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Grevenbroich
Ausstellung in der Versandhalle soll Flüchtlingen helfen

Grevenbroich. Normalerweise organisiert Roland Brozio ja Ausstellungen, die in seinem Wohnzimmer an der Bergheimer Straße stattfinden. Der Ausstellungsmacher ist auch engagiertes Mitglied von Amnesty International, und die Ausstellung, die er jetzt auf die Beine gestellt hat, wäre eine Nummer zu groß für seine Wohnstube. In der Versandhalle auf der Stadtparkinsel sind jetzt rund 70 Arbeiten von etwa 40 Künstler zu sehen. Die Werke können sofort erworben oder am Pfingstsamstag ersteigert werden. Mit dem Erlös wird Flüchtlingen geholfen, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Etliche Künstler auch aus Grevenbroich und Umgebung haben Arbeiten zur Verfügung gestellt. Jürgen Holitschke hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Er stellte einen Ordner zur Verfügung mit Texten, in denen es um die Auseinandersetzung mit der Kunst geht. Elisabeth Busch-Holitschke verscherbelt ihr Tafelsilber - Messer und Gabel sind aus gefüttertem Stoff. Michael Falkenstein aus Neuss hat einen kleinformatigen Holzschnitt zur Verfügung gestellt mit einem seiner Lieblingsmotive, einem Wasserfall. Annu Koistinen zeigt etwa ein Bild mit zwei Torsi aus Filz - Harmonie zwischen Mann und Frau auf den Punkt gebracht. Wer ist Inga, wer ist Neubauer? Nicht alle Künstler, die Werke zur Verfügung stellten, geben ihre Identität preis. Inga - wer immer sich auch dahinter verbergen mag - zeigt kraftvolle Malerei. Mensch und Natur scheinen zu einer flirrenden Einheit zu verschmelzen. Und "Neubauer" ist ein politischer Maler - oder Malerin. "Parademarsch" ist ein Bild, das niemanden kalt lässt: Nackte Männer gehen zu Boden - nicht vor einem Soldaten, ihnen reicht die Uniformjacke. Eigens für die Ausstellung hat Franz Anton Lenze Exponate geschaffen. Mittels Prägedruck bringt er Botschaften rüber - Begriffe, die ihm besonders wichtig sind, sind durch blaue Farbe hervorgehoben. Für viele Flüchtlinge scheint Deutschland der "Magic Place" zu sein. Ilse Grabbert assoziiert damit anderes: Eine Landschaft mit endloser Weite ohne alles, was an Menschen oder von Menschenhand Geschaffenem erinnert.

Heute um 18 Uhr liest Kathrin Marhofen aus "Zeit der Heuschrecken", der Fluchtgeschichte einer Vietnamesin. Am Pfingstsamstag werden die Exponate ab 18 Uhr versteigert. Bis dahin ist die Ausstellung dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

(barni)
 
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