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Grevenbroich
Als die KPD im Rat drittstärkste Kraft war

Grevenbroich. Eine Ausstellung in der Versandhalle auf der Stadtparkinsel thematisiert den internationalen Kommunismus. Stadtarchivar Thomas Wolff beleuchtet aber auch die KPD vor Ort, die in den 1920er Jahren drittgrößte Ratsfraktion war. Von Gundhild Tillmanns

Die Kommunisten waren in Grevenbroich in den 1920er Jahren die klassische Interessenvertretung der Arbeiterschaft - nicht die Sozialdemokraten, die es erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden. In Grevenbroich sind Kommunisten von den Nationalsozialisten verfolgt worden. Und das Grevenbroicher KPD-Mitglied Joseph Lang ist sogar ermordet worden. Daran und an vieles mehr möchte Stadtarchivar Thomas Wolff mit einer neuen Ausstellung in der Versandhalle auf der Stadtparkinsel erinnern.

Sie wird am Donnerstag eröffnet und trägt den Titel: "Der Kommunismus in seinem Zeitalter - Ausstellung zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution". Diese Wanderausstellung der "Bundesstiftung Aufarbeitung" hat Wolff auf besonderen Wunsch von Bürgermeister Klaus Krützen bestellt, der mit dieser Schau auch als ehemaliger Schulleiter eine pädagogische Absicht verfolgt. "Wir werden auch alle Schulen anschreiben und einladen", kündigt der Stadtarchivar an.

Die Wanderausstellung, die vom 12. Oktober bis 19. November gezeigt wird, besteht aus 25 Schau- und Plakattafeln, die den Kommunismus in Deutschland und anderen Ländern in den 1920er und -1930er Jahren beleuchten. Schwerpunkt ist die Erinnerung an die Oktoberevolution von 1917 - also zum 100. Jahrestag.

Um auch einen lokalen Bezug herzustellen, bereitet der Stadtarchivar zur Zeit noch Dokumente auf. Da wird es um den ermordeten Kommunisten Joseph Lang gehen, der in Grevenbroich auf dem Friedhof in der Stadtmitte beerdigt wurde. Es gibt aber auch Informationen, wie stark die Kommunisten einmal in Grevenbroich im Stadtrat vertreten waren.

Einen Großteil der Daten, die Wolff zur Verfügung hat, kann er aus der schriftlichen Hausarbeit von Sandra Noll entnehmen, die diese für ihre erste Staatsprüfung für das Lehramt der Primarstufe abgelegt hat. Der Titel der Arbeit lautete: "Das politische Leben in der Stadt Grevenbroich zwischen November 1929 und Februar 1933." Besonders aufschlussreich sind die in dieser Arbeit aufgeführten Ergebnisse der Wahlen zum Grevenbroicher Stadtrat am 15. Dezember 1930: Da erhielt die KPD 445 Stimmen und damit drei Ratssitze. Insgesamt 4608 Grevenbroicher waren wahlberechtigt, 3011 gaben ihre Stimmen ab. Das Zentrum wurde mit 1070 Stimmen die stärkste Partei und erhielt acht Ratssitze. Zweitstärkste wurde die Bürgerpartei mit 496 Stimmen und vier Sitzen, der auf Platz drei der Rangfolge aber bereits von den Kommunisten gefolgt wurde. Weit abgeschlagen war im Jahr 1930 noch die SPD in Grevenbroich, die gerade mal 165 Stimmen und damit nur einen Ratssitz erhielt. Die NSDAP war da noch schwach mit elf Stimmen und keinem Sitz im Rat. Das sollte sich bald auch in Grevenbroich dramatisch ändern, in einer Verfolgung von Kommunisten und Juden münden. Zur Hochzeit der Kommunisten in Grevenbroich gehörte auch das Wirken von Balthasar Nürnberg aus Laach, wie Sandra Noll in ihrer Arbeit ausführt. Expedient, ist bei ihm als Beruf angegeben; neben Nürnberg gehörte der Hilfsarbeiter Josef Lingweiler aus Neuenhausen und der Metallarbeiter Theodor Rüttgers aus Grevenbroich für die KPD dem Stadtrat an. Interessant dazu der Berufsvergleich: Die Ratsherren vom bürgerlich-konservativen Zentrum waren ein Fabrikbesitzer, aber auch ein Dreher und ein Arbeiter.

Neben all' dem lokalen Interesse soll die Ausstellung natürlich auch den Blick auf Blüte und Niedergang des internationalen Kommunismus lenken. Die Bundesstiftung Aufarbeitung (der SED-Diktatur) basiert bei der nun auch in Grevenbroich präsentierten Wanderausstellung auf Texten von Gerd Koenen. Er ist der Autor von Büchern, wie "Das rote Jahrzehnt", "Die großen Gesänge" oder "Das Guevara-Projekt". Thematisch befasst sich die Ausstellung mit dem Kommunismus als einer Weltbewegung, geht dem Jahr 1917 in Russland mit Revolution und Bürgerkrieg nach. "Die große Illusion - die Kommunisten und Arbeiter", ist ein Kapitel überschrieben, weitere: "Der große Terror - Traum einer finalen Säuberung", oder "Emanzipation und Eros - Frau und Sozialismus".

Quelle: NGZ
 
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