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Goch
"Wir sind auf einem guten Weg"

Goch: "Wir sind auf einem guten Weg"
FOTO: Evers Gottfried
Goch. Seit einem Jahr ist Ulrich Knickrehm Bürgermeister der Stadt Goch, aus dem einstigen Oppositionsführer ist der Verwaltungschef geworden. Seine Bilanz der vergangenen zwölf Monate fällt positiv aus. Von Michael Baers

goch An diesem Nachmittag ist es ruhig im Rathaus. Entweder wird überall hochkonzentriert gearbeitet, oder viele haben den Brückentag zu einem verlängerten Wochenende genutzt. Ulrich Knickrehm gehört nicht dazu. An Halloween, dem Tag vor Allerheiligen, lädt er zur Jahresbilanz in sein Büro und dabei herrscht weder Grabesstimmung noch gibt es Grund zum Gruseln. Im Gegenteil. Gleich zu Beginn des Gesprächs macht Knickrehm deutlich, dass sich an der grundsätzlichen Begeisterung, die er auch schon bei der 100-Tage-Bilanz Anfang Februar demonstriert hatte, nichts geändert hat. "Um es kurz zu sagen, es war eine schöne Zeit", so Knickrehm.

Von Anfang an habe er versucht, wie angekündigt seinen "eigenen Stil" umzusetzen. Das haben nicht nur die Mitarbeiter der Verwaltung gemerkt. Denn besonders wichtig sind Knickrehm nach wie vor die Termine mit den Bürgern. Und davon gebe es einige, so der Verwaltungschef. "Das füllt einen dann schon sehr aus", sagt Knickrehm mit Blick auf den vollen Kalender. Geburtstage, Vereinstreffen, Jubiläen, Eröffnungen, Schützenfeste, Kirmes und natürlich Karneval - da kommen einige Einträge zusammen. Zusätzlich hat Knickrehm die Bürgersprechstunde eingeführt, bei der Gocher jeden Monat zu ihm kommen können, um von ihren Anliegen zu berichten. Das ist dann insgesamt schon ziemlich viel Volksnähe. Mehr Präsenz auf jeden Fall, als sein Vorgänger - insbesondere gegen Ende dessen Amtszeit - zeigte. Das würde Knickrehm aber natürlich nie selbst so sagen. Diplomatisch wiegelt er ab: "Das zu beurteilen maße ich mir nicht an."

Im Bürgermeisterbüro oberhalb des Marktplatzes zog Ulrich Knickrehm (60) seine erste Jahresbilanz. FOTO: GOTTFRIED EVERS

Deutlicher wird der 60-Jährige beim Stichwort Haushalt 2016. Schließlich war er es als BFG-Frontmann, der insbesondere die CDU jahrelang mit dem Thema Haushaltskonsolidierung vor sich hertrieb. "Strukturelles Defizit" lautete damals sein häufigster Anklagepunkt.

Im Januar dieses Jahres war es dann so weit. Nach wochenlanger Vorbereitung und unzähligen Gesprächen vor allem mit Kämmerin Bettina Gansen stellte die Verwaltung unter dem neuen Chef den Haushalt vor. "Dieser Haushalt war ausgeglichen und das sollte auch die politische Botschaft sein", sagt Knickrehm heute. Doch es kam, wie es für einen Bürgermeister ohne eigene Mehrheit im Rat kommen musste. Die Konstellation, die er kurz zuvor noch optimistisch als "Chance zu neuer Diskussionsbereitschaft" bezeichnet hatte, führte dazu, dass wesentliche Vorschläge geändert oder gestrichen wurden (Grundsteuererhöhung, Wegfall des Stadtbaurat-Postens, etc.). Das vom einstigen Oppositionsführer angemahnte "strukturelle Defizit" gilt folglich auch für den ersten Haushalt des Bürgermeisters Knickrehm. Die ursprünglichen Änderungen und Einschnitte vorzuschlagen habe "Überwindung gekostet, daher war es am Ende schon enttäuschend", so Knickrehm heute. Am Ende der Abstimmung hatte das BFG dagegen gestimmt, Knickrehm selbst hatte sich enthalten.

Positiver fällt seine Bilanz beim Thema Flüchtlinge aus. Nicht zuletzt dank der gesunkenen Zuweisungen sei die Fortsetzung der dezentralen Unterbringung möglich gewesen, die umgebaute Liebfrauenkirche habe beispielsweise nie wie geplant zum Einsatz kommen müssen. Die Notunterkunft an der Marienwasserstraße, die für das Land eingerichtet worden war, sei ebenfalls in diesen Tagen wieder der Stadt übergeben worden. Gespräche für eine Folgenutzung würden derzeit geführt. Auch der Runde Tisch habe mit seinen vielen Angeboten "tolle Arbeit" geleistet. "Insgesamt können wir da ganz zufrieden sein."

Aktuell liege der Fokus seiner Bemühungen bereits auf dem nächsten Haushalt. Wichtig sei aber auch, der Stadt "ein positiveres Image zu geben". Zu oft sei man zu schnell dabei, die Dinge in Goch schlecht zu reden. Wie etwa bei den Leerständen oder den Parkgebühren in der Innenstadt. Erstere seien keineswegs Goch-spezifisch, sondern "überall ein Thema". Dass die Fußgängerzone selbst aber sehr schön und auch gut bestückt sei, werde dabei häufig übersehen. Das falle dann immer nur den auswärtigen Gästen auf. Selbst die Parkgebühren hätten ihre Vorteile. Bei seinen Begegnungen mit Bürgern höre er immer wieder, dass sie sich darüber freuen, dass nun immer Stellflächen in der Innenstadt frei seien, so Knickrehm.

Parkplätze, die vielleicht schon im nächsten Jahr von den Besuchern des Hauses zu den fünf Ringen genutzt werden könnten. Denn diesbezüglich werde mit dem Heimatverein an einem Nutzungskonzept gearbeitet. "Da sind wir auf einem guten Weg", sagt Knickrehm abschließend und trifft damit auch die allgemeine Einschätzung seines ersten Amtsjahres.

Quelle: RP
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