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Grevenbroich
Als Orken noch "Klein-Moskau" war

Grevenbroich: Als Orken noch "Klein-Moskau" war
Klaus Krützen (r.) und Thomas Wolff in der Kommunismus-Schau. FOTO: Tillmanns
Grevenbroich. Die Ausstellung in der Versandhalle dokumentiert den internationalen Kommunismus vom Aufstieg bis zum Niedergang. Stadtarchivar Thomas Wolff erinnert auch an die Morde an zwei KPD-Mitgliedern aus Grevenbroich. Von Gundhild Tillmanns

In den Lehrplänen der Schulen wird zwar dem Nationalsozialismus mittlerweile ein großer Stellenwert eingeräumt. Dabei kommt die Behandlung des Kommunismus als einem weiteren Phänomen der totalitären Staatsformen nur eine untergeordnete Bedeutung zu: Das weiß Bürgermeister Klaus Krützen noch aus seiner Zeit als Lehrer und Schulleiter. Deshalb lag es Krützen besonders am Herzen, die Ausstellung "Der Kommunismus in seinem Zeitalter - 100. Jahrestag der Oktoberrevolution" nach Grevenbroich zu holen und gestern zu eröffnen.

Die ersten Schulen haben sich laut Stadtarchivar Thomas Wolff bereits zu Führungen durch die Schau in der alten Versandhalle angemeldet. Wolff bietet nach Ablauf der Ausstellung außerdem an, die Tafeln an interessierte Schulen auszuleihen. Die Tafeln, die den Aufstieg und den Niedergang des internationalen Kommunismus' mit Texten und Bildern dokumentieren, sind zudem mit QR-Codes versehen, über die weitere Erklär-Videos abgerufen werden können.

Doch es gab und gibt den Kommunismus nicht nur in Russland, auf Kuba oder in Nord-Korea: "Unser Ortsteil Orken wurde früher 'Klein-Moskau' genannt", erinnert sich Krützen. Stadtarchivar Wolff zeigt in der Ausstellung auch Wahlergebnisse, die die KPD als drittstärkste Kraft im Grevenbroicher Stadtrat repräsentierten. Und er zeigt den Sonderausweis, den Wilhelm Klöter aus Orken im Jahr 1947 als verfolgtes KPD-Mitglied erhielt. Er wurde in der Nazizeit ins Gefängnis gesteckt, weil er Flugblätter verteilt hatte. Ins KZ wurden Kommunisten aus Grevenbroich verschleppt, und einige von ihnen wurden auch von den Nationalsozialisten ermordet, wie Thomas Wolff berichtet. So lebte Josef Lang in einem Haus am Siegesplatz in "Kost und Logis". Er arbeitete in der Maschinenfabrik und betätigte sich zugleich in der örtlichen KPD, in der Anfang der 20er Jahre ein großer Teil der Arbeiterschaft organisiert war. In der Nacht auf den 11. Dezember 1923 fiel Lang einem Mordanschlag zum Opfer. Er befand sich wohl auf dem Rückweg von Freunden, die er in Elfgen besucht hatte und traf dann auf der Landstraße zwischen Fürth und Elfgen auf seine Mörder. Am nächsten Tag wurde seine Leiche im Straßengraben gefunden.

... Kommunist, den Rosemarie Cremer aufbewahrt hat. FOTO: Stadtarchiv

Oder da war der Mord an dem kommunistischen Funktionär Karl Hackstein auf dem Grevenbroicher Bahnhof im April 1933 wenige Wochen nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler Ende Februar 1933: SA-Hilfspolizisten töteten Hackstein mit Schüssen in Kopf und Rücken nach seiner Verhaftung. Viele kommunistische Funktionäre, wie Balthasar Nürnberg aus Orken, wurden verfolgt und verhaftet, aber auch einfache Parteimitglieder litten nach 1933 unter Repressalien und Verfolgungen des NS-Regimes. Auch an sie soll die Ausstellung jetzt erinnern.

Quelle: NGZ
 
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