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Serie Leben Im Kloster
Als Missionar in Paraguay vom Papst gesegnet

Grevenbroich. Bruder Otto ist heute für die Gastlichkeit im Nikolauskloster zuständig. Nach zwölf Jahren in Paraguay durchlebte er eine Krise. Von Gundhild Tillmanns

Jüchen Wer im Nikolauskloster anruft, der hört seine Stimme. Wer dort Gast ist, wird von ihm empfangen: Bruder Otto ist einer der guten Geister der offenen Klostergemeinschaft. Der 56-jährige, im Schwabenland geborene Otto Schurr, ist einer, der anpacken kann. Doch der Ordensbruder, der zwölf Jahre Missionar in Paraguay war, ist auch ein stiller Philosoph und ein kontemplativer Beter. Bruder Otto hat ein wechselvolles (Ordens-) Leben hinter sich.

In einer Bauernfamilie mit sechs Geschwistern wuchs er auf. Er absolvierte eine Ausbildung als Automechaniker. Doch Otto arbeitete von Jugend an schon in der Pfarrgemeinde mit, war Messdiener und sah in "seinem" Gemeindepfarrer ein großes Vorbild: "Der Pfarrer fuhr jedes Jahr mit uns ins Zeltlager. Da mussten wir auch Nachtwachen halten. Dabei konnte ich die Silhouette des Pfarrers in seinem Zelt sehen, wie er stundenlang auf den Knien lag und gebetet hat. Das hat mich ungeheuer beeindruckt", erinnert sich Bruder Otto. Das größte religiöse Erlebnis war für den Jugendlichen aber eine Wallfahrt nach Lourdes: "Ich war vor Lourdes kein großer Beter. Aber in Lourdes habe ich erlebt, was Glaube und Gebet bewirken können."

Nach seiner Berufsausbildung hat Otto Schurr noch ein Jahr lang gearbeitet, um sich seinen Traum zu erfüllen: "Ich wollte ins Nikolauskloster und in der Abendschule Abitur machen." Die Sache mit dem Abitur funktionierte zwar nicht, aber sein Einstieg ins Ordensleben sehr wohl. Doch auch dies war eine lange Zeit der Vorbereitung und Prüfung, bis Bruder Otto im Alter von 26 Jahren die ewigen Gelübde ablegen konnte. Da hatte er Jahre im Mutterhaus des Oblatenordens in Hünfeld und im Kloster Maria Engelport an der Mosel hinter sich, hatte im Gästebereich gearbeitet, sich in Haus und "Hof" nützlich gemacht - und einen Entschluss gefasst: dem Ruf in die Mission des Ordens in Paraguay zu folgen.

Seine Eltern und vor allem sein Vater sei nicht begeistert gewesen: "Mein Vater hatte andere Pläne für mich, er wollte, dass ich den Hof übernehme", gibt er zu. Aber zu den ewigen Gelübden gehört auch der Gehorsam Gott und dem Orden gegenüber. Seine Überzeugung, sich für den Glauben auf den Weg zu machen, hatte Bruder Otto schon mit 125 Jahren, als er sich zum Nikolauskloster auf die Reise aus Süddeutschland begab. Eine ungleich weitere Reise stand ihm nun nach Paraguay bevor. Bis er dort schließlich in "seiner Missionsstation" in der Trockensavanne ankam, vergingen weitere eineinhalb Jahre der Vorbereitung in Paraguay.

Zwölf Jahre lang war dann Santa Teresita, eine Missionsstation in einer Garnisonsstadt mitten in der unwirtlichen Trockensavanne, so etwas wie die Heimat und das Wirkungsfeld für Bruder Otto: "Das waren meine Leute, wie eine Familie. Wenn sie krank waren, dann war ich mit ihnen krank. Ich konnte nicht anders, es war eine sehr emotionale Bindung", berichtet er über seine Arbeit mit etwa 1000 Mitgliedern aus zwei Indigenen-Stämmen, die er über ein riesiges Areal mit dem Geländewagen erreichte.

Dort hat er Brunnen gebaut: "Denn Trinkwasser war da ein großes Problem", erinnert sich Bruder Otto. Er half beim Schulbau - und war immer wieder "einfach" für die Menschen da. In die Zeit in Paraguay fiel auch sein bisher größtes und schönstes Erlebnis, wie er mit strahlenden Augen erzählt: "Papst Johannes Paul II. hat unsere Missionsstation besucht. Er hat jeden von uns persönlich gesegnet und uns Rosenkränze geschenkt. Meinen Rosenkranz habe ich meiner Mutter mit ins Grab gegeben", berichtet Bruder Otto.

Doch als er dann aber aus Paraguay abberufen wurde, fiel Bruder Otto in ein tiefes Loch: "Wir müssen gehorchen, aber für mich war das eine echte Krise", gibt er zu. Sein Orden ermöglichte ihm zur Orientierung, eineinhalb Jahre außerhalb des Klosters zu arbeiten. Er wurde Straßenarbeiter, baute an einer Autobahn mit: "Das waren harte Gesellen", erinnert er sich an seine Kollegen. Dann arbeitete er in einer Fabrik. Doch Bruder Otto suchte auch Beistand bei erfahrenen Seelsorgern - und fand schließlich ins Ordensleben zurück: "Was sich so einfach und schnell anhört, ist aber ein ganz schwieriger Prozess. Jeder von uns kann in so eine Krise kommen. Nach zehn Jahren ist der Glanz des Klosterlebens verschwunden, dann kommt der Alltag, und viele geben dann auch auf", berichtet er. Durch seine eigene Krise wisse er aber, dass es keine Menschen gebe, die keine Probleme haben. Bruder Otto sagt: "Das Kloster ist kein Rückzug aus der Wirklichkeit."

Quelle: NGZ
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