis zu drei Anlagen) weiterhin in Gefahr. Am Donnerstagabend luden die Windkraft-Gegner um den Verein Gegenwind im Reichswald e.V. zur Bürgerversammlung in die Nierswalder Mehrzweckhalle ein.

Knapp 200 Besucher konnte der Vorsitzende des Nierswalder Heimatvereins, Gerd Engler, mit deutlichen Worten begrüßen: "Wir sind gegen die Windkraft am Reichswald, weil wir nichts haben außer Natur. Gerade die Gegend um die Berliner Straße ist bei Radfahrern sehr beliebt. Die unverbaute Natur ist in Gefahr, weil dort riesige - ich betone, riesige - Anlagen errichtet werden sollen", so Engler, dessen Verein sich gemeinsam mit weiteren hiesigen Heimatvereinen und Gegenwind e.V. gegen die Windkraftanlagen engagiert.

Wie riesig die Anlagen am Reichswald werden könnten, machte Gegenwind-Mitglied Alexander Schramm mit einem eindringlichen Vortrag deutlich: "Bis zu 236 Meter ragt die aktuelle Windrad-Generation in die Höhe, hinzu kommt ein bis zu 20 Meter tiefes Fundament." Die Folge: eine optische "Verspargelung" der Landschaft mit einem Schattenwurf von bis zu anderthalb Kilometern - sowie ein nächtlicher "Disco-Effekt" durch die Leuchtsignale der Anlagen.

Die Folgen gingen aber weit über die optische Veränderung der Landschaft hinaus, wie Schramm betonte: Hunderte Lastkraftwagen und Schwertransporte würden Verkehr und Erdreich belasten, der Bau mache Waldrodungen notwendig. Wald und Tierreich würden durch die vorgesehenen Anlagen bedroht, und auch der Mensch könne durch den hörbaren und nicht-hörbaren Schall der Windkrafträder körperliche und psychische Schäden erleiden. "Es trifft nicht jeden - aber es gibt reichlich Menschen, die wegen der gesundheitlichen Auswirkungen ihre Schlafzimmer in den Keller verlegen oder ihre Höfe in Richtung Innenstadt verlassen", erklärt Schramm. Nicht zuletzt drohe Anwohnern ein Verfall der Immobilienpreise - bis zu 70 Prozent seien dokumentiert. "Das ist ein massiver Eingriff in private Vermögenswerte."

Um den Bau der Windkraftanlagen in Nierswalde und Reichswalde zu verhindern, bitten die engagierten Vereine um breite Unterstützung aus der Bevölkerung: "Schreiben sie eine Stellungnahme an die Bezirksregierung oder Politiker, wenn sie gegen die Beschädigung des Reichswaldes durch Windkraftanlagen sind. Das kostet sie eine halbe Stunde, sichert aber langfristig ihre Lebensqualität", so Schramm.

Argumente gegen die Windkraft an diesen Stellen liefert der Verein Gegenwind auf seiner Internetseite "http://www.gegenwindreichswald.eu" reichlich, bietet zudem gemeinsam mit den Heimatvereinen Formulierungshilfen für Bürger-Stellungnahmen an. Überzeugungsarbeit gelte es vor allem bei der Bezirksregierung zu leisten, aber auch die Stadt Kleve habe sich im vergangenen Bauausschuss nicht gegen die Windkraftpläne positioniert, stellt Gegenwind-Mitglied Bettina van Meegen fest - und appelliert deshalb an die Bürger: "Wir rufen jeden zum Protest auf, dem der Reichswald am Herzen liegt. Der Wald muss unter Naturschutz gestellt und dauerhaft geschützt werden, unabhängig von politischen Entwicklungen."

Quelle: RP
 
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