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Grevenbroich
Azubi-Suche wird immer schwieriger

Grevenbroich. Wirtschaft im Kreis bildet auf hohem Niveau aus - und macht gegen "Akademisierungswahn" mobil. Von Carsten Sommerfeld

Die Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss stellen in diesem Jahr mehr junge Auszubildende ein als 2014. Doch zugleich fällt es ihnen schwerer, ausreichend geeigneten Nachwuchs zu finden. Die Werbung für berufliche Bildung soll daher weiter forciert werden. Das wurde gestern bei einer Pressekonferenz von Industrie- und Handelskammer (IHK), Kreishandwerkerschaften Niederrhein und Mönchengladbach sowie der Agentur für Arbeit deutlich.

Positive Zahlen legten deren Vertreter auf den Tisch. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge bei der IHK stieg gegenüber 2014 um 3,6 Prozent auf 1532 - und liegt mit diesem Zuwachs über NRW-Durchschnitt. "Wirtschaft liefert", fasste IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz das Engagement kurz und bündig zusammen. Das Handwerk im Kreis legte bei Lehrverträgen sogar um 14,3 Prozent auf 1394 zu. Kfz-Mechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär und anderes sowie Friseure sind die "Renner" bei den Ausbildungsberufen. Die Zahl der nicht vermittelten jungen Bewerber beim Arbeitsamt im Kreis sank gegenüber 2014 von 165 auf 149. Ein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen? Keineswegs, wie Bernd Famulla deutlich machte: Der Geschäftsführer von Reuter Bauunternehmen in Wevelinghoven war Gastgeber für die Pressekonferenz und erzählte von Sorgen der Firma mit 74 Mitarbeitern - darunter sieben Auszubildenden. "Einerseits hapert es bei vielen Bewerbern an der Schulbildung, die an der Praxis vorbei geht", so Famulla. Andererseits habe die Baubranche ein Imageproblem. Viele Jugendliche zeigten kein Interesse an dem Beruf. "Wir haben ein Jahr gebraucht, um eine Bauingenieur-Stelle zu besetzen. Wir haben permanenten Fachkräftemangel." Kein Einzelfall - einen Grund dafür sieht Stefan Bresser, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach, in falschen Vorstellungen. "Bei einer Schulführung erklärten von 120 Gesamtschülern nur sieben, dass sie sich für eine berufliche Ausbildung interessierten." Vom "Akademisierungswahn" spricht Steinmetz. "Auf der einen Seite werden Hochschulangebote forciert - und dann sind Programme nötig, um die vielen Studienabbrecher aufzufangen."

Was ist zu tun? "Unter anderem muss in Familien das Bewusstsein stärker werden, dass die Berufswahl ein wichtiges Thema ist", erklärte Angela Schoofs, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit. IHK-Geschäftsführer Frank Lorenz weist auf die Informations-Anstrengungen der Unternehmen hin. Allein beim Projekt ,Check in Berufswelt' besichtigten 4500 Jugendliche Firmen, und "2016 wollen wir Ausbildungsbotschafter in Schulen schicken". Klaus Koralewski von der Kreishandwerkerschaft Niederrhein erhofft sich viel vom Programm "Kein Abschluss ohne Anschluss", das in allen weiterführenden Schulen eingeführt wird und unter anderem Berufsfeld-Erkundungen in Betrieben umfasst.

Quelle: NGZ
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