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Grevenbroich
Aufregung um Seiteneinsteiger-Klassen

Grevenbroich: Aufregung um Seiteneinsteiger-Klassen
Deutsch-Lehrerin Petra Menn (l.) kümmert sich, unterstützt von Kolleginnen, um die jugendlichen Flüchtlingskinder am BvA-Gymnasium. FOTO: G. Salzburg
Grevenbroich. Ein möglicher Verzicht auf Fördergruppen und Klassen, in denen Flüchtlingskinder intensiv Deutsch lernen sollen, sorgt für Aufregung. Die Bezirksregierung beschwichtigt: Es gebe keine Änderung zur bisherigen Situation. Von Klaus D. Schumilas

Kinder, die nach langer Flucht aus Kriegs- und Krisengebieten in ihrer neuen Heimat angekommen sind und - ohne jegliche Deutsch-Kenntnisse - am Regelunterricht einer weiterführenden Schule teilnehmen sollen: Dieses Szenario schreckt Schulen, aber vor allem Politiker auf. Ein Erlass aus dem Schulministerium im Sommer soll angeblich das bisherige System mit Seiteneinsteigerklassen auf den Kopf stellen. In Neuss sagte CDU-Parteivorsitzender Jörg Geerlings: "Diese Politik auf Kosten der Schulqualität, der Lehrer und der Chancen für alle beschulten Kinder ist nicht tragbar. "Dies ist das Produkt einer ideologischen Politik, die vollkommen an der Realität vorbei geht. Für uns gilt klar: Alle Schüler müssen individuell gefördert werden." Die dortige SPD entgegnete scharf und verwies auf die "Faktenlage": Die unmittelbare Teilnahme am vollständigen Regelunterricht sei nur eine der durch den (neuen) Erlass eröffneten Option. Das bestätigt auch die Bezirksregierung auf Anfrage unserer Redaktion.

Im Rhein-Kreis Neuss gibt es in allen Kommunen und vielen Schulen diese Seiteneinsteiger- bzw. Fördergruppen für Flüchtlingskinder, in denen es um den Erwerb der deutschen Sprache geht: alleine in Grevenbroich an fünf weiterführenden Schulen. Bislang werden dort rund 110 Schüler in sieben Seiteneinsteigerklassen - für höchstens zwei Jahre - unterrichtet. An den Grundschulen ist die Situation anders, dort werden diese Kinder sofort in die Regelklassen integriert und darin gefördert. Dieses System gibt es noch, wie Schulrätin Karin Roth-Junkermann sagt. "Wir können im Moment noch in diesen Gruppen in der Sekundarstufe fördern." Aber offenbar rechnen die Schulbeamten vor Ort damit, dass das Land doch zunehmend die direkte Integration in eine Regelklasse wünscht, ohne über den "Umweg" der Seiteneinsteigerklassen. "Dazu gibt es aber noch keine Konzepte", sagt die Schulrätin. Die Bezirksregierung sagt: "Eine Schule muss keine Seiteneinsteiger-Klassen einrichten, sie kann die Kinder bzw. Jugendlichen auch auf einzelne Regelklassen verteilen", so die Sprecherin. "Ab einer gewissen Anzahl an zu beschulenden Kindern lohnt es sich, erst eine eigene Seiteneinsteigerklasse zu bilden."

Vor Ort wird die Situation gelassen gesehen. Zum Beispiel am Bettina-von-Arnim-Gymnasium in Dormagen. "Der Deutsch-Spracherwerb steht im Vordergrund", sagt Schulleiter Theodor Lindner, "diese Kinder benötigen eine richtige Sprach-Injektion. Wir haben eine Seiteneinsteigerklasse gebildet. Die rund 14 Schüler sind im Alter zwischen zehn und 17 Jahren, das zeigt schon die Heterogenität, zumal der schulische Stand bei den einzelnen Kindern sehr unterschiedlich ist." 14 Stunden Deutsch anstelle der zwölf vom Ministerium geforderten wird am BvA unterrichtet. "Die Flüchtlingskinder haben einen vollen Stundenzahl. In Sport, Kunst, aber auch Mathe ist die Integration in die Regelklasse kein Problem", betont Lindner.

Quelle: NGZ
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