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Grevenbroich
Ausstellung auf dem Abstellgleis

Grevenbroich: Ausstellung auf dem Abstellgleis
In Grevenbroich werden über 1000 Besucher erwartet. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Der "Zug der Erinnerung", die Ausstellung über die Ermordung jüdischer Kinder und Jugendlicher durch die Nazis, kommt nach Grevenbroich – aber auf ein Nebengleis. Der Verein ist empört, die Bahn nennt betriebliche Gründe. Von Daniela Buschkamp

Am kommenden Mittwoch hält der "Zug der Erinnerung" für zwei Tage am Grevenbroicher Bahnhof. Doch über den genauen Standort ist gestern zwischen dem organisierenden Verein und der Deutschen Bahn ein Streit ausgebrochen. "Die Deutsche Bahn hat uns angeboten, den Zug in Grevenbroich auf einem Abstellgleis ohne Bahnsteig halten zu lassen – zu erreichen über Wiese, Schottersteine und Pfützen entlang der Gleise", kritisiert Ralf Zanders, Referent beim Bistum Aachen. "Unerträglich", sagt Martin Kresse, Vertreter des Katholikenrates und Koordinator für den Rhein-Kreis Neuss.

Der "Zug der Erinnerung" ist ein Ausstellungsprojekt in Eisenbahnwaggons. Anhand von Infotafeln, persönlichen Erinnerungsstücken und Dokumenten soll der Massenmord an jüdischen Kindern und Jugendlichen während der NS-Diktatur dokumentiert werden. Heute stehen die Waggons noch am Gleis 1 im Mönchengladbacher Hauptbahnhof. Am Grevenbroicher Bahnhof sollen sie auf Gleis 5, das nur über die Merkatorstraße zu erreichen ist, stoppen. Der Verein sieht sich auf ein Abstellgleis abgeschoben: "Wir fragen uns, ob ein Abstellgleis dem Schicksal der ermordeten und deportierten Kinder angemessen ist", so Rüdiger Minow, Vorstandssprecher des Vereins "Zug der Erinnerung".

Ein Sprecher der Bahn nannte gestern "betriebstechnische Gründe" für den Haltepunkt. "Die Nutzung eines anderen Gleises würde Verspätungen zwischen vier bis zehn Minuten bedeuten. Wir sind vertraglich verpflichtet, solche Verspätungen nach Möglichkeit zu vermeiden." Die Bahn habe auch – nach Kritik des Vereins – nochmals geprüft, aber: "Es gibt keine Alternativen in Grevenbroich" – außer, man hätte das Angebot angenommen, nach Rommerskirchen oder Neuss auszuweichen.

Für die Organisatoren keine echten Alternativen, denn: "In Neuss hält die Ausstellung sowieso. Und den mindestens tausend Besuchern, die wir in Grevenbroich erwarten, können wir den Weg nach Neuss nicht zumuten", sagt Martin Kresse. Er zeigte sich von der Resonanz der Schulen beeindruckt.

Zwischen der DB und dem Verein gibt es Unstimmigkeiten: Der Bahnsprecher führte gestern aus, dass der Verein bereits "Anfang Dezember über den Halt auf Gleis 5" informiert worden sei. Beim Verein dagegen negiert man dies: "Wir haben Anfang Dezember die komplette Route mit allen Haltepunkten an die Bahn mitgeteilt und bis vor zwei Wochen keine Absage erhalten – auch nicht für das ursprünglich geplante Hauptgleis in Grevenbroich", betont Martin Kresse.

"Das Bistum Aachen hofft jetzt, dass es noch gelingt, den Zug in Grevenbroich würdevoll halten zu lassen", sagt Bistumsreferent Ralf Zanders.

Quelle: NGZ
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