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Grevenbroich
Archäologen finden uralte Schädel-Grube

Grevenbroich: Archäologen finden uralte Schädel-Grube
In einer Grube haben Archäologen 220 menschliche Schädel und Oberschenkelknochen gefunden. Wahrscheinlich wurden die Gebeine dort nach dem Kirchenneubau 1765 wieder bestattet.
Grevenbroich. Unter einem ehemaligen Friedhof an der Pfarrkirche St. Martin in Frimmersdorf wurde jetzt eine Kuhle mit mindestens 220 menschlichen Gebeinen entdeckt. Die Knochen müssen aus der Zeit vor dem Kirchenbau stammen. Von Julia Hagenacker

Die ersten Knochen-Funde waren eine Überraschung, im ersten Moment ein bisschen gruselig und letztendlich enorm aufschlussreich. Das jedoch, was Archäologen jetzt nahe der katholischen Pfarrkirche St. Martin in Frimmersdorf tief aus dem Boden ans Tageslicht befördert haben, ist wirklich alt und damit eine echte Besonderheit. Erich Claßen jedenfalls, Leiter der Außenstelle Overath des Amtes für Bodendenkmalpflege beim Landschaftsverband (LVR), hat so etwas in seinem bisherigen Berufsleben noch nicht gesehen: "Zum einen haben wir in unteren Erdschichten zwei bis drei sogenannter Kopfgräber entdeckt", erzählt der Wissenschaftler. "Das sind Gräber, die der Körperform des Leichnams angepasst wurden. Für den Kopf ist eine kleine Nische ausgespart." Diese Gräber, erklärt der Experte, habe es zum Teil auch noch in der Neuzeit gegeben. Was die zeitlich Einordnung der Funde betrifft, tippt Claßen aber eher aufs späte Mittelalter.

Auf jeden Fall aus der Zeit vor 1765, da ist sich der Fachmann sicher, müssen die Gebeine stammen, die bis vor kurzem in einer drei Meter auf drei Meter großen, ovalen Grube tief im Frimmersdorfer Boden lagen. Mindestens 220 menschliche Schädel und Oberschenkelknochen wurden darin gefunden. "Wahrscheinlich wurde die Grube bei Kirchenbauarbeiten im Jahr 1765 auf dem Gelände des damaligen Friedhofs angelegt, um die wichtigsten Skelettteile darin wieder zu bestatten", sagt Claßen. Aus welcher Zeit genau die Schädel stammen, wird jetzt untersucht. In jedem Fall seien die Funde wichtig für die Dorfgeschichte, sagt der Experte vom LVR. Denn aus dem kollektiven Gedächtnis wurde die frühere Bestattung rund um die Kirche offenbar komplett verdrängt.

Archäologen bei der Arbeit: Vorsichtig werden die Knochen freigelegt.

Bei Aushubarbeiten für eine behindertengerechte Zufahrtsrampe zum neuen katholischen Pfarrzentrum war ein Baggerfahrer im Sommer vergangenen Jahres auf die Reste eines Friedhofs gestoßen, der sich einst in unmittelbarer Nähe der 1765 errichteten Pfarrkirche St. Martin befand. Gebeine von rund 100 Verstorbenen, darunter acht vollständig erhaltene Skelette, wurden dort gefunden. "Der Friedhof war dicht belegt, in vier bis fünf Schichten übereinander", sagt Claßen. "Häufig lagen drei oder vier Schädel in einem Grab." So etwas, erklärt der Fachmann, sei auch heute noch üblich. "Wenn die Ruhezeit abgelaufen ist und ein Grab aufgelöst wird, wird oberflächlich geräumt. Ausgehoben werden die Gräber nicht, die sterblichen Überreste bleiben in der Erde."

1852, heißt es, endeten in Frimmersdorf die Bestattungen rund um St. Martin. Danach wurden die Toten auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt. Dass die Skelette so gut erhalten blieben, liege auch am besonders konservierenden Lehmboden, sagt Erich Claßen. Mittlerweile wurden an der Kirche nahezu alle historischen Funde freigelegt. Spätestens bis zum 13. Mai soll die archäologische Baustelle geschlossen werden. Nach dem Gemeindezentrum kann dann auch die Rampe fertiggebaut werden.

Quelle: NGZ
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