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Grevenbroich
Als Schützen am Schloss feierten

Grevenbroich. Archäologen untersuchen zurzeit das Schloss-Areal. Auch aus schützengeschichtlicher Sicht ist das Gelände durchaus von Interesse. Von Ulrich Herlitz

Seit seiner Gründung 1849 veranstaltete der Bürgerschützenverein sein Volksfest unter freiem Himmel. Johann Wilhelm Raeven, der eine Gaststätte hinter der Erftbrücke an der Breite Straße betrieb, hatte dafür ein eigenes "Schützenwäldchen" mit Lauben und einer Schießbahn hergerichtet. Dort wurden Tanzveranstaltungen, der Königsschuss und Spiele für die Kinder organisiert. Doch schon 1861 sollte der zentrale Veranstaltungsort wechseln.

Gastwirt Raeven, der "Wassersack" genannt wurde, hatte sich nämlich mit dem Bürgerschützenverein angelegt. Er wollte die Musiker nicht weiterhin unentgeltlich beköstigen, verlangte 15 Taler Jahresmiete für das Wäldchen und beanspruchte das beim Schießen übrig gebliebene Blei auf dem Schießstand, das bis dahin dem Scheibenwärter zustand. Dies war den Schützen zu viel: In ihrer Generalversammlung beschlossen sie, ihr Fest in den Schlossbusch zu verlegen.

Am Alten Schloss gab es schon damals eine Gaststätte, zu der auch der Schlossbusch gehörte. Deren Inhaber Johann Ignatius Eßer überließ sein Wäldchen den Schützen, er lehnte jedoch ab, sämtliche Bälle des BSV im Alten Schloss zu organisieren. Er war lediglich am Sonntagsball interessiert - vermutlich weil der Verein damals kleiner war und die Veranstaltungen nicht alle so gut besucht waren. Der BSV willigte ein. Die beiden anderen Festbälle zum Schützenfest 1861 wurden dem Gastwirt Claus Koberstein zugeschlagen, der am Markt eine Traditionsgaststätte betrieb.

Wie sah ein Festball auf dem Alten Schloss aus? Natürlich standen Tanz und Vergnügen während der Bälle im Vordergrund. Die Schützen führten in ihren schicken Uniformen ihre Frauen aus, Vorstand und Offiziere waren gehalten, "auf dem Ball in Scherpe" zu erscheinen. Die Musik bestand am Kirmessonntag aus zehn, sonst aus fünf Musikern. Später, als die Lück'sche Kapelle aus Neuss und die Nauen'sche Kapelle aus Krefeld verpflichtet wurden, kamen durchweg acht Musiker.

Als der Vorstand erstmals 1864 mit der Kapelle Nauen verhandelte, wollte er die Regelung bezüglich der freien Getränke ändern, die Jahre zuvor schon "Wassersack" Raeven kritisiert hatte - wohl weil die Musiker reichlich zulangten. Im Protokoll heißt es dazu: "Da die früher gehaltene Musik wegen dem ihnen zu liefernden Getränke sehr kostspielig war, so wurde beschlossen, dieses den Musikern zu enthschädigen, und soll versucht werden, ihnen hierfür 5 Thaler als Vergütung zu bieten, wogegen diese dann alle Getränke selbst zu zahlen hätten".

Außerdem beauftragte die Generalversammlung den Vorstand, nur "Contract abzuschließen, worin es ausdrücklich heiße, dass Nauen für gute Musik sorgen muss und demselben bei entgegengesetztem Falle Abzug zu machen sei". Doch derlei Befürchtungen waren unbegründet, so dass man Nauen bereits im darauf folgenden Jahr "bei günstigem Wetter und guter Einnahme in Anbetracht der Billigkeit eine kleine Zulage in Aussicht stellte". Lediglich bei der Frage der Freigetränke konnte sich der BSV nicht durchsetzen.

Viele Jahre warben die Schützen mit der "berühmten Nauen'schen Capelle aus Crefeld". Damit hatte der Verein mehr als zehn Jahre die gleichen Festwirte und einen Veranstaltungsort in und um das Alte Schloss, bevor er ein eigenes Schützenwäldchen erwarb, den Vorläufer des heutigen Kirmesplatzes. Doch das ist eine andere Geschichte.

Quelle: NGZ
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