| 00.00 Uhr

Grevenbroich
Aus dem Maibaum ist ein Herz geworden

Grevenbroich: Aus dem Maibaum ist ein Herz geworden
FOTO: Berns, Lothar (lber)
Grevenbroich. Der Liebsten zum Maifeiertag öffentlich die Zuneigung zu demonstrieren, ist im Rheinland eine stabile Tradition. Nur mit dem Bäumefällen haben es die jungen Männer heute nicht mehr so. Wie gut, dass es eine Alternative gibt. Von Lisa Kreuzmann

Die Zeiten, in denen junge Männer am Niederrhein einen Maibaum schlagen gehen, sind vorbei. Der Maibaum sei total rückläufig, sagen Grevenbroicher Floristen. Man könnte sogar sagen, der Maibaum ist out. Wieder eine Tradition, die aus der Lebenswirklichkeit verschwindet? Nicht ganz. Die Jugend hat es heute nur lieber etwas bequemer. "Die jungen Leute haben heute keine Lust mehr, in den Wald zu gehen, und einen Maibaum zu schlagen", sagt Michaela Dahmes, Floristin im Blumenhaus Lepper. Aber verliebt und traditionsbewusst sind sie auch heute noch: Das Maiherz verdrängt immer mehr den Maibaum aus dem Stadtbild zum 1. Mai.

Wobei das Bild nicht wörtlich zu nehmen ist. Die Ausgestaltung eines Maiherzen ist quasi grenzenlos. Vor zwei Jahren etwa wollten alle jungen Grevenbroicher ihren Liebsten "Maiherzen" in Playboy-Bunny-Form an die Fensterbank klammern, erzählt Floristin Michaela Dahmes. Und 2016 wird der 1. Mai aller Voraussicht nach noch ein wenig abwechslungsreicher, denn auch die Damen selbst können in diesem Jahr ihren Herzallerliebsten eine Überraschung vors Fenster hängen: Schaltjahr. "Erst vor ein paar Tagen hatten wir eine Kundin", erzählt Michaela Dahmes, "die für ihren Liebsten ein Herz in den Borussia Farben Schwarz-Weiß-Grün geordert hat".

Die bunten Liebesbotschaften kosten im Blumenhaus Lepper zwischen 25 und 75 Euro. An die 30 Herzen werden dort pro Jahr verkauft, schätzen die Floristen. "Den Brauch gibt es bestimmt schon seit 20 Jahren", sagt Michaela Dahmes. Aber inzwischen werde der Maibaum so gut wie gar nicht mehr gestellt. Für den Blumenhandel eröffnet das eine weitere Saison. "Wir kennen die Jungen teilweise schon mit Vornamen. Die kommen am Valentinstag zum Röschen kaufen, zum Maitag bestellen sie ein Herz und zum Muttertag ist dann auch mal die Mama dran", erzählt die gebürtige Allratherin Manuela Dahmes. Sie selbst habe noch einen Maibaum gestellt bekommen und daraufhin ihren damaligen Freund auch schnell zum Ehemann gemacht. Heute führe das Maiherz nicht unmittelbar zu einer Verlobung, erzählt die 40-Jährige. "Für manche Männer binden wir nach dem Maiherz aber auch die Hochzeitssträuße", erzählt die Grevenbroicher Floristin.

Der Vorteil der Maiherzen bestünde auch darin, dass sie im Gegensatz zu Birkenbäumchen aufgehoben werden könnten. Aus Gärtnerkrepppapier werden kleine Röschen gebunden, die dann in kleinster Feinarbeit auf eine Styroporunterlage gesteckt werden. Der absolute Renner seien momentan geflügelte Herzen, erzählt Dahmes. Aber auch schon Pandabären haben die Floristinnen gebunden. Für die persönliche Note sorgt der Anfangsbuchstabe des Vornamen der Liebsten, der zum Schluss eingearbeitet wird. In Folie verpackt, trotzen die Liebesbeweise auch dem stürmischen Aprilwetter. Im Internet werden so bereits auch "gebrauchte" Maiherzen - "wird nicht mehr benötigt" - zum Kauf angeboten.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Grevenbroich: Aus dem Maibaum ist ein Herz geworden


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.