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Grevenbroich
Als Grevenbroich noch baden ging

Grevenbroich: Als Grevenbroich noch baden ging
Fünfzig Meter lang war das "Quellen-, Licht- und Luftbad", das in den 1920er Jahren in Kapellen errichtet wurde. FOTO: Sammlung Jürgen Larisch
Grevenbroich. Ein Freibad können sich die Grevenbroicher nicht mehr leisten. Dabei hat das Open-Air-Schwimmen in der Stadt so etwas wie Tradition. Schon in den 1920er Jahren wurden erste Freibäder mit großen Becken und Sprungtürmen gebaut. Von Wiljo Piel

Jürgen Larisch hat das Schwimmen erst bei der Bundeswehr gelernt. Denn nachdem ihm sein Vater im Kindesalter die ersten Züge im Schlossbad beibringen wollte, hat der Wevelinghovener erst einmal für viele Jahre die Nase voll gehabt vom kühlen Nass. "Das war heftig", erinnert er sich schmunzelnd: "Mein alter Herr hat mir die Hand unter den Bauch gelegt und mich in Sicherheit gewogen. Dann zog er sie auf einmal weg - und ich paddelte, prustete und schrie um mein Leben." Jürgen Larisch hat es danach vorgezogen, die folgenden Sommer auf der großen Liegewiese des Bades zu verbringen. "Da war es ganz nett. Vor allem, weil es dort auch viele Mädchen gab", sagt er.

Über seine Kindheit und Jugend in den 1950er und 1960er Jahren wird Jürgen Larisch am 17. August mit anderen Zeitzeugen im Grevenbroicher Museum berichten. Dabei werden im Rahmen der Wirtschaftswunder-Ausstellung ganz sicher auch die Geschichten aus dem Freibad erzählt. "Schließlich haben wir dort frühen die ganzen Ferien verbracht, um auf unseren Decken zu liegen, Blödsinn zu machen oder die ersten Freundinnen kennenzulernen", sagt Larisch.

Im Gustorfer Bruch entstand 1927 ein großes "Quellen-, Schwimm- und Sonnenbad", das viele Badegäste aus der Umgebung anlockte. FOTO: Sammlung Larisch

Heute sammelt der Wevelinghovener eifrig Postkarten und Fotografien aus alter Zeit - und er hat einige Aufnahmen in seinem Bestand, die an die alten Sommerfreuden in Grevenbroich erinnern. Dazu zählt etwa eine Aufnahme des sogenannten Quellen-, Licht- und Luftbades, das 1926 in Kapellen gebaut und mit einem Schwimmsportfest eröffnet wurde, das nicht weniger als 1200 Besucher angelockt haben soll. Gefüllt wurde das 50 Meter lange Becken mit reinem Quellwasser, das durch eine Sand- und Kiesschicht im Boden drang. Ähnlich ausgestattet war das Quellen-, Schwimm- und Sonnenbad, das ein Jahr später im Gustorfer Bruch seine Türen öffnete. Wie in Kapellen war auch diese Freizeitstätte in einen Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich unterteilt worden. Im Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Einrichtungen zerstört.

Am 18. Juni 1939 wurde das von der Kunstakademie Düsseldorf gestaltete Freibad am Alten Schloss seine Türen. "Es galt damals als eines der schönsten Bäder im gesamten Umkreis", sagt Stadtarchivar Thomas Wolff: "Und kostspielig war es auch. Alleine die Erdarbeiten für diese Freizeiteinrichtung hatten 125.000 Reichsmark verschlungen." Jahrzehntelang war das Freibad eine Attraktion, in den 60ern wurde es um ein Hallenbad erweitert. Und 1995 erhielt es eine Wasserrutsche, die vor allem das junge Publikum begeisterte. 2014 - ausgerechnet zum 75-jährigen Jubiläum - erlebte das Schlossbad seine letzte Saison. Im Neubau, der 2018 an den Start gehen wird, ist kein Freibad vorgesehen. Die Liegewiese bleibt den Grevenbroichern aber erhalten.

Das Schlossbad in den 1950er Jahren: Die in den 30er Jahren geschaffene Freizeiteinrichtung war lange Zeit ein beliebter Treffpunkt für die ganze Familie. FOTO: Sammlung Larisch

Längst Geschichte ist auch das Neurather Wellenbad, das 1970 eröffnete und zu den besten Einrichtungen in der Bundesrepublik zählte. Legendär ist der Klang des Gongs, der den nächsten Wellengang ankündigte. "Dann stürmte alles von der großen Liegewiese, um sich ins Becken zu begeben", erinnert sich Jürgen Larisch. In den 90er Jahren kam das "Aus" für die Neurather Freizeitattraktion.

"Bevor es die Freibäder gegeben hat, gab es die Erftbäder", sagt Thomas Wolff. Schon 1896 gab es in der Nähe des Alten Schlosses eine Badebucht, die von Schülern kostenlos genutzt werden konnte. Erwachsene zahlten dort ein paar Groschen fürs Schwimmen.

Quelle: NGZ
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