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Grevenbroich
Ärzte reagieren auf den Termindruck

Grevenbroich: Ärzte reagieren auf den Termindruck
Facharzt Dr. Jürgen Esser (57) gehört zum Team des Zentrums für Radiologie und Nuklearmedizin in Grevenbroich. In Zukunft soll keiner seiner Patienten länger als vier Wochen auf einen Termin warten müssen. FOTO: lothar berns
Grevenbroich. Die Zentren für Radiologie und Nuklearmedizin in den Kreiskrankenhäusern verlängern ihre Öffnungszeiten um bis zu 33 Stunden pro Woche. Hintergrund ist ein neues Gesetz, das Patienten zeitnah Facharzt-Termine garantieren soll. Von Christian Kandzorra

Noch streiten sich die Politiker in Detailfragen mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Doch fest steht: Am 23. Januar tritt ein neues Gesetz in Kraft, das Patienten garantieren soll, innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen. Das hat der Bundestag im Juni beschlossen. Der Grund: Manche Patienten müssen monatelang auf einen Arzttermin warten - trotz Schmerzen, trotz Ungewissheit über ihren Gesundheitszustand.

Einen gewaltigen Termindruck haben auch die Fachärzte in den Zentren für Radiologie und Nuklearmedizin in den Kreis-Krankenhäusern Grevenbroich und Dormagen. "Vormittags rufen bis zu 240 Menschen pro Stunde bei uns an. Die meisten wollen einen Termin vereinbaren", sagt Professor Lutz Freudenberg. Der Radiologe bestätigt: "Bei uns müssen Patienten auch bis zu drei Monate auf einen Termin warten." Die Mediziner wollen jetzt kräftig gegensteuern: Sie zählen zu den ersten in der Region, die ihre Öffnungszeiten deutlich verlängern. "Und zwar an beiden Standorten. Zudem stellen wir zwei zusätzliche Fachärzte ein", sagt Lutz Freudenberg.

Das Zentrum in Grevenbroich verlängert seine Öffnungszeiten um insgesamt 33 Stunden und hat ab Januar unter der Woche von 8 bis 22 Uhr sowie zusätzlich samstags von 8 bis 16 Uhr geöffnet. In Dormagen verlängern sich die Öffnungszeiten um 25 Stunden, weil das dortige Zentrum bereits samstags geöffnet hat. Die zusätzlichen Stunden sollen in erster Linie den Patienten zugute kommen, bei denen eine sogenannte Magnetresonanztomographie (kurz MRT) gemacht werden muss. "Dabei können wir ein 3D-Bild des Patienten erstellen und uns seinen Körper virtuell in Scheiben geschnitten genau ansehen", erklärt Professor Freudenberg.

Der Patient fährt dafür in eine Röhre und wird magnetisch gescannt. "Zum Einsatz kommt dieses Verfahren zum Beispiel bei Bandscheibenvorfällen, Schulter- und Rückenschmerzen oder Gehirnuntersuchungen", sagt der Mediziner. Zudem könnten auch Tumore erkannt und Schlaganfall-Patienten genau untersucht werden. In diesem Jahr haben die Mediziner rund 13.000 dieser MRT-Untersuchungen durchführt. "Wir rechnen damit, dass die Zahl durch die längeren Öffnungszeiten nächstes Jahr schon auf 19.000 steigen könnte", erzählt Dr. Jürgen Esser, der wie Professor Lutz Freudenberg und Dr. Hinrich Wieder zu den Geschäftsführern der Radiologie-Zentren zählt. Insgesamt seien 2015 etwa 130.000 Menschen in Grevenbroich und Dormagen untersucht worden. "Auch diese Zahl dürfte nächstes Jahr steigen", sagt Jürgen Esser.

Alle Menschen aus dem Rhein-Kreis und den umliegenden Städten, die einen Termin in der Radiologie brauchen und die 0800er-Hotline der Mediziner anrufen, landen in ihrer Grevenbroicher Telefonzentrale. "Dort nehmen bis zu fünf Mitarbeiter die Anrufe entgegen. Bald werden wir die Zahl auf sechs aufstocken", erzählt Lutz Freudenberg. Sie sollen dann die Facharzt-Termine so legen, dass jeder Patient binnen vier Wochen vorbeikommen kann. "Notfälle behandeln wir natürlich weiterhin sofort."

Quelle: NGZ
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