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Raoul Cheuteu
"Augenhilfe Afrika" ist auch trotz politischer Krisen aktiv

Grevenbroich. Der Kameruner Augenarzt und Schützenbruder Dr. Raoul Cheuteu ist nach Unges Pengste in Korschenbroich nun in seine Heimat zurückgekehrt. Dort will er weiterhin mit den Geld- und Sachspenden vom Niederrhein im Auftrag der "Augenhilfe Afrika" bei Operationskampagnen bedürftige Blinde heilen. Doch er kehrt auch in ein krisengeschütteltes Land zurück.

Herr Cheuteu, wie beurteilen Sie die Sicherheitslage in Kamerun? Auch in Deutschland hört und liest man immer wieder von tödlichen Anschlägen und Entführungen der islamischen Terroristen Boko Haram. Wie erleben Sie die Situation vor Ort?

Raoul Cheuteu Tatsächlich ist Boko Haram eine Geißel für Nigeria, wo diese Terroristen herkommen, aber auch für Kamerun und den Tschad als Nachbarländer. Die drei Staaten haben sich aber im Kampf gegen Boko Haram erfolgreich zusammengeschlossen und Millionen in den militärtischen Abwehrkampf investiert. Bei einem Militäreinsatz haben Nigerias Streitkräfte kürzlich 97 Geiseln - Frauen und Kinder - aus der Gewalt der islamistischen Terrormiliz Boko Haram befreit. Unter ihnen soll sich auch ein zweites Mädchen der mehr als 200 entführten Schülerinnen aus Chibok befinden. Wir gehen bei unseren Operationskampagnen kein Risiko ein und meiden die bekannten gefährlichen Gebiete.

Das hört sich so an, als würde sich die Lage in Kamerun allmählich entspannen.

cheuteu Inzwischen scheint der Vormarsch der Terroristen gestoppt, die ersten entführten Mädchen sind freigelassen worden. Und es deutet alles daraufhin, dass der Anführer von Boko Haram verletzt oder sogar getötet worden ist. Wir haben Hoffnung, dass sich die Region politisch beruhigt und wir wieder überall operieren und heilen können. Es gibt aber auch in den Nachbarländern nicht nur viele Blinde, die auf uns warten, sondern zum Beispiel in der Republik Zentralafrika Anzeichen für eine Stabilisierung der Sicherheitslage. Es gibt viele Orte, wo wir gebraucht werden.

Sie operieren und behandeln in Ihrer Heimat Kamerun als katholischer Christ immer wieder auch muslimische Patienten. Gibt es religiöse Vorbehalte auf Seiten der muslimischen Patienten?

Cheuteu Nein, überhaupt nicht. Muslime sind in vielen afrikanischen Ländern eher unterprivilegiert und leben oft in den ärmsten Regionen, wie wir es in Mora sehen konnten. Sie sind umso dankbarer für die Hilfe, die wir ihnen bringen. Zur Akzeptanz tragen aber immer auch hochrangige Persönlichkeiten bei, die in den jeweiligen Regionen das Sagen haben und die Bevölkerung auf unser Kommen vorbereiten.

Was tun Sie, wenn bei den Operationskampagnen für Bedürftige ein Patient auftaucht, der zwar dringend behandelt werden müsste, aber nicht arm ist?

Cheuteu Ich biete ihm an, auf seine Kosten in unsere Augenklinik in die Hauptstadt oder auch in die Filiale in Ambam zu kommen und sich dort behandeln oder auch operieren zu lassen. Bei unseren Kampagnen operieren wir gratis nur wirklich arme Patienten. Und mit der Zeit bekommt man auch ein Auge dafür, wer wirklich bedürftig ist, oder nur so tut.

Sie werden aus Deutschland von dem Korschenbroicher Verein "Augenhilfe Afrika" unterstützt. Haben Sie auch Unterstützer in Kamerun selbst?

Cheuteu Ein ganz wichtiger Unterstützer ist der Präsident des Parlaments, außerdem Minister wie der Gesundheitsminister. Regionale Könige (Lamidos) und Sultane haben ebenfalls unsere Kampagnen besucht und unterstützt und wollen das auch künftig tun. Nicht ohne Bedeutung ist zudem das weltweite Netz der Lions Clubs, das ich als Mitglied und Präsident unseres Clubs in Yaoundé als guten Rückhalt empfinde.

Wird es eigentlich einen Zeitpunkt geben, an dem alle am Grauen Star Erblindeten in Kamerun geheilt sein und Sie quasi nichts mehr zu tun haben werden?

Cheuteu Nein, leider nicht. Solange die Umstände sich nicht ändern, werden leider auch weiterhin Blinde sozusagen nachwachsen. Es wird wohl auch in Zukunft zu wenige Ärzte, keine richtige Krankenversicherung, dafür Mangelerkrankungen und bei weitem nicht für alle Menschen Zugang zu sauberem Wasser in Afrika geben. Wir versuchen bei unseren Kampagnen immer, so viele bedürftige Menschen wie möglich zu heilen. Aber wir haben noch viel zu tun und sind deshalb über die Spenden an die "Augenhilfe Afrika" unheimlich dankbar.

DIE FRAGEN STELLTE LISA SCHMITZ.

Quelle: NGZ
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